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Therapeuten am Limit

Therapeuten am Limit

Logopädinnen aus Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis laden alle Kolleginnen und Kollegen zur Infoveranstaltung ein

Physiotherapeut Heiko Schneider aus Frankfurt ist das Gesicht vieler Menschen, die in den Disziplinen Ergotherapie, Ernährungstherapie, Logopädie, Physiotherapie und Podologie täglich am Limit tätig sind. Sie arbeiten engagiert und mit vollem Einsatz mit und für ihre Patientinnen und Patienten.

So auch Heiko Schneider, doch Anfang Juni hat er seine Praxis für 2 Wochen geschlossen: Er fuhr mit dem Fahrrad von Frankfurt nach Berlin. Grund seiner Tour "Therapeuten am Limit" waren die zunehmend schwierigen Arbeitsbedingungen der Heilmittelerbringenden und der drohende Versorgungsnotstand, da immer mehr Therapeutinnen und Therapeuten ihrem Beruf den Rücken kehren. Mit ihm fuhren sein eigener Brandbrief, in dem er die prekären Bedingungen, unter denen er arbeitet, anschaulich darstellt, sowie weitere rund 700 Brandbriefe von Kolleginnen und Kollegen, die er am 05.06.2018 an das Bundesministerium für Gesundheit übergeben wollte. Auf seiner Fahrt gab es zahlreiche Unterstützende. Die letzten Etappe von Potsdam nach Berlin radelte der engagierte Physiotherapeut gemeinsam mit etwa 300 Menschen. Vor dem Ministerium warteten noch einmal mehrere hundert Demonstrierende. Der Bundesgesundheitsminister Jens Spahn war nicht vor Ort und hatte keine Vertretung beauftragt, die Briefe entgegenzunehmen. Am 06.06.2018 erfolgte die Übergabe der Briefe dann schließlich an den Gesundheitsausschuss im Bundestag, was durch die Unterstützung von MdB Dr. Achim Kessler (DIE LINKE) möglicht wurde.

Auch Logopädinnen aus Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis unterstützten die Aktion, unter ihnen Kerstin Müller aus Bonn und Susanne Schneider aus Sankt Augustin. Sie lernten Heiko Schneider und sein Team kennen, und freuen sich über die Resonanz, die diese Aktion in der Öffentlichkeit hatte, sowie über die Solidarität, die die engagierten Streiter erfahren haben. Denn auch die Logopädinnen sind betroffen:

Die dreijährige Fachschulausbildung zur Logopädin kostet bis zu 695 € monatlich. Im Anschluss an die Ausbildung erwartet Logopädinnen und Logopäden ein geringes Gehalt, das mit hoher Wahrscheinlichkeit in die Altersarmut führen wird, da es kaum Aufstiegschancen gibt. 50% aller angestellten Logopädinnen und Logopäden in NRW verdienen maximal 2273 € brutto (Quelle: Entgeltatlas der Agentur für Arbeit), zum Teil auch deutlich weniger. Die Folge: Immer weniger junge Menschen ergreifen diesen Beruf oder aber sie verlassen ihn nach kurzer Zeit wieder, wie die kürzlich durchgeführte Studie "Ich bin dann mal weg" der Hochschule Fresenius in Idstein darstellt. Auch aufgrund der immer älter werdenden Bevölkerung werden künftig mehr Menschen, die in der Sprach-, Sprech-, Stimm- und Schlucktherapie arbeiten, gebraucht. So zeichnet sich ein Fachkräftemangel ab: Schon jetzt gibt es in der Region vielerorts lange Wartezeiten auf eine logopädische Behandlung.

Nicht nur den Angestellten, auch den Selbständigen in der Logopädie geht es wirtschaftlich nicht gut: Dies zeigt eindrücklich das Gutachten LOTSE (Logopädische Therapie und Selbständigkeit), dass Fakten zur beruflichen und ökonomischen Situation der selbständigen Logopädie liefert. Es wurde von LOGO Deutschland, der Interessenvertretung der selbständigen LogopädInnen und SprachtherapeutInnen in Auftrag gegeben und unter der Leitung des Instituts für Arbeit und Technik (IAT), die wissenschaftliche Einrichtung der Westfälischen Hochschule Gelsenkirchen Bocholt Recklinghausen in Kooperation mit der Ruhr-Universität Bochum, erstellt.

Susanne Schneider, selbständige Logopädin und Diplom-Sozialwissenschaftlerin aus Sankt Augustin, hat an dem Gutachten mitgearbeitet und stellt es nun ihren Kolleginnen und Kollegen in der Region persönlich vor. Sie wird auch vom Hauptstadtkongress Medizin und Gesundheit berichten, bei dem sie Heiko Schneider kennenlernte. Hierzu lädt die Regionalgruppe der in der Logopädie und Sprachtherapie Tätigen alle Kolleginnen und Kollegen am Dienstag, den 19.6.2018 um 19.00 Uhr in die Gerhard-von-Are-Str. 8 in Bonn ein. Anmeldungen unter logobnrsk@gmail.com

werden erbeten.

Weitere Informationen zur Situation der Therapeutinnen und Therapeuten finden sich unter ohne-physios.de und unter therapeuten-am-limit.de, das Gutachten LOTSE unter logo-deutschland.de.

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Hauptstadtkongress Medizin und Gesundheit: Heiko Schneider von "Therapeuten am Limit" war gemeinsam mit Gesundheitspolitikerinnen und -politikern, Hochschulprofessorinnen und einem Vertreter der Ersatzkassen von LOGO Deutschland zu einer Talkrunde zum Thema "Aufwertung der Gesundheitsfachberufe" eingeladen.

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Bei der Talkrunde von LOGO Deutschland auf dem Hauptstadtkongress Medizin und Gesundheit: Heiko Schneider (auf den Hockern in der Mitte) eingerahmt von Gesundheitspolitikerinnen und -politikern aus dem Bundestag (v.l.n.r.): Maria Klein-Schmeink (Bündnis 90/Grüne), Nicole Westig (FDP), Dr. Achim Kessler (DIE LINKE), DR. Roy Kühne (CDU), die die Dringlichkeit der Anliegen der Gesundheitsfachberufe anerkannten und sich für diese einsetzen. Am Mikro: Arnd Longrée vom Spitzenverband der Heilmittelverbände (SHV).

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Hauptstadtkongress Medizin und Gesundheit: Nicole Westig, MdB aus dem Rhein-Sieg-Kreis, unterstützt die Anliegen der Gesundheitsfachberufe.

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Veröffentlicht
15. Juni 2018, 04:36
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