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Sladek EXTRA im Kunstkabinett Hespert

Milan Sladek präsentierte am Pfingstsamstag einen Kunstgenuss besonderer Art

Die Aula der ehemaligen Schule auf dem Platz der Künste 1, der neuen Adresse des Kunstkabinetts Hespert, war am Pfingstsamstag bis auf den letzten Platz gefüllt, als Milan Sladek hier seit seiner Vernissage im März bereits zum dritten Mal auf der Bühne stand. Zum Abschluss seiner zweimonatigen Ausstellung, in der er seine malerischen und zeichnerischen Werke präsentierte, gab der große Pantomime den Gästen einen tiefen Einblick in die Entwicklung seiner mimischen Kunst.

Milan Sladek beschreibt, dass für ihn Pantomime Meditation ist. Dabei fühlt er sich wie eine lebende Statue auf der Bühne. Zur Vorbereitung eines Stücks macht sich Sladek mehrere Skizzen der verschiedenen Situationen in der Handlungsabfolge, die er dann wie bei einer Diashow in einen zusammenhängenden Bewegungsablauf überführt. Dabei ist die Bühne für ihn wie ein Rahmen, in den er seine Performance hinein komponiert.

"Wissenschaftler haben festgestellt", führt Milan Sladek aus, "dass die menschliche Kommunikation zu rund 70% auf Körpersprache beruht - nur 30% sind verbale Kommunikation. Und die Grundlage der Pantomime ist die Körpersprache. Da bin ich doch eigentlich auf der richtigen Seite", meint er schmunzelnd. Während seiner Darstellung unterstreicht der Künstler seine Aussagen immer wieder durch seine ausdrucksstarke Mimik und Gestik. Ein Pantomime muss vor allem sich selbst auch sehr genau beobachten. Auch die passende Musik spielt eine wichtige Rolle. Dabei ist Pantomime kein Tanz, sondern eher ein Schauspiel. "Der Reichtum des inneren Dialogs", erklärt Sladek, "ist äußerst wichtig für die Darstellung des gewünschten Ausdrucks!"

Milan Sladek sieht auch den Schamanismus als eine Quelle dieser Kunst an. Pantomime, was aus dem Griechischen wörtlich übersetzt, "alles nachahmend" bedeutet, gibt es, seit die Menschheit existiert. In jüngster Zeit erst haben Wissenschaftler die Spiegelneuronen entdeckt. Sie sorgen dafür, dass Menschen beim Beobachten eines Vorgangs dasselbe empfinden, wie der, der die Handlung aktiv ausführt. Sladek hofft, so zu agieren, dass die Zuschauer mit ihm fühlen können, denn die Grundlage des Theaters ist die Kommunikation - und die muss gut funktionieren. Als Beispiel demonstriert er gestenreich den Unterschied zwischen einem Kölsch und einem bayerischen Maß Bier. "Wenn ich trinke, müssen die Zuschauer mittrinken!"

Ein Highlight seiner pantomimischen Fähigkeiten präsentierte Milan Sladek mit seinem Stück "Die Muse und der Künstler - Leda und der Schwan". Leda ist in der griechischen Mythologie eine Königstochter, die von Zeus in der Gestalt eines Schwans verführt und geschwängert wird. Sie gebar daraufhin neben den Zwillingen Kastor und Pollux, die heute als Sternbild am Himmel stehen, auch die schöne Helena, deren Raub der Auslöser für den Krieg um Troja war. In einem atemberaubenden Wechsel zwischen den Rollen der Leda und des Schwans inszenierte Sladek die Geschichte der beiden auf eine Weise, in der sowohl die Lieblichkeit und die Verletzlichkeit der Menschenfrau wie auch die fließende, majestätische Beharrlichkeit des göttlichen Verführers fühlbar wurde.

Als bedeutendes Ereignis in seiner Biografie nennt der slowakische Künstler das Gastspiel eines Pantomimentheaters in Bratislava in seiner Jugend zu dem ihm seine Physiklehrerin eine Eintrittskarte schenkte. Prägend für ihn war auch die "Commedia dell"arte", eine Form des italienischen Improvisationstheaters, das vom 15. bis zum 18. Jahrhundert sehr populär war. Die berühmteste Rolle der Commedia dell"arte ist wohl der Harlekin, aus dem sich das Kasperle der heutigen Puppentheater entwickelte. Sehr zum Vergnügen des Publikums mimte Sladek den hungrigen Harlekin, der sich auf lustige Weise sein Essen ergaunert.

Da es in Bratislava keine pantomimische Schule gab, besuchte Milan Sladek die Schauspielschule. Rückblickend bezeichnet er das als großes Glück, denn dadurch war er nicht durch Vorgaben eingeengt und konnte seinen eigenen Weg finden. "Pantomime ist viel mehr, als nur zu spielen", sagt Sladek, "man ist gleichzeitig auch Autor und Regisseur. Und Kreativität und die Fähigkeit, sich auf sich selbst zu verlassen, lernt man sowieso nicht in der Schule."

Seit 1970 lebt Milan Sladek in Köln und gründete dort das Theater Kefka. Dabei war ihm wichtig, seiner neuen Wahlheimat das ganze Spektrum der Pantomime zu zeigen, indem er immer wieder internationale Künstler dorthin einlud. So wurde Köln das Mekka der Weltpantomime.

Als Krönung eines gelungenen Abends spielte Sladek die schicksalhafte Geschichte des unbezwingbaren Samson und seiner Frau Dalila aus dem alten Testament, wofür sich die Zuschauer mit einem nicht enden wollenden Applaus bedankten. Mit diesem "Sladek EXTRA" zeigte aber nicht nur der Künstler seine außerordentliche Vielseitigkeit, sondern es beweist auch die glückliche Hand von Franz Bodo Gerono, dem Direktor des Kunstkabinetts, bei der Auswahl und Gestaltung eines außergewöhnlichen Kulturprogramms in der Gemeinde Reichshof.

Das Zusammenspiel von Ausstellung und Auftritt des international bekannten und beliebten Künstlers Milan Sladek schuf einen würdigen Rahmen für den 25. Jahrestag des Kunstkabinetts Hespert. Da die Nachfrage nach Eintrittskarten das verfügbare Platzangebot bei Weitem überschritten hatte, wird es am 20. Oktober um 19.30 Uhr noch ein "Sladek EXTRA" geben, in dem weitere Aspekte seines vielschichtigen Künstlerlebens beleuchtet werden.

mk

Der Künstler und die Muse

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Veröffentlicht
08. Juli 2017, 00:00
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