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7. Rösrather Kabarettfestival Peter Fischer überzeugt mit Gesang und Humor Ob Peter Fischer mit seinem Song "Geduld zahlt sich aus" auch sein eigenes Lebensmotto besingt, ist nicht überliefert. Sicher ist aber, dass sich der aus München angereiste Künstler als erster von vier Finalisten des 7. Rösrather Kabarettfestivals bis zur Entscheidung des Publikums in Geduld üben musste und am Ende für seinen schwungvollen Auftritt mit Platz eins belohnt wurde. Acht Nachwuchskabarettisten präsentierten an drei Abenden im Bergischen Saal von Schloss Eulenbroich Ausschnitte aus ihren aktuellen Programmen, die im Vorentscheid auf Platz eins und zwei gewählten Talente kämpften im Finale nochmals um die Gunst der Zuhörer: Am ersten Abend setzten sich Inka Meyer und Matthias Kutschmann durch, am zweiten Peter Fischer und Gerald Wolf. Fischer überzeugte das Publikum sowohl in der Vorentscheidung als auch im Finale mit brillantem Gesang und Klavierspiel. Witzig und charmant enthüllte der 32jährige gleich zu Beginn Parallelen zwischen der Entwicklung seines Kontostandes und sinkenden SPD-Mitgliederzahlen, improvisierte und interagierte mit dem Publikum, als sein Liebeslied für "Annegret" ursprünglich gar nicht beabsichtigte Assoziationen zu "AKK" auslöste und persiflierte mit Hingabe seine Liebe zu Jazzmusik. Bei aller Leichtigkeit im Ton, machte Fischer klar, dass er auch politische Botschaften im Gepäck hat. In bewährter Manier führten Dr. Jürgen Rembold, der das Preisgeld von insgesamt 3000 Euro stiftet und Ingrid Ittel-Fernau, Leiterin des Rösrather Kulturvereins, durch die drei Kabarettabende. Mit einem Augenzwinkern wiederholte der Rösrather Stifter seine Forderung, die Veranstaltungsreihe als "immaterielles Weltkulturerbe" anzuerkennen. Wie gut das Format inzwischen eingeführt ist, zeige sich auch an der wachsenden Zahl der Bewerber. "Unsere Nachwuchskünstler kommen aus dem ganzen Bundesgebiet", freuten sich Ittel-Fernau und Organisatorin Ute Bernatzki vom Kulturverein. Im Rückblick stellte Stifter Rembold fest: "Der Sieg in Rösrath ist für viele Künstler eine Karrieresprungbrett mit Folgeauftritten auf großen Bühnen." So habe Johannnes Schröder, Sieger des 5. Kabarettfestivals 2016, letztes Jahr mit seiner Lehrerparodie "World of Lehrkraft" den Prix Pantheon gewonnen, Özgür Cebe, Gewinner des Premiere-Festivals 2013 präsentiere sein aktuelles Programm "Ghettos Faust" derzeit im Fernsehen. Wie bereits im letzten Jahr war das Rennen um Platz eins sehr eng. Knapp hinter Fischer landete Inka Meyer, die Frau mit drei Wohnsitzen in Deutschland und "ostfriesischem Migrationshintergrund". Als Leiterin einer Kindertanzgruppe entlarvte sie hysterische Helikoptereltern, die im Streit um Öko- oder Discounterobst tief in ihre von Vorurteilen geprägte Welt blicken lassen. Mit trockenem Humor und schauspielerischem Talent nahm sie auch den Fake-Wahnsinn der Kosmetik- und Schönheitsindustrie auf die Schippe und hatte die Lacher mal auf der weiblichen, mal auf der männlichen Seite. Den dritten und vierten Platz belegten der Berliner Gerald Wolf mit seiner bissigen und sehr direkten Politschau sowie Matthias Kutschmann, der als waschechter Westfale alias Horst Schulze Entrum über die Herausforderungen als Onkel philosophierte. Sieger Peter Fischer hat bereits zugesagt, mit einem kompletten Programm - entsprechend den Erwartungen des Kulturvereins an den Gewinner des Remboldpreises - nach Rösrath zurückzukehren. Der Vorjahressieger Markus Kapp gastiert am 28. April 2019 im Schloss Eulenbroich mit seinem neuen Programm "Wir schweifen App". (mrs)
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