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Weil die Trecker Trauer tragen

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Weil die Trecker Trauer tragen

Rund 250 Besucher beim besonderen Bauerngottesdienst in Dielingen

(hm). "Weil die Trecker Trauer tragen" - mit diesen Worten hat Pfarrer Michael Beening seine Predigt im Bauerngottesdienst in der Dielinger St. Marienkirche begonnen. Ein Gottesdienst, der gefeiert wurde, weil traurige Trecker und deren Besitzer den Beistand und das Gebet gut gebrauchen könnten, wusste der Pfarrer.

"Hochachtung den Bauern und ihren Familien, die sich der Herausforderung Landwirtschaft stellen", so der Geistliche. Bauern würden im Einklang mit den Jahreszeiten und in Achtung vor dem Tier-und Menschenwohl ihre Arbeit tun und eine reiche Vielfalt an heimischen Produkten anbieten, die das ganze Volk ernähren könne und er appellierte an die Verbraucher: "Nur billig, billig kann nicht sein - hier muss ein Umdenken erfolgen!"

Zu dem besonderen Bauerngottesdienst hatte der Pfarrer gemeinsam mit den Landwirtschaftlichen Ortsverbänden Dielingen und Drohne in das Gotteshaus eingeladen. Das Thema: die überall zu sehenden "Grünen Kreuze" am Wegesrand und die derzeitige Stimmung in der Landwirtschaft.

Hintergrund waren auch die vielen Protestaktionen im Oktober in ganz Deutschland, aufgerufen durch die Bewegung "Land schafft Verbindung", initiiert vor allem von jungen Landwirten. Auch im Kreis Minden-Lübbecke fand ein Schlepperkorso statt. Am 14. November wollen die Landwirte anlässlich der Umweltministerkonferenz in Hamburg ihre Kritik an der aktuellen Politik deutlich machen und zum Dialog einladen.

"Die Landwirte fühlen sich an den Rand der Gesellschaft gedrückt", so Beening. In sozialen Medien oder bei Stimmungsmache in der öffentlichen Meinung - es sei einfach, den Bauern für alles die Schuld zu geben. Da laufe doch etwas schief! Dass die Bauern täglich, auch an Wochenenden und Feiertagen für Nahrungsmittel in höchster Qualität sorgen, sei bei vielen leider in Vergessenheit geraten.

Die Zukunftsangst, die die Bauernfamilien umtriebe sei groß. "Wir müssen diese Sorgen ernst nehmen", so der Pfarrer. Er sehe seine Aufgabe und die der Kirche auch als seelsorgerische Aufgabe. Im Gottesdienst ging es auch um Suche, Halt, Trost und Mutmachen für die Zukunft.

Und dann geschah etwas ganz Besonderes in der St. Marienkirche: die rund 250 gerührten Gottesdienstbesucher spendeten Michael Beening Beifall für dessen beeindruckende Predigt. "So etwas habe ich in 26 Jahren hier in der Kirche noch nie erlebt", zeigte sich der Pfarrer bewegt.

Beim anschließenden Gedankenaustausch im benachbarten Gemeindehaus wurde immer wieder deutlich, dass es die heimische Landwirtschaft im globalen Wettbewerb mit Umweltdumping und Billiglöhnen nicht leicht habe. "Wir sind nicht gegen Naturschutz, aber wir müssen unsere Familien ernähren können. Wir brauchen verlässliche Rahmenbedingungen", machte Junglandwirt Dominik Schmedt deutlich. Doch die Politik mache gerade die kleinen und mittleren Betriebe systematisch kaputt.

Die Landwirte seien es leid und wollen nicht mehr der Sündenbock für alles in der Gesellschaft und Politik sein, unterstrich auch Michael Schumacher, Ortsverbandsvorsitzender aus Drohne. "Wir wollen das Gespräch und den Austausch", machte Joachim Schmedt, Dielinger

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Veröffentlicht
15. November 2019, 06:58
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