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Ansprache anlässlich der Gedenkstunde zum Volkstrauertag am 17. November 2019 in Nümbrecht Liebe Mitbürgerinnen, liebe Mitbürger! Heute am Volkstrauertag denken wir an die Opfer von Gewalt und Krieg - Kinder, Frauen und Männer aller Völker. Wir gedenken der Soldaten, die in den Weltkriegen starben, der Menschen, die durch Kriegshandlungen oder in Gefangenschaft, als Vertriebene und Flüchtlinge ihr Leben verloren. Wir gedenken derer, die getötet wurden, weil sie einem anderen Volk angehörten, einer anderen Rasse zugerechnet wurden, deren Leben, einfach weil sie anders waren, oder wegen ihrer Krankheit und Behinderung als "lebensunwert" bezeichnet wurde. Wir gedenken derer, die ums Leben kamen, weil sie Widerstand gegen Gewaltherrschaft leisteten, und derer, die den Tod fanden, weil sie an ihrer Überzeugung und ihrem Glauben festhielten. Wir denken auch an die Opfer der Kriege und Bürgerkriege unserer Tage, an die Opfer von Terrorismus und Verfolgung, an die Opfer sinnloser Gewalt. Und an die, die in der Gegenwart im Einsatz für Frieden und Gerechtigkeit - sei es als Soldaten oder als zivile Helfer - ihr Leben verloren haben. Wir trauern mit den Müttern und Frauen, den Hinterbliebenen und mit allen, die Leid tragen um die Toten. Besonders aber gedenken wir heute hier in Nümbrecht auch der Menschen, die aus unseren Orten im Krieg geblieben und der Gewalt zum Opfer gefallen sind. Wir gedenken ihrer mit Trauer und Respekt. Unsere Verbundenheit gilt denen, die in ihrem Leben und in ihrer Familie selbst das Leid und die Spuren des Krieges tragen mussten und müssen. Das Jahr 2019 ist ein Jahr ganz besonderer Gedenktage: Fangen wir an bei "100 Jahre Weimarer Reichsverfassung". Damit entstand im Jahr 1919 die erste echte Demokratie auf deutschem Boden. Doch davor stand der blutige 1. Weltkrieg mit über 10 Millionen toten Soldaten. Als eine weitere Folge des Weltkrieges wurde am 16. Dezember 1919 der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. gegründet, der deshalb in diesen Tagen ebenfalls seinen 100. Geburtstag begeht. Er betreut heute 832 Kriegsgräberstätten in 46 Staaten mit etwa 2,8 Millionen Kriegstoten. Mehrere tausend ehrenamtliche und 562 hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erfüllen heute die vielfältigen Aufgaben der Organisation, die dem Gedächtnis und der Versöhnung dienen. Ein weiterer, ein dunkler Gedenktag: Vor 80 Jahren begann der 2. Weltkrieg, der erneutes, noch schrecklicheres Leid als bereits der erste Weltenbrand über die Menschheit brachte. Der Versuch einiger Mutiger, vor 75 Jahren, am 20. Juli 1944 Hitlers Schreckens- und Unrechtsregime zu beseitigen und damit das Unheil aufzuhalten, scheiterte leider. In den Monaten vom 20. Juli 1944 bis zum Kriegsende fanden nochmal fast so viele Menschen den Tod wie insgesamt in den ganzen Kriegsjahren zuvor. Am Ende standen ein riesiges Feld von Trümmern und ein Meer von Blut. Wie konnte es so weit kommen? Der NS-Politiker mit oberbergischen Wurzeln Robert Ley hatte einmal getönt: "Adolf Hitler ist unser Glaubensbekenntnis. Wir glauben, dass er auch den Endkampf besteht und der Welt den Frieden bringt." Trotz allem Geschwafel Hitlers von der "Vorsehung" hatte dieses "Glaubensbekenntnis" mit dem Gott des Christentums nichts, aber auch gar nichts mehr zu tun. Ja, wir wissen es: Wie viele ließen sich blenden - auch Christen. Deutschland ab 1933 schien ein Land im Aufbruch zu sein. Da wollte man doch nicht abseits stehen. Da meinte man, man müsste mit der Zeit gehen, dürfte nicht bremsen, nicht "am Alten" kleben. Wie so oft wurde auch von der Kirche erwartet, sie müsse eben am Puls der Zeit sein. Das ist ja stets ein beliebtes und verführerisches Argumentationsmuster. "Adolf Hitler ist unser Glaubensbekenntnis…" Das war jedoch letztlich ein ganz anderer Glaube als der Glaube des Christentums und ein ganz anderer "Gott" als der Gott der Bibel. Und die Folgen? 65 Millionen Tote durch kriegerische Handlungen. 6 Millionen ermordete Juden. Über 2,5 Millionen Kriegswaisen bzw. Halbwaisen allein in Deutschland. 12 bis 14 Millionen Vertriebene, die ihre Heimat im ehemaligen deutschen Osten für immer verloren. Nicht Frieden sondern unermessliches Leid hatte das Regime gebracht. Als alles vorbei war, war vielen klar: Sowas sollte nie wieder passieren. Wir begehen in diesem Jahr auch das Jubiläum "70 Jahre Grundgesetz." Die, die damals Verantwortung übernahmen, um die Bundesrepublik aus des Trümmern der Diktatur aufzubauen, hatten eines gelernt: Ein Staat, der sich selbst zur letzten Instanz macht, der sich sozusagen selbst zum "Gott" macht, indem er in Bereiche greift, die nur Gott zustehen, der führt in die Katastrophe. Viele Verantwortungsträger erkannten, wie sehr eine neue Besinnung auf die echten christlichen Wurzeln Europas dringend nötig war. Schon der Sozialdemokrat Carlo Mierendorff, der noch während des Krieges umkam, hatte nach seiner Befreiung aus der Lagerhaft zu einem Freund gesagt: "Wissen sie, ich bin als Atheist in das Konzentrationslager gekommen, und nach dem, was ich dort erlebt habe, verließ ich es als gläubiger Christ. Es ist mir klargeworden, dass ein Volk ohne metaphysische Bindung, ohne Bindung an Gott, weder regiert werden, noch auf Dauer blühen kann." Und nach dem Krieg hielt der christdemokratische Politiker und erste Bundeskanzler Konrad Adenauer fest: "Wir haben gesehen, wohin wir gekommen sind, da man die Grundsätze des Christentums verlassen hat: zu der Tiefe, in der wir uns jetzt befinden." Adenauer analysierte: "Ich glaube, für denjenigen, der auch nur in etwa rückwärts zu schauen vermag, um die tieferen Ursachen unseres grenzenlosen Zusammenbruches, aber nicht allein unseres Zusammenbruches, sondern auch den einer ganzen Welt, zu erkennen, muss feststehen, dass das Verlassen des christlichen Fundamentes letzten Endes Europa mit dem Untergang bedroht." Und: "Es ist doch so, die Geschichte der letzten Jahrhunderte hat es eindeutig gezeigt: nur die Befolgung christlicher Grundsätze vermag die Menschheit vor dem Rückfall in schlimmste Barbarei, ja vor der Selbstvernichtung zu retten." Aus eben dieser Erkenntnis, die man aus der Katastrophe von Diktatur und Zusammenbruch, gewonnen hatte, wurde das Grundgesetz formuliert mit seiner wegweisenden Präambel: "In der Verantwortung vor Gott und den Menschen…" Verantwortung vor einer höheren Instanz - Verantwortung vor Gott! Diese Erinnerung ist so sehr nötig, weil der Staat sonst der Versuchung erliegt, sich selbst wieder zu wichtig zu nehmen und Grenzen gegenüber Gott und Menschen zu überschreiten. Darum wurde ja übrigens auch der Religionsunterricht unter Mitverantwortung der Kirchen ins Grundgesetz aufgenommen. Man wollte bewusst, dass der Staat durch die Kirchen auch bei der Bildung der Kinder ein kritisches Gegenüber hat, damit der Staat nie wieder eine Ideologie als gesamtgesellschaftlichen Ersatzglauben einführt. "In der Verantwortung vor Gott und den Menschen…" Das ist wichtig, damit Menschenwürde nicht dem Kollektiv geopfert wird. Damit Menschenwürde nicht dem Pragmatismus, der Forschung oder einer Kosten-Nutzen-Rechnung geopfert wird. Und damit Menschenwürde auch nicht dem Ellenbogen-Individualismus geopfert wird, der andere tritt, die scheinbar dem Streben nach Lebensgenuss, Selbstverwirklichung und Vorteil im Wege stehen. Nochmals Konrad Adenauer: "Die Weltanschauung über Freiheit und Würde des Menschen hat sich im Laufe der Jahrhunderte auf christlichem Boden entwickelt, sie ist gemeinsames Gut beider christlicher Konfessionen. Wenn man das Bestehen solcher Normen nicht anerkennt, dann gleitet ein Volk abwärts in Diktatur und Gewalt." Oder vielleicht mag es der Eine oder Andere, der eventuell nicht so viel mit Adenauer anfangen kann, dafür vom Schriftsteller Heinrich Böll annehmen: "Selbst die allerschlechteste christliche Welt würde ich der besten heidnischen vorziehen, weil es in einer christlichen Welt Raum gibt für die, denen keine heidnische Welt je Raum gab: für Krüppel und Kranke, Alte und Schwache; und mehr noch als Raum gab es für sie: Liebe für die, die der heidnischen wie der gottlosen Welt nutzlos erschienen und erscheinen. Ich glaube an Christus, und ich glaube, dass Millionen Christen auf dieser Erde das Antlitz dieser Erde verändern könnten, und ich empfehle es der Nachdenklichkeit und der Vorstellungskraft der Zeitgenossen, sich eine Welt vorzustellen, auf der es Christus nicht gegeben hätte." So komme ich noch einmal zum Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge e.V., der in diesen Tagen hundert Jahre alt wird, zurück. Im Jahr 1926 gab sich der Volksbund ein Logo, also ein Erkennungszeichen nach einem Entwurf des Berliner Künstlers Professor Ernst Böhm; und zwar mit der Begründung, dass dieses Logo "am schlichtesten und einfachsten" das ausdrücke, was der Volksbund sei und wolle. Da sehen wir ein großes Kreuze und darum herum kleine Kreuze. Für mich stehen die kleinen Kreuze als Zeichen der Trauer für das unermessliche Leid, das Krieg und Gewalt über Millionen Menschen brachte und bringt. Aber da ist auch das große Kreuz in der Mitte, das die vielen Kreuze des Leides weit überragt. Es erinnert mich an das Kreuz von Jesus Christus. Dieses Kreuz Jesu Christi lädt zu einem Perspektivwechsel ein: Ja, wir nehmen die vielen Kreuze mit ihrem Leid und Schmerz wahr. Aber wir müssen doch mit unserem Blick nicht daran hängenbleiben. Wir dürfen die Augen erheben zu dem einem großen Kreuz, an dem Jesus Christus selbst den Weg des Leidens auf sich genommen hat. Gerade das Kreuz Jesu gibt Christen Kraft, sich der Not der Welt zu stellen und sich für die Leidenden dieser Welt einzusetzen. Am Kreuz hat sich Jesus Christus aus Liebe zu einer kaputten Welt selbst hingegeben, um uns Menschen zu erlösen. Am Kreuz nahm Jesus unsere Schuld auf seine Schultern. Er starb wegen der menschlichen Schuld. Damit entlarvt das Kreuz Jesu auch die Wirklichkeit unserer Welt: Schuld ist eine Realität. Die Menschheitsgeschichte ist immer auch eine Geschichte von Schuldverstrickung und Unrecht. So sehr wir uns hoffentlich ganz intensiv und unermüdlich mit allen Kräften um Frieden und Gerechtigkeit in der Welt bemühen, so sehr scheitern wir doch immer wieder daran, aus eigener, menschlicher Kraft das vollkommene Paradies auf Erden zu schaffen, von dem Christen erwarten, dass erst Jesus Christus dieses Paradies zu seiner Zeit gewiss bringen wird. Bis dahin bleiben Schuld und Egoismus immer Teil dieser Welt. Das ist schmerzliche Realität. Darum brauchen wir auch Staat, Polizei und Soldaten, um das Unrecht dieser Welt im Zaum zu halten. Wir sind für ihren Dienst dankbar. So war es ganz angemessen, dass Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble jüngst bei dem großen Bundeswehrgelöbnis vor dem Berliner Reichstag mit Blick auf das Jubiläum "30 Jahre Mauerfall" festhielt, dass natürlich auch die Einbindung der Bundesrepublik mit ihrer Bundeswehr in das starke, westliche Verteidigungsbündnis den Mauerfall und die Wiedervereinigung mit vorbereitet hat. Und zugleich stimmt eben auch, dass es dann Kerzen und Gebete waren, die den Weg zum endgültigen, unblutigen Fall des Unrechtssystems der DDR ebneten, wie es DDR-Funktionär Horst Sindermann selbst zugab: "Wir waren auf alles vorbereitet - nur nicht auf Kerzen und Gebete." Kerzen und Gebete - auch das ist eine Realität, die wir 30 Jahre nach dem Wunder von Berlin nicht vergessen und ausblenden sollten. Ja, das Kreuz macht realistisch: Am Kreuz erkennen wir realistisch die Schuld und das Leid dieser Welt. Und zugleich vertrauen Christen darauf: Jesus Christus starb am Kreuz, um uns von unserer Schuld und von der Macht des Bösen zu befreien. Es war der Liedermacher Wolf Biermann, der die Diagnose stellte: "Es sind nicht die Ketten, es sind nicht die Bomben. Es ist ja der Mensch, der den Menschen bedroht." Also: Wer befreit den Menschen von sich selbst? Wer befreit den Menschen vom Egoismus, von der Faszination des Bösen und von der Angst, zu kurz zu kommen? Wer befreit den Menschen von seiner Friedlosigkeit, die tief in ihm steckt? Das Kreuz erinnert uns: Von diesen Ketten werden wir frei, wo wir zu Jesus kommen, der am Kreuz für unsere Schuld starb, damit wir Frieden mit Gott finden. Und wer durch Jesus für sich Frieden gefunden hat, der wird diesen Frieden mit andern teilen. Der wird sich für den Frieden einsetzen in seiner Umgebung und in dieser Welt - in Verantwortung vor Gott und den Menschen. Pfarrer Matthias Köhler, Nümbrecht
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Klimaschutz in Nümbrecht - Was können wir tun? Der Klimaschutz ist wichtiger denn je. Dazu kann jeder Einzelne etwas beitragen. Häufig reichen schon kleine Maßnahmen, um nachhaltig Energie zu sparen. Gleichzeitig können so auch Kosten im privaten Bereich gesenkt werden. Haben Sie Fragen zu diesem Bereich? Oder wollen Sie größere Maßnahmen durchführen? Lassen Sie uns gemeinsam eine Lösung finden. Mein Name ist Johannes Hericks, ich bin Klimaschutzmanager der Gemeinde Nümbrecht und berate Sie gerne. Kommen Sie zu mir ins Rathaus oder vereinbaren Sie mit mir einen Termin direkt vor Ort, um aktiv am Objekt über Maßnahmen zu sprechen. Als Klimaschutzmanager arbeite ich neutral und unterstehe keinem Unternehmen. Die Umsetzung von besprochenen Maßnahmen liegt in Ihrem Ermessen, es ist Ihre Entscheidung. Die Beratung durch den Klimaschutzmanager ist für Sie natürlich kostenfrei. Sie erreichen mich telefonisch montags bis donnerstags von 9 Uhr bis 16 Uhr unter der Rufnummer 02293 302-222 oder per E-Mail * * Sollte ich gerade in Sachen Klimaschutz in der Gemeinde unterwegs sein, so hinterlassen Sie mir bitte eine Nachricht per E-Mail oder auf meinem Anrufbeantworter. Ich werde Sie zeitnah kontaktieren. Auf der Homepage der Gemeinde Nümbrecht * * finden Sie unter dem Stichwort "Klimaschutz" interessante und hilfereiche Artikel zum Energiesparen und Informationen über Förderungen. Mit klimafreundlichen Grüßen Ihr Klimaschutzmanager Johannes Hericks **In dieser Ausgabe von Nümbrecht Aktuell finden Sie Informationen zum Thema CO2-Fußabdruck.
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