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Häuser erzählen ihre Geschichte

Am Sonntag werden die ersten Tafeln im Bürgersaal vorgestellt

Brüggen (bs). Nebel liegt über dem Rittergut Schleveringhoven. Eine dunkle Gestalt, mit einer Laterne in der Hand, schleicht zu einer Tür, die sich an der Seite eines Erdhügels befindet. Das Wesen zündet die Laterne an, öffnet die Tür und verschwindet lautlos im großen Wall. Die Tür fällt knarrend ins Schloss. Mit eiligen Schritten läuft es durch den langen unterirdischen Tunnel um schließlich nach ungefähr tausend Metern wieder vor einer Tür zu stehen. Sie führt in einen feuchten, muffigen Keller in der Brachter Marktstraße.

Anna Freier lächelt, wenn sie diese Geschichte hört. Sie glaubt nicht, dass es diesen Tunnel einmal gegeben hat. "Aber man hat mir von mehreren Seiten erzählt, dass es wohl einen Tunnel zwischen dem Haus, in dem sich heute die Gaststätte Marktjournal befindet, und dem Haus des Pastors gegeben hat. Es gibt noch Brachter, die als Kinder durch diesen Tunnel gekrochen sind."

Die Historikerin interessiert sich sehr für die Geschichte der Brachter Häuser im Ortskern. Sie ermunterte Hausbewohner oder Eigentümer, die Geschichte ihres Hauses zu entdecken. "Jedes Haus ist interessant, es muss kein Denkmal sein. Wenn die Geschichte dann erforscht wurde, soll sie im Straßenbild sichtbar werden. Dazu bieten wir durchsichtige Tafeln an, auf denen Abbildungen des Hauses in früherer Zeit zu sehen sind und ein QR-Code, der zu einer Webseite verlinkt, auf dem man die Geschichte des Hauses lesen kann. Die Infotafel wird am Haus angebracht." Nach gut zweijähriger Entwicklung wird am 17. April um 16 Uhr das Projekt "Brachter Hausgeschichten" in der Ratsstube Hamers präsentiert. Das Team zeigt die Tafeln und stellt die Geschichten "hinter den Haustüren" vor.

Als die Brachterin Anna Freier im September 2013 ihre Idee der Hausgeschichten der Interessengemeinschaft Bracht präsentierte, fanden sich schnell begeisterte Brachterinnen und Brachter, die das Projekt "Ortsgeschichte aktiv erleben" mit ihren Geschichten bereichern wollten. Im Laufe der Zeit formte sich ein Kernteam - bestehend aus Anna Freier, selbst Historikerin und Pia Terstappen, Medien- und Kulturwissenschaftlerin aus Bracht, das Interessierten half, ihre Geschichten zu erforschen. Gemeinsam durchforsteten sie das umfangreiche Gemeindearchiv der Burg in Kempen, um weitere Informationen zu ihren Häusern zu finden. Es wurden Interviews mit Hausbewohnern geführt und Fotos aus dem Bildarchiv des Kreises Viersen gesichtet.

In den letzten Jahren konnten sieben Häuser auf der Marktstraße und Königstraße sowie auf der Brüggener Straße aufgenommen werden.

Gab es einen unterirdischen Gang zum Pastorat? Fotos: Bruno Schüttler

Was auf den Tafeln stehen wird und an welchen Häusern sie angebracht werden, erfährt man am Sonntag im Bürgersaal

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Veröffentlicht
14. April 2016, 00:00
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