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Verkehrsunfallstatistik 2010 ++ Reduzierung von Verkehrsunfällen mit Personenschäden ++ Verkehrsunfallzahlen bleiben auf hohem Niveau ++

(ots) - "Nahezu unverändert im Vergleich zum Vorjahr ist die Verkehrsunfallbilanz in der Polizeidirektion Oldenburg grundsätzlich zufriedenstellend." Mit diesen Worten leitete Polizeipräsident Hans-Jürgen Thurau die Vorstellung der Verkehrsunfallstatistik 2010 ein. Die Anzahl der Gesamtunfälle hat sich mit 39.949 in etwa auf dem Vorjahresniveau eingependelt. "Erfreulich ist, dass bei der Betrachtung aller unfallverursachten Personenschäden grundsätzlich ein Rückgang zu verzeichnen ist", so Thurau.

Nachdem im letzten Jahr der Stand bei den Getöteten so niedrig war, wie nie zuvor, ist in diesem Jahr leider ein Anstieg um 8,4 Prozent auf insgesamt 129 Verkehrstote festzustellen.

Abbildung 1: Entwicklung der getöteten Personen seit 2001

"Der Anstieg bei den durch Verkehrsunfälle getöteten Personen ist sicherlich auch dadurch zu erklären, dass bei acht Verkehrsunfällen insgesamt 20 Personen ihr Leben verloren. Ein besonders tragischer Unfall ereignete sich in der Gemeinde Weyhe. Bei ihm verloren vier Menschen ihr Leben, zwei weitere wurden schwer verletzt. Dieser Unfall hat bundesweit für Aufsehen gesorgt", so Thurau.

"Im Zusammenhang mit schweren Unfallfolgen gehört überhöhte Geschwindigkeit neben Vorfahrtverletzungen noch immer zu den Hauptunfallursachen. Sie sind mit 22 Prozent Unfallursache Nummer 1. Aus diesem Grund werden im Bereich der Polizeidirektion (PD) Oldenburg auch weiterhin verstärkt Geschwindigkeitsüberwachungen durchgeführt und das Entdeckungsrisiko auf einem hohen Niveau gehalten. Stetige Geschwindigkeitsüberwachung soll hierbei nicht nur das Geschwindigkeitsniveau senken, sondern gleichzeitig auch die Unfallfolge Baumanstoß wirkungsvoll bekämpfen", führte Thurau aus. Dieses trifft besonders auf die jungen Fahrer zu.

Im Bereich der Risikogruppe der jungen Fahrer (18-24 Jahre) hat sich der positive Trend von 2009 leider umgekehrt. Hier ist ein Anstieg um 16 auf insgesamt 37 Verkehrstote zu verzeichnen. Allein durch Baumunfälle verloren 21 junge Fahrer ihr Leben.

Positiv hervorzuheben ist, dass weniger Kraftfahrzeugführer unter dem Einfluss von Alkohol und Drogeneinfluss am Straßenverkehr teilnehmen. Erstmalig ist im Zeitraum der letzten fünf Jahre ein stetiger Rückgang bei den Alkoholfahrten zu verzeichnen. "Das ist das Ergebnis der Beschulung der Kolleginnen und Kollegen zur Erkennung drogenbeeinflusster Kraftfahrzeugführer und der hohen Kontrollaktivität", so Thurau. Diese Ergebnisse stehen im Einklang mit den rückläufigen Verkehrsunfällen unter Alkohol- und Drogenbeeinflussung und belegen den hohen Wirkungsgrad der polizeilichen Verkehrsüberwachung.

Die Risikogruppe der motorisierten Zweiradfahrer wird in der PD Oldenburg im Rahmen der Verkehrssicherheitsarbeit in 2011 besonders in den Blick genommen. Im vergangenen Jahr starben 28 Zweiradfahrer bei Verkehrsunfällen, sie machen 21 Prozent aller Verkehrstoten aus. "Im Verhältnis zu den gefahrenen Kilometern besteht bei einem Kradfahrer ein 14-fach höheres Risiko bei einem Verkehrsunfall getötet zu werden als bei einer Unfallbeteiligung als Pkw-Fahrer. Wie die Auswertung des Unfallgeschehens zeigt, ist es ein Irrtum, dass junge Motorradfahrer überrepräsentiert sind. Der Anteil der Altersgruppe der über 45-Jährigen macht fast einen Anteil von 50 Prozent bei den Getöteten aus", so Thurau.

Gesamtzahlen

Im Jahr 2010 wurden insgesamt 39.949 Verkehrsunfälle polizeilich registriert. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht dies einem geringen Anstieg von 0,16 Prozent. Diese Entwicklung entspricht in etwa dem Landestrend. Der starke Anstieg des Vorjahres von 6 Prozent beim Gesamtaufkommen der polizeilich registrierten Verkehrsunfälle konnte in der PD Oldenburg im zurückliegenden Jahr trotz der extremen Witterungslage in den Wintermonaten fast gestoppt werden.

Die Bundesautobahnen sind nach wie vor die sichersten Straßen. Etwa 7,6 Prozent aller Unfälle ereigneten sich auf einer Strecke von 384 Kilometern. Dies bedeutet einen Rückgang im Vergleich zum Vorjahr um 3,9 Prozent. Hauptursache für Verkehrsunfälle sind nach wie vor die Autobahnbaustellen im Bereich der BAB 1.

Verletzte Personen

Die Anzahl der bei Verkehrsunfällen leichtverletzten Personen sank im Jahr 2010 um 7,2 Prozent auf 7368. Dies bedeutet im Vergleich zum Vorjahr in absoluten Zahlen eine Abnahme um 573 Personen.

Bei der Anzahl der schwerverletzten Personen ist eine ähnliche Entwicklung zu verzeichnen. "Erfreulich ist der deutliche Rückgang bei den schwerverletzten Verkehrsteilnehmern um 12,2 Prozent. Wir haben damit den bislang niedrigsten Stand bei den Schwerverletzten erreicht. Ich möchte aber auch darauf hinweisen, dass zwischen tödlichen und schweren Verletzungen häufig nur ein schmaler Grat liegt", so Polizeipräsident Thurau.

Erfreulich ist auch die Entwicklung der Verkehrsunfälle mit Personenschäden. "Im Vergleich zum Vorjahr konnte die Anzahl der Verletzten um 745 reduziert werden. Das bedeutet einen Rückgang um 7,8 Prozent. Insbesondere ist in der Langzeitbetrachtung festzustellen, dass die Anzahl der Verkehrsunfälle mit Personenschäden seit 2001 um 23 Prozent gesenkt werden konnte", erklärte Thurau.

Abbildung 2: Verkehrsunfallentwicklung-Personenschäden nach Verkehrsunfall

"Kernziel polizeilicher Verkehrssicherheitsarbeit ist die nachhaltige Reduzierung der Verkehrsunfälle mit schweren Unfallfolgen. Jeder Verkehrsunfall führt zu menschlichem Leid und hinterlässt tiefe Spuren im Leben eines jeden einzelnen und dessen Angehörigen", führte Polizeivizepräsident Dieter Buskohl aus.

Baumunfälle

Die sogenannten Baumunfälle stellen keine Unfallursache dar, sondern sind häufig das folgenschwere Ergebnis nicht angepasster Geschwindigkeit. Ein Verkehrsunfall, der an einem Straßenbaum endet, steht meistens für schwerste Unfallfolgen, insbesondere im Falle eines Seitenaufpralls. Im Jahr 2010 verstarb fast jedes dritte tödlich verletzte Verkehrsunfallopfer durch einen Baumanstoß.

Abbildung 3: Verkehrsunfallentwicklung Baumunfälle

Im Vergleich zum Vorjahr ist die Anzahl der Baumunfälle um 14,4 Prozent auf 976 wieder angestiegen. Damit einhergehend stieg auch die Zahl der durch einen Baumanstoß Getöteten um 12 Personen auf 41 an. "Genau hier wird die Notwendigkeit einer nachhaltigen Verkehrsüberwachung deutlich. Wir wollen durch Geschwindigkeitsüberwachungen auf diesen unfallträchtigen Streckenabschnitten das hohe Verletzungsrisiko bei Baumunfällen ständig gegenwärtig machen und auf diese Weise eine nachhaltige Bewusstseinsveränderung beim Fahrzeugführer erreichen", so Thurau.

Bei den schwerverletzten Verkehrsteilnehmern nach Baumanstoß ist mit einem Rückgang um 6,7 Prozent eine positive Tendenz zu verzeichnen.

Motorisierte Zweiradfahrer

Nach einer Studie des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V., Unfallforschung der Versicherer, reduzierte sich von 1991 bis 2006 die Zahl der im Straßenverkehr Getöteten bundesweit von 11.300 um 55 Prozent auf 5.091 Unfallopfer. Während sich bei Pkw-Unfällen die Mortalitätsrate um ca. 61 Prozent verringert hatte, ergibt sich für Motorradnutzer im gleichen Zeitraum nur eine Reduzierung um 20 Prozent.

Dieser gegenläufige Trend zeigt sich auch im Bereich der PD Oldenburg:

Abbildung 4: Verkehrstote in Relation zu getöteten Zweiradfahrern/-nutzern

Im vergangenen Jahr ereigneten sich insgesamt 27 tödliche Verkehrsunfälle mit Beteiligung von motorisierten Zweiradfahrern. Bei diesen Unfällen verloren 28 Menschen ihr Leben.

In 15 Fällen wurden die Verkehrsunfälle durch den Kradfahrer verursacht. 19 der insgesamt 27 tödlichen Unfälle ereigneten sich an den Wochenenden zwischen 12.00h bis 21.00h. In diesem Zeitraum starben 23 Kradfahrer.

"Im Jahr 2011 werden wir mit einem Schwerpunktthema "Reduzierung der schweren Verkehrsunfälle mit motorisierten Zweiradfahrern" ein besonderes Augenmerk auf diese Risikogruppe legen. Im Zusammenwirken mit anderen Akteuren der Verkehrssicherheit werden wir gezielte Maßnahmen entwickeln, die an den erkannten Brennpunkten ansetzen", so Dieter Buskohl.

Alkohol und Drogen

Die festgestellten folgenlosen Trunkenheitsfahrten weisen im Vergleich zum Vorjahr einen Rückgang um 13,5 Prozent (357 Fälle) auf. Die Anzahl der Verkehrsunfälle nahm etwa gleich stark um 10,5 Prozent (86 Fälle) ab.

Abbildung 5: Trunkenheit im Verkehr

Der bereits im Vorjahr festgestellte Rückgang der polizeilich ermittelten Fahrten unter Drogeneinfluss hat sich auch im Jahr 2010 fortgesetzt. Im Vergleich zum Vorjahr ist ein Rückgang um 10,65 Prozent festzustellen.

Der starke Anstieg der vergangenen Jahre scheint gebremst zu sein. Neben den bereits erwähnten Beschulungen der Kollegen und Kolleginnen sowie den intensivierten Kontrollen lassen Erhebungen im operativen Bereich den Schluss zu, dass der erhöhte flächendeckende Kontrolldruck verstärkt zum Verlust des Führerscheins bei Drogenkonsumenten geführt hat.

Offensichtlich scheint sich bei den Verkehrsteilnehmern eine Bewusstseinsänderung hinsichtlich des Fahrens unter Einfluss von Alkohol und Drogen nachhaltig eingestellt zu haben.

Ort
Veröffentlicht
17. März 2011, 14:53