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Anti-Bullying für "Max und Moritz" - Velbert - 1103136

(ots) - Die städtische Gemeinschafts-Grundschule "Max und Moritz", in Velbert-Langenberg an der Hüserstraße 40, führt aktuell auch die Anti-Bullying-Strategie als Interventionsprogramm gegen Gewalt an Schulen ein.

Durch die Kriminalprävention der Kreispolizeibehörde Mettmann wurde das Anti-Bullying-Konzept der Schule vorgestellt. Es folgten mehrere Gespräche mit Lehrern, Eltern und Schülern. Die Schule entwickelte in Zusammenarbeit mit der Polizei Fragebögen und eine gemeinsame Vereinbarung. Das Interventionsprojekt wurde nun, nach einer längeren Vorbereitungsphase, federführend durch Frau Alexandra Pitschke und Frau Jacqueline Schnettker umgesetzt.

Dafür erhält die Schule am Montag, dem 21. März 2011, um 10.15 Uhr, durch Herrn Kriminalhauptkommissar Klaus Fitzner eine von Landrat Thomas Hendele unterschriebene Urkunde überreicht und wird damit als "Schule gegen Gewalt" ausgezeichnet.

Für weitere Fragen stehen Herr Fitzner von der Kriminalprävention (Telefon 02104 / 982-8403) sowie Frau Pitschke und Frau Schnettker von der Max und Moritz Schule (Telefon 02052/ 83990) zur Verfügung.

-- zu den Hintergründen des Anti-Bullying-Konzeptes:

  • Langfristiges Ziel

Langfristiges Ziel ist es, auch im Kreis Mettmann durch die Zusammenarbeit von Schule, Eltern, Schülern und Polizei die Strategie an möglichst vielen Schulen von der ersten bis zur zwölften Klasse umzusetzen, um so nachhaltig Gewaltkonflikte an Schulen eindämmen zu können.

  • Gewaltbereitschaft in der Gesellschaft steigt

Die Entwicklung der Gewaltbereitschaft in unserer Gesellschaft ist ein ernst zu nehmendes Problem. Die Hemmschwelle, Gewalt als ein probates Mittel zur Konfliktlösung einzusetzen wird augenscheinlich immer niedriger, einhergehend damit, dass auch bei kleineren Konflikten schon Tendenzen zu gewalttätigen "Lösungen" immer häufiger erkennbar sind.

Da Kinder und Jugendliche ein Spiegelbild unserer Gesellschaft sind, sind derartige Erscheinungsformen im Umgang mit Gewalt auch bei ihnen zu beobachten.

Beinahe zwangsläufig führt dies zu einer Auseinandersetzung mit dem Thema "Gewalt an Schulen". Die Diskussion, inwieweit Gewalttätigkeiten an Schulen enorm zugenommen haben und wir auf "amerikanische Verhältnisse" zusteuern oder aber es zu einer Dramatisierung "normaler" Sachverhalte im schulischen Alltag kommt, wird seit Jahren kontrovers geführt. Letztendlich wird immer wieder deutlich, dass dies mit der unterschiedlichen Definition des Begriffes "Gewalt" im Zusammenhang steht. Weder Hysterie noch Beschwichtigung sind hier angebracht.

  • Unterstützung durch die Kriminalprävention gefragt

An die Dienststelle Kriminalprävention / Opferschutz wird in den letzten Jahren vermehrt von Eltern- und Schulseite herangetreten, um dort Hilfestellungen zum Thema "Gewalt an Schulen" zu erfahren. Dabei geht es häufig nicht um schwere Gewalttaten, sondern eher um "alltägliche" Formen schulischer Gewalt. Es galt also, ein Konzept zu finden, das bereits in einer frühen Phase der Gewaltentwicklung positiv und nachhaltig wirksam ist, nach dem Motto "Wehret den Anfängen".

Die bundesweit von der Polizeilichen Kriminalprävention empfohlene Anti-Bullying-Strategie erschien als am besten geeignet, gegen Gewalt an unseren Schulen vorzugehen und anbahnende Gewalt durch frühzeitige Intervention einzudämmen.

Der norwegische Psychologieprofessor DAN OLWEUS entwickelte diese Strategie in den 80-er Jahren gegen schulische Gewalt in jeglicher Form - also das gesamte Spektrum von der andauernden Hänselei bis hin zum Mobbing, aber auch "spektakulärere" Straftaten wie Erpressung, Raub, pp.

  • Was ist Bullying ?

Unter Bullying versteht man gezielte, systematische und wiederholte Schikanen physisch oder psychisch stärkerer Schüler gegenüber Schwächeren, somit also eine deutliche Abgrenzung zu den normalen alltäglichen und unproblematischen Schulsachverhalten. Der oder die Bullie(s) isolieren und attackieren einen oder wenige hilflose Schüler aus dem Klassenverband durch aggressive Handlungen oder negative Kommunikationsformen.

  • Anti-Bullying-Strategie

Die Strategie besticht in erster Linie durch die Aspekte einer opferbezogenen Ausrichtung und einem Mehr-Ebenen-Konzept. Ein positiver Einfluss auf das gesamte Schulklima und ein Rückgang der Gewalt um bis zu 50 Prozent ist in mehreren nationalen und internationalen Evaluationsstudien bewiesen worden.

Mit Einführung der Anti-Bullying-Strategie werden ernst zu nehmende Konflikte nach einem bestimmten Schema angegangen. Wesentliche Schritte sind dabei, dass Täter und Opfer den Sachverhalt aus eigener Sicht schriftlich darlegen. Eine beteiligte Lehrperson führt dazu ein kurzes Protokoll. Sämtliche schriftlich gefertigte Unterlagen gehen an die Eltern der beteiligten Kinder, die aufgefordert werden, zum Vorfall und zur Art des Umgangs der Schule damit schriftlich Stellung zu beziehen. Danach kommt es zeitnah zu einem klärenden Gespräch der Konfliktparteien, das wiederum von der beteiligten Lehrperson moderiert wird. Ziel ist dabei, eine Lösung zu finden, die dem Opfer zusagt und die durch die Schule nach gehalten wird. Diese Vereinbarung wird schriftlich dokumentiert und wiederum den Eltern mitgeteilt.

Zusätzlich zu den konkreten und verlässlichen Handlungsabläufen im Konfliktfall werden weitere Maßnahmen auf Schulebene, Klassenebene und persönlicher Ebene getroffen, die sowohl das Problembewusstsein schärfen, als auch positive Auswirkungen auf das gesamte soziale Klima der Schule haben. Beispielhaft seien hier eine qualifizierte Pausenaufsicht, Attraktivität der Schulhöfe, regelmäßige Klassengespräche und Aufarbeitung der Thematik im Unterricht genannt. Die Strategie weist den Schulen bewusst lediglich einen individuell auszugestaltenden roten Faden auf, so dass die konkrete Entwicklung und Durchführung der Schule obliegt. Daher sind auch Schule / Elternschaft alleinige Entscheidungsträger über eine Einführung, die nur dann erfolgreich sein kann, wenn alle Beteiligten dahinter stehen. Die hiesige Kriminalprävention nimmt dabei selbstverständlich jederzeit gern eine beratende und unterstützende Funktion wahr.

  • Erfolgschancen der Strategie

Eine gewisse Erfolgsgarantie der Maßnahmen ergibt sich daraus, dass das Konzept bereits mehrfach im In- und Ausland wissenschaftlich positiv wirkungsevaluiert wurde. Als Interventionskonzept stellt die Strategie auch keine Konkurrenz zu bereits erfolgreich an den Schulen installierten Institutionen und reinen Präventionskonzepten dar, sondern lässt sich hervorragend mit diesen kombinieren.

In Nordrhein-Westfalen ist seit einigen Jahren die Anti-Bullying-Strategie in Viersen mit großem Erfolg an inzwischen ca. 75 Prozent der Schulen installiert worden.

  • Vorstellung der Anti-Bullying-Strategie im Kreis Mettmann

Inzwischen wurden alle Schulen im Kreis Mettmann mehrfach von der Dienststelle Kriminalprävention / Opferschutz angeschrieben, mit dem Angebot, die Anti-Bullying-Strategie vorzustellen. In ca. 80 Schulen fanden Vorgespräche mit Schulleitungen statt bzw. wurde das Programm in Lehrerkonferenzen vorgestellt.

Die Reaktion der Schulen war durchweg positiv, nur wenige Schulen kamen zu dem Entschluss, dass sie die Strategie für ihre Schule als nicht geeignet einstufen würden. Teilweise waren schon dem Programm ähnliche schulinterne Maßnahmen festgelegt, teilweise wurde aber auch kein Bedarf zur Ergänzung bereits vorhandener reiner Präventionskonzepte gesehen.

Kreisweit arbeiten derzeit mehrere Schulen an der Umsetzung. In elf Grundschulen, zwei Realschulen und einem Gymnasium wurde das Konzept bereits eingeführt.

Ort
Veröffentlicht
17. März 2011, 14:16