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50 Jahre Gemeinde Reichshof

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50 Jahre Gemeinde Reichshof

Liebe Leserinnen und Leser,

im Jahr 2017 haben wir das 850-jährige Jubiläum der erstmaligen urkundlichen Erwähnung des "Reichshofes" gebührend gefeiert. Kaiser Friedrich der I. (Barbarossa) schenkte seinem Reichskanzler und Erzbischof zu Köln, Rainald von Dassel am 01.08.1167 in Rom den "Reichshof zu Eckenhagen" für seine Verdienste bei den Italienfeldzügen.

Am 01.Juli 2019 feiert unsere Gemeinde das 50-jährige Jubiläum und schaute auf das Jahr 1969 zurück, als die Gemeinde Reichshof aus den damaligen Gemeinden Denklingen und Eckenhagen entstanden ist.

Die kommunale Neugliederung war ein spannender Prozess, ein wirklicher Kraftakt, der allen Beteiligten viel abverlangt hat und teilweise heftig umstritten war.

Was war der Anlass zur kommunalen Neugliederung in NRW?

In den 1960er und 1970er-Jahren waren kommunale Gebietsreformen ein zentrales Thema in den Flächenländern der Bundesrepublik Deutschland.

In dieser Zeit gab es in Deutschland ca. 24.000 Gemeinden. Zum 31.12.2017 waren es 11.054 Kommunen bundesweit.

Nach dem Zweiten Weltkrieg (1939 -1945) ging es in den 1950er Jahren vor allem darum, das weitgehend zerstörte Land wieder aufzubauen und die Wirtschaft in Gang zu bringen.

Mit dem "Wirtschaftswunder" kam es zur Erholung der Städte, die Anfang der sechziger Jahre wieder die Einwohnerzahlen der Vorkriegszeit erreichten.

Zugleich setzte eine allmähliche Angleichung der Lebensverhältnisse von Stadt und Land ein, die mit der Verbesserung der Verkehrswege, der wachsenden Mobilität und der veränderten Information und Kommunikation (Hörfunk, Fernsehen, Telefon) in Zusammenhang standen.

Diese Veränderungen führten zu wachsenden Ansprüchen der Bevölkerung an die Leistungsfähigkeit der Gemeinden.

Veränderung der Gemeindestruktur im Zuge der kommunalen Neugliederung

Die Landesregierung erkannte den dringenden Handlungsbedarf. Sie setzte am 05. Oktober 1965 eine Sachverständigenkommission ein, die ein "Gutachten zur kommunalen und staatlichen Neugliederung der Gemeinden in Nordrhein-Westfalen." erstellte.

Wesentliches Ziel war es, die Grundfunktionen Wohnen, Arbeiten, Erholung, Bildung, zentrale Dienste, Versorgung und Verkehr so aufeinander abzustimmen, dass überschaubare, optimal zu verwaltende Bereiche entstehen sollten.

Am 22. November 1966 wurde das Teilgutachten A vorgelegt, dass sich mit der Neugliederung des ländlichen Raumes befasste, wozu auch die damaligen Gemeinden Denklingen und Eckenhagen zählten.

Dieses Teilgutachten bildete die Grundlage für die erste Stufe der Verwaltungsreform, die letztendlich 47 einzelne Gesetze umfasste und die Ende 1969 ihren Abschluss fand.

Die Neuordnung der Städte und Kreise wurde in den Teilgutachten B und C geregelt und bis ins Jahr 1975 vollzogen.

In der Zeitspanne von 1968 bis 1974 wurden aus 2.324 kreisangehörigen Städten und Gemeinden sowie 292 Ämtern (mit 1.858 kleineren Gemeinden) im Rahmen der kommunalen Neugliederung in NRW 396 Städte und Gemeinden.

Die Sachverständigenkommission hatte zwei Grundtypen von Gemeinden als Ziel der Neugliederung definiert.

Typ A sollte in der Regel mindestens 5.000 bis 8.000 Einwohner umfassen. Die Gemeinde sollte über Grundversorgungseinrichtungen öffentlicher und privater Art verfügen, wie z.B. Grund- und Hauptschule, Sportplatz, Kindergarten, Altenheim sowie Geschäfte für den täglichen Bedarf, Arzt, Apotheke, Handwerks- und Gewerbebetriebe.

Die öffentlichen Einrichtungen sollten in der Regel in 30 Minuten mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen sein.

Der Typ B mit mindestens 20.000 bis 30.000 Einwohnern sollte den überörtlichen Bereich mit entsprechenden Einrichtungen abdecken.

Kommunale Neugliederung im Oberbergischen Kreis, insbesondere in den Altgemeinden Denklingen und Eckenhagen

Die kommunale Neugliederung sollte den Gemeinden nicht vom Land NRW verordnet werden, sondern eigene Ideen der Gemeinden und der Oberkreisdirektoren waren gefragt.

Und hier sorgte der damalige Oberkreisdirektor Dr. Goldenbogen für Unruhe in den oberbergischen Gemeinden.

Der Oberkreisdirektor hatte die Vorstellung, dass in Zukunft nicht mehr 14, sondern nur noch 9 Gemeinden im Oberbergischen Kreis bestehen sollten.

Für die Altgemeinden Denklingen und Eckenhagen wurde im Februar 1967 folgende Lösung von OKD Dr. Goldenbogen vorgeschlagen.

Es sollte ein Gemeindegebiet entstehen, in dessen Kernpunkt die "Wiehltalsperre" liegt. Das Gebiet sollte bis Denklingen-Brüchermühle und im Osten bis an die westfälische Grenze von Eckenhagen verlaufen, wobei die heutige Autobahn A 4 die Grenze nach Norden und die B 256 die Grenze nach Westen sein sollte. Die verbleibenden Gebietsteile der Altgemeinden sollten auf die Nachbarkommunen verteilt werden.

Es wäre eine auf Dauer nicht lebensfähige und wirtschaftlich sehr schwache neue "Wiehltalsperrengemeinde" mit relativ geringer Einwohnerzahl (7.357 Ew.) entstanden.

Diesem Ansinnen des Oberkreisdirektors wurde von den Verantwortlichen vor Ort eine klare Absage erteilt.

Die damaligen Gemeindedirektoren Klitscher und Raeuter und die Bürgermeister Haas, Jaeger, und Pühler haben mit ihren Gemeinderäten in dieser Phase der Neugliederung sehr umsichtig gehandelt und sich frühzeitig auf einen Zusammenschluss der Gemeinden Denklingen und Eckenhagen geeinigt.

In einer gemeinsamen Sitzung der Gemeinderäte wurde bereits am 14. Mai 1968 der Gebietsänderungsvertrag und weitere Verträge unterzeichnet, um die Fusion der beiden Gemeinden im Zuge des Gesetzes über die kommunale Neugliederung zum 01.07.1969 zu vereinbaren.

Im Gebietsänderungsvertrag wurde geregelt, dass der Name der neuen Gemeinde in Anlehnung an die geschichtliche Entwicklung "Gemeinde Reichshof" lautet.

Trotz dieser Einigkeit der Verantwortlichen in den beteiligten Altgemeinden kam es zu anderen Bestrebungen innerhalb und außerhalb unserer Gemeinde, um den Zusammenschluss zu verhindern bzw. rückgängig zu machen.

Hierzu einige Anmerkungen:

Resolution des SPD-Ortsvereins Eckenhagen vom 15. Dezember 1968

Zuordnung des Steinaggertales in den Grenzen der Kirchengemeinde Eckenhagen von der Gemeinde Denklingen zur Gemeinde Eckenhagen. Zuschlag der Orte Löffelsterz und Heischeid nach Eckenhagen, damit die Wiehltalsperre örtlich abgerundet in einer Gemeinde liegt.

Den Raum Hunsheim, Volkenrath bis Brüchermühle zur Stadt Wiehl. Den Raum Denklingen zur Stadt Waldbröl.

Beschluss des SPD-Ortsvereins Denklingen vom 16. Januar 1969

Kein Zusammenschluss der Gemeinde Denklingen mit der Gemeinde Eckenhagen.

Auflösung der Gemeinde Denklingen.

Eingliederung des Raumes Denklingen nach Waldbröl.

Der mittlere Teil der Gemeinde von Brüchermühle bis Ohlhagen nach Wiehl.

Der Raum Hunsheim und das Steinaggertal sollten nach dem Wunsch der Bevölkerung neu zugeordnet werden.

Resolution der Bürgermehrheit im Raum Denklingen-Brüchermühle aus Oktober/November 1968 initiert von 13 Bürgern

Kein Zusammenschluss mit Eckenhagen.

Zuordnung des Raumes Brüchermühle-Denklingen wegen der historischen und natürlichen Lebensverbindungen nach Waldbröl.

Stärkung der Gemeinde Eckenhagen durch Zuordnung des Steinaggertals aus der Altgemeinde Denklingen.

Die im Bau befindliche Wiehltalsperre und die geplante Steinaggertalsperre würden räumlich in einem Gemeindegebiet liegen.

Bestrebungen der Stadt Waldbröl

Stärkung der Stadt Waldbröl in ihrer überörtlichen Ausrichtung als Schul- und Versorgungsstandort (Typ B-Gemeinde)

Zuordnung des Raumes Brüchermühle-Denklingen ins Stadtgebiet Waldbröl.

Diese Forderungen wurden bis in den Gesetzesentwurf zur kommunalen Neugliederung vorangetrieben. Allerdings wurde diesem Ansinnen vom Land NRW eine klare Absage erteilt.

Überlegungen von Bürgern aus dem Stadtgebiet Wiehl.

Einer neuen Gemeinde Reichshof wurde eine Existenzberechtigung abgesprochen. Um die Stadt Wiehl "um jeden Preis" zu stärken wurde gefordert, das Wiehltal bis zur Talsperre dem Stadtgebiet zuzuschlagen, ebenso die Industriegebiete von Hunsheim und Brüchermühle.

Finale der kommunalen Neugliederung im Oberbergischen Kreis

Das Gesetz zur kommunalen Neugliederung des Oberbergischen Kreises wurde am 02. Juni 1969 vom Landtag verabschiedet und trat am 01. Juli 1969 in Kraft.

Es besiegelte den Zusammenschluss der Altgemeinden Denklingen und Eckenhagen zur Gemeinde Reichshof.

Aus heutiger Sicht:

Eine richtige und zukunftsweisende Entscheidung.

Die Gemeinde Reichshof schaut nach einem nicht ganz einfachem Start auf eine erfolgreiche 50-jährige Gemeindeentwicklung zurück, die es fortzusetzen gilt.

Packen wir es an und lassen Sie uns gemeinsam, die bestmöglichen Lösungen für unsere vielfältige, liebens- und lebenswerte Gemeinde Reichshof finden.

Herzliche Grüße

Rüdiger Gennies,

Bürgermeister

Denklingen, den 01. Juli 2019

Ort
Veröffentlicht
05. Juli 2019, 04:25
Autor
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