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KÜZ von 1902, Küze Kröks von 1734

Rundgang durch den Stadtteil Sieglar:

Im Mittelpunkt einer der beliebten Stadtteilführungen mit dem Heimathistoriker Kurt P. Schneider durch Sieglar stand die Gaststätte und das Bürgerhaus „Zur Küz". Der Sieglarer Gastwirt Peter Klein (1845-1909) und seine Ehefrau Christina, geborene Klein (1854-1911), ließen in den Jahren 1902 bis 1905 den Saal und die Gaststätte „Zur Küz" errichten. Das Ehepaar Klein hatte vor dem Bau der KÜZ bereits gegenüber, im heutigen Fachwerkhaus Eintrachtstraße 2, eine Schänke betrieben.

Mit der Namensgebung „Zur Küz", dargestellt mit dem Bild von „Kiepe mit Huhn und Hahn" über dem Eingang zur Gaststätte, wurde für Unkundige immer wieder die Frage der Bedeutung gestellt. Die Küz - die Kiepe, in der früher über Land ziehende Händler ihre Waren transportierten, symbolisierte einen Ort des Gutaufgehobenseins und der Gemütlichkeit.

Gemütlichkeit im Gasthaus

Die Familie Klein und danach die Familie Schumacher bewirtschafteten die KÜZ bis 1964. Danach wurden Pächter eingesetzt. 1978 ging die KÜZ in den Besitz der Stadt Troisdorf über und wurde das Bürgerhaus „ZUR KÜZ". Bei einer großangelegten Sanierung Anfang der 1980er Jahre wurden durch Erwerb und Abriß angrenzender Häuser das Foyer und der Parkplatz neben dem Saal geschaffen.

Zum hundertjährigen Bestehen 2002 wurde der Saal erneut saniert. „Die KÜZ hat im bestem Sinne Sieglarer Gaststättengeschichte geschrieben", erklärte Stadtführer Schneider, der zum Jubiläum eine Festschrift zusammengestellt hatte und ganz persönliche KÜZ-Erlebnisse einflechten konnte.

„Die KÜZ, Saal und Gaststätte, sind über die Jahzehnte hinweg für viele Festivitäten, Feiern und Verstaltungen von Vereinen oder Privaten, Stätten wahren Vergnügens gewesen. Und sie sind es heute noch. Der Saal hat Atmosphäre. Die Tanzveranstaltungen früherer Jahre hatten in nicht wenigen Fällen ehestiftenden Charakter", berichtete Schneider augenzwinkernd.

Hallenkonstruktion aus Holz

Der KÜZE-Saal wurde als eingeschossiger Hallenbau mit in Sieglar hergestellten Brandziegeln errichtet. Das Brandziegel-Mauerwerk ist unverputzt. Das Innere des Saales besteht aus einer Hallenkonstruktion aus Holz, mit verzierten, eisernen Zugankern. In den Ecken der Holzkonstruktion sind Füllbretter mit ausgesägten Schlingpflanzenmotiven angebracht.

Das Gutachten des Rheinischen Amtes für Denkmalpflege von 1989 zum Saal der KÜZ schließt mit den Worten: „Bedeutend für die Geschichte des Menschen. Erhaltenswert aus wissenschaftlichen, besonders architektur - und ortsgeschichtlichen Gründen".

Et Küze Kröks von 1734

In Sieglar gibt es heute noch sechs Wegekreuze: das Kreuz an der Küz von 1734, das Präsenskreuz von 1645 als ältestes Wegekreuz im ehemaligen Kirchspiel am Pastor-Böhm-Haus, das Steinsche Kreuz als barocker Bildstock aus dem 17./18. Jahrhundert am Alten Friedhof, das Kerpsche Stationskreuz von 1859 an der Kreuzung Larstraße/Alemannenstraße, das Missionskreuz von 1763 an der Nordseite des romanischen Kirchturms und das sogenannte Mordkreuz von 1748 an der Meindorfer Allee.

Schneider erläuterte: „Wegekreuze und Bildstöcke sind auch Gedenkstätten. Sie sind Kultmale und sichtbare Zeichen gläubiger Frömmigkeit der Menschen früherer Jahre. Ihre Gestaltung spiegelt oft ein Stück Familien- und Ortsgeschichte wider. Sie enthalten Namen und Gründe der Stifter, sei es eine Bitte um Hilfe aus einer Notlage wie Krankheit, sei es der Dank für die Erlösung und Befreiung aus einer solchen. In jedem Fall aber wurden sie zu Ehren Gottes errichtet, wie die Inschrift es zumeist auch ausweist."

Beeindruckende Steinmetzarbeit

Das vier Meter hohe KÜZE-Kreuz neben dem Eingang der Gaststätte gilt als eine beeindruckende Steinmetzarbeit. Es ist das einzige in Sieglar, das der seinerzeit üblichen Form entspricht. Es besteht aus Latit oder Latitischem Harttuff-Gestein. Die Inschrift des Kreuzes erinnert an Sibilla Schefers bzw. Schäfer und Peter Offermann. Sie heirateten am 26. Februar 1726 und gehörten dem Sieglarer Bauernstand an.

Das Kreuz stand vor 1933, dem Jahr der Machtübernahme der Nationalsozialisten, in der Einmündung der Eintrachtstraße. In unmittelbarer Nähe soll auch die Dorfpumpe für das Sieglarer Unterdorf gestanden haben.

Das Sieglarer Unterdorf

In früheren Jahren kannte man in Sieglar eine gewisse Gebietseinteilung, wenngleich die Grenzen auch fließend und die Feinbezeichnung nicht einheitlich war. Grob skizziert, bildete der Bereich in Kirchennähe eine Region für sich, oft Meddeldörp - Mitteldorf genannt. Die Marktplatzumgebung, am Maat oder auch am Dreesch, bildete einen weiteren Bereich.

Alles was darüber hinaus östlich lag, war das Lööre Ovvedörp, das Sieglarer Oberdorf, obwohl es auch hier noch Unterteilungen gab, wie zum Beispiel Am Greend oder Om Hitzbrooch. Westlich des Marktplatzes, hauptsächlich im Bereich der damaligen Hauptstraße, zuvor Mondorfer Straße, heute Larstraße, hieß es unstrittig: Et Lööre Onjedöörp, das Sieglarer Unterdorf.

Dr. Albert Schulte, gründlicher Kenner der Sieglarer Geschichte, Autor der Bücher: „150 Jahre Sieglarer Gemeindepolitik" und „Kirchen und Schulen der Gemeinde Sieglar" sowie zahlreicher Artikel In den Troisdorfer Jahresheften, bezeichnete sich selbst gerne als „bekennender Sieglarer aus dem Sieglarer Unterdorf", kurzum auch als „Lööre Jong ussem Lööre Onjedöörp". Sein Elternhaus war das heutige Haus Larstraße 204. Sein Vater, Wilhelm Schulte, betrieb dort ein Schuhgeschäft.

Menschen und Geschichte

Schneider erinnerte in diesem Zusammenhang an den Satz von Heinrich Heine: „Unter jedem Grabstein liegt eine Weltgeschichte". Und in jedem Haus lebten Menschen. Schneider berichtete zum Haus Larstraße 197, daß im hinteren Teil des Gebäudes die Sattlerei von Karl Diegeler und später die von Becker bestand. Im vorderen Teil an der Straße bestand von 1926 an eine Filiale der Kreissparkasse Siegburg.

„An der Larstraße 201 hob ich natürlich hervor, daß dort mein Geburtshaus stand, das 2004 einem neuen Haus weichen mußte", blickte Schneider wehmütig zurück. Seine Führung endete im Hof der Sieglarer Traditionsbäckerei Bröhl. Der jetzige Inhaber Thomas Bröhl befindet sich in der siebten Generation der Bäcker, die um 1788 begannen.

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Ort
Veröffentlicht
25. Juni 2016, 00:00