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Bürger kritisieren Pläne zu Parkgebühren

Das letzte Stadtteil-Gespräch unterm Motto "Nette Runde" fand in Kaldenkirchen statt

Kaldenkirchen (jb). Was sie auf dem Herzen haben, schilderten Kaldenkirchener ihrer Stadtverwaltung beim letzten Stadtteil-Gespräch unterm Motto "Nette Runde" im voll besetzten Schankraum der Gaststätte zur Mühle. "Das ist doch verrückt, der total falsche Weg!", schimpften etwa Bürger über mögliche Pläne, in der Innenstadt Parkgebühren zu erheben.

Sie hatten sich so viel Mühe gegeben, die Vertreter der Stadt. So erklärte Bürgermeister Christian Wagner ausführlich, Kaldenkirchen habe das "am besten ausgestattete Schulzentrum" der Stadt, lobte ausdrücklich das ehrenamtliche Engagement vieler Kaldenkirchener für die Flüchtlinge. Die Technische Beigeordnete Susanne Fritzsche legte offen, der "großen Bedarf an Wohnraum" sei mangels Bauflächen kaum zu befriedigen. Doch die Bürger gingen wenig darauf an, machten vielmehr deutlich, was ihnen in ihrem Alltag, in ihrem persönlichen Umfeld zu schaffen macht - oder womöglich bald zu schaffen machen könnte.

"Es wird immer schlimmer", wetterte ein Kaldenkirchener über Verkehrsbehinderungen durch die wilde Parkerei an der Friedrichstraße am Jobcenter. Noch ärgerlicher sei es an der Poststraße: "Da parken osteuropäische Lastwagen trotz der Verbotsschilder alles zu!" Für Autofahrer sei dort oft kaum ein Durchkommen. Ein leidiges Problem, so Klaus Ossmann vom Ordnungsamt: "Wir sind fast täglich dort, auch mit der Polizei." Schwierig sei es mit Fahrern aus dem Baltikum: Zu warten, bis sie zum Laster zurückkämen, sei keine Zeit, Knöllchen würden ignoriert: "Da wurde auch schon mal ein LKW abgeschleppt."

Weniger Ärger mit LKW als mit dem Zustand ihrer Straßen haben Anwohner in Kreuzmönchdorf. Ihnen konnte Wagner ihnen kaum Hoffnung machen: Das Geld sei knapp, Hauptverkehrsstraßen zu sanieren sei vordringlicher. "Sie müssten mal bei uns herfahren, dann würden Sie uns verstehen", ereiferte sich eine Bürgerin.

Wenig Verständnis zeigten vor allem Einzelhändler über Pläne, die Erhebung von Parkgebühren in der City zumindest mal zu diskutieren und einen möglichen Ertrag auszurechnen. Wagner leugnete nicht das "Risiko, dass die Innenstadt dadurch weniger attraktiv" werden könne. Doch wenn die Politik Parkgebühren zum Thema mache, müsse sich auch die Verwaltung damit befassen: "Es ist legitim, darüber zu beraten", es gelte, angesichts des Defizits im Haushalt nicht nur nach Einsparmöglichkeiten, sondern auch nach Einnahmequellen zu suchen.

"Und was passiert mit den Anwohnern, wo sollen die frei parken?", wollte eine Geschäftsfrau wissen? Eine andere kritische Nachfrage: Ob der Stadt bewusst sei, dass bei Parkgebühren die Händler Verluste durch ausbleibende Kunden machten? Wagner versuchte zu beruhigen, es sei ja noch gar nichts entschieden, man suche das Gespräch mit den Werberingen aller Stadtteile.

Weniger heikel, aber doch ein Merkmal für das, was den Kaldenkirchenern am Herzen liegt, war die Frage: "Was wird aus dem Bürgerhaus?" Wagner erläutert, die gemeinnützige Elterninitiative Kindertraum würde dort gern "einen Integrationsbetrieb und eine Brasserie" unterbringen; darüber sei man mit allen Beteiligten im Gespräch. Hier viel Nicken und Zustimmung in der Runde, als der Bürgermeister meinte: "Kindertraum möchte Leben in das Bürgerhaus bringen!"

GN-Info

An den sechs Stadtteil-Gesprächen in diesem Jahr unterm Motto "Nette Runde" nahmen insgesamt knapp 300 Bürger teil. Bürgermeister Christian Wagner kündigte an, Gespräche und Begegnungen dieser Art sollten "im nächsten Jahr fortgesetzt" werden.

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Veröffentlicht
26. November 2015, 00:00
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