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Tag des offenen Denkmals

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Tag des offenen Denkmals

Einblick in den Bunker Isweiler

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz spricht von der größten Kulturveranstaltung Deutschlands. Rund 8000 historische Baudenkmale, Parks und archäologische Stätten öffnen hier ihre Pforten. In diesem Jahr lautete das Motto des bundesweiten "Tag des offenen Denkmals" am Sonntag, 8. September: "Modern(e): Umbrüche in Kunst und Architektur". Vielerorts stehen revolutionäre Ideen oder der technische Fortschritt, die ein Denkmal ausmachen, im Fokus. Denn was heute als alt erscheint, war nicht immer alt.

In der Gemeinde Nörvenich hatte ein ganz besonderes Denkmal die Türen weit geöffnet. Wer von Frauwüllesheim nach Kelz fährt, nach etwa einem Kilometer links nach Isweiler abbiegt und vor dem Ortseingang nach rechts in einen Feldweg einbiegt, gelangt direkt zu ihm: dem Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg. 7,40 Meter breit, 19,85 Meter lang, fünf Zimmer, zwei Entgiftungsnischen und eine Gasschleuse - der Bunker in Isweiler aus dem Jahr 1938 ist ein echtes Stück Zeitgeschichte. Vor 13 Jahren hat die "Arbeitsgemeinschaft Luftkriegsgeschichte Rhein/Mosel" die Instandhaltung und Betreuung des Bunkers von der Gemeinde Nörvenich übernommen. Seit diesem Zeitpunkt wird er alle zwei Jahre am "Tag des offenen Denkmals" der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Der Bunker ist vermutlich heutzutage einzigartig in Deutschland. Er ist sehr gut erhalten, und es existiert sogar noch die Baracke aus Stein, in der die Leute gewohnt haben, die in dem Bunker ihren Dienst verrichtet haben. Der Bunker in Isweiler war Teil der sogenannten "Luftverteidigungszone West". Diese Zone verlief parallel zum Westwall und sollte eigentlich von Jülich bis Speyer verlaufen. Allerdings konnte sie niemals vollständig realisiert werden, da es nicht möglich war, eine Strecke von mehr als 600 Kilometern durchgehend mit Flugabwehrkanonen auszustatten. Der knapp 147 Quadratmeter große Bunker entspricht dem "Regelbautyp 31: Regimentsgefechtsstand". In dem Bunker liefen die Fernmeldeverbindungen zusammen, dort wurden Anweisungen entgegengenommen und ausgeführt. Der Bunker war der Kommandostand für die Flak-Untergruppen Frauwüllesheim, Golzheim und Kelz. Die Besatzung zählte zu der Zeit 24 Mann. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Bunker Anfang der 60er Jahre als Ausweichsitz für den Katastrophenschutz im Verteidigungsfall ausgebaut. Insgesamt 120.000 Mark sind damals verbaut worden. Der Bunker sollte in einem möglichen Katastrophenfall während des Kalten Krieges oder auch für den Fall eines Chemieunfalls im Kernkraftwerk Jülich Vertretern des Kreises Düren und seiner Behörden als Unterschlupf dienen. In den 70er Jahren wurde der Bunker aufgegeben und hat danach der Gemeinde Nörvenich als Aktenlager gedient. Als sich vor mehr als zehn Jahren kein ernsthafter Käufer für den Bunker fand, hat die "Arbeitsgemeinschaft Luftfahrtgeschichte" vor Ort in Isweiler ihre Arbeit aufgenommen. Ihr ist es ein Anliegen, ein Stück Geschichte der Region und im Speziellen der Gemeinde Nörvenich zu bewahren. Die hiesige Region war von dem Luftkrieg im Zweiten Weltkrieg so stark betroffen wie kaum eine Zweite. Das darf nicht in Vergessenheit geraten. Darüber waren sich auch die zahlreichen Besucher einig. Sie nutzten die Gelegenheit an diesem Tag sich den Bunker anzusehen - bis es in zwei Jahren wieder heißt: die Tore des Bunkers öffnen sich zum bundesweiten "Tag des offenen Denkmals". FH

Ort
Veröffentlicht
20. September 2019, 04:15
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