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Auge in Auge mit dem Dachs

Die 48 Säugetierarten im Kreis Viersen stellt eine Ausstellung in Krickenbeck vor

Von Joachim Burghardt

Hinsbeck/Kreis Viersen. Sonst ist er heimlich nachts unterwegs, in Krickenbeck aber kann man dem Dachs tagsüber tief in die Augen sehen - Markus Heines macht's möglich: „Früher wurde solch ein Beutegreifer oft als böses Raubtier mit fletschenden Zähnen dargestellt, aber wir haben hier ein schönes lebensechtes Exemplar", erklärt der Mitarbeiter der Biologischen Station und des Naturschutzbundes (NABU). Der präparierte Dachs fällt besonders auf in der sehenswerten Ausstellung „Säugetiere im Kreis Viersen", die Heines jetzt im Infozentrum Krickenbecker Seen zeigt.

Die größte heimische Marderart kommt vor allem im westlichen Kreisgebiet vor, im Grenzwald etwa. „Aber ich habe Dachse auch schon anderswo zwischen Waldrand und Siedlungsbereich gesehen", erzählt Heimes. Wo und wie der Dachs lebt, was er isst und wie alt er wird - all das erfahren Besucher in der Ausstellung: Zu jeder Tierart gibt's Infotafeln mit allerlei Wissenswertem, dazu ein ausgestopftes Exemplar oder Fotos. Und natürlich jeweils eine Karte vom Kreisgebiet, in der Stellen mit Sichtungen oder Funden der Tiere verzeichnet sind.

Dabei stützt sich Heines auf seine Forschungen zum Säugetieratlas für den Kreis Viersen. Registriert sind darin rund zwei Drittel der 73 in NRW vorkommenden Säugetierarten, 48 nämlich. Einige breiten sich aus, erobern neue Lebensbereiche: „Der Rotfuchs ist immer häufiger in bebautem Gebiet, hier ist sein Revier viel kleiner." Manche Arten wie der Biber siedelten sich wieder an, andere werden kaum noch nachgewiesen. „Wir sorgen uns zum Beispiel um den Feldhamster, er wurde seit Jahren nicht gesichtet", bedauert Heines und führt die „intensive Landwirtschaft" als Grund an, weshalb manche Tierarten bedroht sind.

Andere Mitgeschöpfe sind recht häufig, etliche Fledermausarten zum Beispiel. Und die Vielfalt der Fledertiere dürfte zunehmen: „An den Grenzen des Kreises Viersen wurden schon weitere Arten gesichtet, die wir bestimmt bald auch hier registrieren", hofft der Naturfreund. Ähnliches gelte für Wildkatze oder Fischotter, weshalb beide Arten ebenfalls in der Ausstellung zu sehen sind. Nicht dabei freilich ist Rotwild. Zwar leben Hirsche im benachbarten holländischen Limburg, aber laut Heines ist ihre Ausbreitung in Wäldern des Naturparks auf deutscher Seite bei Interessengruppen wie Jägern oder Landwirten „unerwünscht und wird verhindert".

Einige der Tierarten in der Ausstellung wird man in freier Natur kaum je zu Gesicht bekommen, weil selten, scheu oder nachtaktiv. Wie sie trotzdem „entdeckt" werden können, demonstriert Heines zum Beispiel an ihren Hinterlassenschaften, „Bilder von Spuren sowie Kot hinter Glas oder aus Salzteig nachgebildet". So gibt er Einblick in die Arbeit der Forscher, stellt eine getarnte Tierkamera aus und Duftstöcke zum Anlocken - entsprechend duftet's in einer Ecke nach Baldrian.

Duftmarken setzt der Dachs übrigens in der Natur zur Reviermarkierung. Das Exemplar in der Ausstellung freilich ist geruchsneutral - und kann Auge in Auge bestaunt werden - Markus Heines macht's möglich.

Faszinierender Anblick: Steinmarder in Krickenbeck

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Veröffentlicht
29. Mai 2015, 00:00
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