Sag uns, was los ist:

  • 0Likes
  • 0Shares

Beweise für die Existenz der "Moulin de Bracht"

René Bongartz hielt kurzweiligen Vortrag in der Ratsstube

Von Birgit Eickenberg

Bracht. Was ist an einer alten Holzmühle besonders? Besonders wird sie, wenn von ihrer Existenz kaum jemand weiß. Der Brachter René Bongartz hatte den Hinweis auf eine ehemalige Windmühle in Bracht in einer alten Karte entdeckt und wunderte sich, warum nirgends etwas darüber zu finden war. Er widmete sich den Nachforschungen zur „Moulin de Bracht" über mehrere Jahre, bis er das Puzzle zusammensetzen konnte. In der Brachter Ratsstube zeigte er mit einer Präsentation das Ergebnis seiner Recherchen.

Das Publikum lauschte mucksmäuschenstill den Ausführungen von René Bongartz, der zunächst einen Rückblick auf das Jahr 1791 gab. Die französische Armee hatte ihre lieben Probleme mit dem Heer der Koalition, von dem die Österreicher das größte Heer stellten. Zur Verstärkung des französischen Heeres wurde die Wehrpflicht durch Paul Barras eingeführt. Die Kämpfe zogen sich noch über Jahre hinweg. 1794 drangen die Franzosen in das Rheinland und besetzten es. Es entstand das „Departement de la Roer mit den Arrondissements Aachen, Köln, Kleve und Krefeld. Zum Kanton Bracht - der Brüggen übergeordnet war - gehörten mehrere Bürgermeisteramte.

Im Sinne der französischen Revolution gab es für den Niederrhein viele Veränderungen. Das Kreuzherrenkloster in Brüggen wurde aufgelöst und „gerecht verteilt". „Die Brüggener Mühle war damals die Mühle, wo die Bauern ihr Getreide mahlen lassen mussten. Die Franzosen hoben diesen Mühlenzwang allerdings auf und brachten die Gewerbefreiheit", beschrieb Bongartz. Zudem gab es nun den Schutz des Privateigentums. „Die Mühle eines Ortes war einer der fünf wichtigsten Bestandteile eines Ortes. Darum war es so wichtig, dass dann auch Bracht eine Mühle bekam."

Der französische Landvermesser Etienne Nicolas Rousseau fertigte exakte topografische Karten der Region an. „Auf seiner Karte von 1807 ist die Moulin de Bracht eingezeichnet. Also muss sie irgendwann in den neun Jahren seit der Gesetzesänderung entstanden sein", schloss daraus René Bongartz. Im niederrheinischen Windmühlenführer fand er schließlich den Hinweis: „Als die alte Bockwindmühle an der Boerholzer Straße 1870 abbrannte, war sie schon ersetzt." Und in einer alten Liegenschaftskarte fand er ein Flurstück „An der alten Mühle." Weiter ging die Suche über Texte aus einem Heimatbuch des Kreises Viersen, wo von „zwei neuen Mühlen in der Nähe" die Rede war.

Bongartz dankte herzlich Walter Feyen, der ihm mit vielen Informationen geholfen habe, ausgelöst durch einen Aufruf in den Grenzland Nachrichten, wer Informationen habe, solle sich melden. Nach einigen weiteren interessanten Entdeckungen konnte Bongartz mit Hilfe von vier Sondengängern den genauen Standort der „Moulin de Bracht" ausmachen. Zwischen dem Sportplatz und der Boerholzer Straße fand er auf einem Feld die entscheidenden Hinweise.

Die Sondengänger konnten im Boden Eisenteile ausfindig machen. Außerdem wurden Feldbrandsteine gefunden, die letzten Rest der Moulin de Bracht. Diese hatte Bongartz auf einem Tisch ausgebreitet. Leiterhaken, geschmiedete Nägel, ein Schlüsselring und vor allem auch Sackplomben wurden gefunden. „Das sind Fundstücke, die gehören nur zu einer Mühle", so Bongartz stolz. Und durch „Zufall" fand er bei den Fotos von Walter Feyen ein Foto einer Kasten- oder Bockwindmühle, die in Bracht gestanden haben soll. „Das scheint der endgültige Beweis für die Moulin de Bracht zu sein. Die Aufnahmen stammen wahrscheinlich aus dem Jahr 1875 und zu der Zeit konnte sie nur der Dülkener Fotograf Albert Breuer- einziger Fotograf in der Region - gemacht haben.

Bongartz erntete verdienten Applaus für seine Recherchen und Bracht ist um ein Stück Geschichte reicher. Der kurzweilige Vortrag soll noch einmal vor größerem Publikum wiederholt werden.

SCHLAGWORTE:
Ort
Veröffentlicht
15. Mai 2015, 00:00
Autor