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Pforzheim/ Die erste Verhandlung in der Edelmetallindustrie-Tarifrunde in Baden-Württemberg hat kein Ergebnis gebracht. Nach mehr als zwei Stunden trennten sich die Vertragspartner in Pforzheim ohne Ergebnisse. Walter Beraus, Verhandlungsführer von der IG Metall-Bezirksleitung für Baden-Württemberg: „Die ökonomischen Rahmenbedingungen könnten kaum besser sein. Trotzdem erklären die Arbeitgeber unsere Vorstellungen zum Entgelt und zur Arbeitszeit für zu teuer.“ Die IG Metall fordert in der Tarifrunde 2018 für die rund 10 000 Beschäftigten in der baden-württembergischen Edelmetallindustrie eine Entgelterhöhung von 6 Prozent für 12 Monate. Die Forderung beinhaltet wie in der Vergangenheit einen Ausgleich für die gestiegene Produktivitätsentwicklung sowie die angestrebte Preissteigerungsrate der europäischen Zenralbank, zudem enthält sie eine Umverteilungskomponente zur Stärkung des privaten Konsums. Entgeltforderung ökonomisch begründbar und angemessen Zudem will die IG Metall einen individuellen Anspruch auf Reduzierung der wöchentlichen Arbeitszeit auf bis zu 28 Stunden für bis zu 2 Jahre mit Rückkehrrecht zur 35-Stunden-Woche erreichen. Für Beschäftigte mit zu pflegenden Angehörigen oder Kindern unter 14 Jahren soll es eine zusätzliche Unterstützung geben. Für Beschäftigte in Schichtarbeit und anderen belastenden Arbeitszeitmodellen, die ihre Arbeitszeit absenken, fordert die IG Metall einen ebenfalls eine zusätzliche Unterstützung. Beraus: „Unsere Entgeltforderung ist ökonomisch begründbar und angemessen, die bundesweiten Wachstumsprognosen für 2018 wurden zuletzt allesamt nach oben korrigiert. In der Edelmetallindustrie läuft es noch besser und die Exporte haben wieder angezogen. Wesentlicher Wachstumstreiber ist aber vor allem der private Konsum. Die Entgeltpolitik der IG Metall in der Vergangenheit werde bestätigt.“ Zudem plädieren der Internationale Währungsfonds, die Bundesbank sowie die europäische Zentralbank für stärkere Lohnsteigerungen, um der wachsenden sozialen Ungleichheit entgegenzuwirken. Möglichkeit, kürzer zu arbeiten, trifft Nerv der Gesellschaft Der IG Metall komme somit auch eine gesellschaftspolitische Rolle zu, das gleiche gelte für die Forderung nach einer Option auf kürzere Arbeitszeiten: „Wir brauchen Arbeitszeiten, die zum Leben der Menschen passen. Mehr Zeit für Kinder oder Pflege ist vielen Beschäftigten ein Bedürfnis; ebenso Entlastungsmöglichkeiten in restriktiven Arbeitsmodellen wie Schichtarbeit. Das wollen wir in der Tarifrunde 2018 erreichen und damit auch gesellschaftspolitisch in der Arbeitswelt Akzente setzen“, so Beraus. Die Option, vorübergehend kürzer zu arbeiten, macht die Unternehmen erst für Fachkräfte attraktiv und genau das wünschen sich Beschäftigte für eine bessere Vereinbarkeit von Arbeit und Privatleben.“
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Über 300 Beschäftigte von Witzenmann, Witzenmann- Speck, WISI, Behr Pforzheim, Karl Klink, Microtherm und Thales streiken für 5,5% mehr Geld Nach Angaben der IG Metall Pforzheim haben sich an der zentralen Kundgebung in Pforzheim mehr als beim 300 Beschäftigte beteiligt. Damit sind wir bei dem schlechten Wetter und der Urlaubszeit sehr zufrieden, so der 1. Bevollmächtigte der IG Metall Pforzheim, Martin Kunzmann. „ Wir gehen davon aus, dass die Arbeitgeber die Signale auch verstehen und heute Mittag in Böblingen ein akzeptables Angebot vorlegen. Wenn nicht stehen die Zeichen auf Streik, erklärt Kunzmann klar und deutlich an die Adresse von Südwestmetall. Andreas Meiniger, Betriebsratsvorsitzender stellte, vor den johlenden Kundgebungsteilnehmern fest, die Produktion bei Witzenman in Pforzheim sei zum Stillstand gekommen. Für Ihn gilt noch immer das alte Tuben-Prinzip. Nur wenn unten kräftig drauf gedrückt wird, kommt oben etwas raus rief er den Kolleginnen und Kollegen unter tosendem Beifall zu. Er bekräftigt die Forderung nach 5,5% Entgelterhöhung und erinnerte die Arbeitgeber daran, dass sie nicht mehr lange Zeit hätten einen größeren Konflikt abzuwenden. Für den Fall dass von den Arbeitgebern kein akzeptables Angebot vorgelegt wird kündigte er die Urabstimmung und in der Folge weitere Streiks an. Diese würden dann so oft und so lange fortgesetzt bis die IG Metall das Ergebnis akzeptieren könne. Dieter Kiesling, Betriebsratsvorsitzender der Firma Behr, stellte hoch zufrieden fest, dass die 50 Beschäftigten der Frühschicht in Pforzheim die Arbeit niedergelegt hatten und mit zur Kundgebung gekommen seien. Das Arbeitgeberangebot sei nach seinen Worten vollkommen inakzeptabel. Es sei ein Taschenspielertrick Was sie mit großem Brimborium in der Öffentlichkeit schön rechnen, schrumpft bei genauem hinsehen auf magere 1,9 % zusammen, so Kiesling. Joachim Bodammer, Betriebsratsvorsitzender bei WISI fordertet den Verhandlungsführer von Südwestmetall Wolf auf, endlich ein vernünftiges Angebot auf den Tisch zu legen. Roderich Taler, Betriebsrat bei Thales erklärte: Natürlich erwarten auch die Beschäftigten bei Thales einen akzeptablen Abschluss, jedoch müsse darüber hinaus jetzt der geplante Personalabbau verhindert werden. Zum dritten Quartal 2012 hätte es bei Thales 430 Beschäftigte und zusätzlich 50 Beschäftigte mit Werkverträgen gegeben. Zum Jahreswechsel 2013/14 plant die Geschäftsleitung nun einen Abbau auf insgesamt 310. Und dies wolle sie mit ihrer Salami - Taktik am liebsten ohne Interessensausgleich und Sozialplan schaffen. So werden derzeit Aufhebungsverträge „angeboten“ und Beschäftigte aufgefordert sich an anderen Standorten zu bewerben. Egal welche Maßnahmen zur Umsetzung kommen, die Verantwortlichkeit des Managements wird immer auf die abhängig Beschäftigten abgewälzt. Diese zahlen zum Schluss immer die Zeche, so Taler empört. Matthias Oliger Jugend und Auszubildendenvertreter bei Witzenmann warf den Arbeitgebern vor, dass sie die wirtschaftliche Lage schlechter redeten als sie tatsächlich sei. Wäre er Psychologe, würde er von einer Self-Fulfilling-Prophecy sprechen - einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung sprechen. „Man kann eine Situation schlecht reden und dann wird sie auch schlecht. Die Arbeitgeber spielen hier mit dem Feuer, das ist Dumm und Gefährlich und das nur weil sie für ein paar Prozente mehr für die Beschäftigten und Auszubildenden zu geizig sind,“ rief Oliger in die Menge. Martin Kunzmann machte vor den applaudierenden Streikenden nochmals deutlich, dass sich Metallerinnen und Metaller nicht für dumm verkaufen lassen. Entweder es komme diese Woche noch zu einem Abschluss oder es geht nächste Woche in die Urabstimmung. Dann könne bereits ab dem 3. Juli gestreikt werden. Der Sprecher der IG Metall Pforzheim, Arno Rastetter, dankte den Kundgebungsteilnehmer/innen und brachte zum Ausdruck dass Warnstreiks genau die richtige Sprache seien, um Südwestmetall noch zum Einlenken zu bringen.
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