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Lesung Kuhn/Riemek: "Und wir waren noch so jung"

Roman erzählt die Geschichte der jüdischen Gemeinde Aachens von 1938 bis 1945

(ar) Sehr bewegend gestaltete sich die Lesung am 19. Mai im Literaturhaus Nettersheim. Am Beispiel des Protagonisten Jakob Bergmann, dessen Eltern vor dem Krieg ein Schreibwarengeschäft in Aachen führten, beschreibt der Roman "Und wir waren noch so jung" der Autoren Michael Kuhn und Tochter Jennifer Riemek die Entrechnung der jüdischen Bevölkerung und deren Verdrängung aus dem öffentlichen Leben mit Ausgrenzung, Diffamierung, Verfolgung und schließlich Vernichtung in der Zeit von 1933 bis 1945. Stück für Stück bröckelt die bürgerliche Eingebundenheit. Jakobs bester Freund Hans muss dem Wunsch seines Vaters, einem Nazi der 1. Stunde, entsprechen und in die Hitlerjugend eintreten. Ein HJ-Junge kann sich aber nicht mit einem Juden sehen lassen. Hans wendet sich von Jakob ab. Der Schulleiter macht Jakob klar, dass er nicht erwünscht ist an einer arischen Schule. So erklärt er ihm "Hier wird nicht getrödelt. Wir sind schließlich nicht an einer Judenschule." Jakobs Vater, der noch im 1. Weltkrieg das "Eiserne Kreuz" als besondere Kriegsgsauszeichnung verliehen bekam, fühlt sich wie viele jüdische Verfolgte in 1. Linie als Deutscher. Er kann lange nicht glauben, dass das alles, nationalsozialistischer Terror und Judenverfolgung, geschieht. Jakob muss schließlich zur überfüllten jüdischen Volksschule und später in eine Lehre wechseln. Der Vater wird verhaftet und in ein KZ gebracht. Die Familien von Jakob und dessen Freundin Annie beschließen die Flucht nach Antwerpen und Brüssel. Doch nach einer kurzen ruhigeren Phase, geht die nationalsozialistische Verfolgung auch in den Nachbarländern von Deutschland in aller Härte weiter. Die Protagonisten der Geschichte sind zwar fiktiv, aber die sensibel erzählte Geschichte zweier jüdischer Familien basiert auf Dokumenten und Zeitzeugenaussagen, die im Anhang des Buches abgedruckt sind. Historiker Kuhn, der heute in Aachen-Laurensberg als Autor mehrerer historischer Romane den Ammianus-Verlag betreibt, hatte bereits 1995 in einem Team eine Dokumentation zur Judenverfolgung mit herausgegeben. Geschichtsstudentin und Tochter Jennifer Riemek überzeugte ihn mit ihrer Idee, die Zeugenberichte zu einer fiktiven Romanhandlung zu verarbeiten und eine entsprechende Dokumentation anzufügen. Das Buch entstand in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Aachen e.V. Diese Zweiteilung in Roman und Zeitdokument macht das Buch auch für Schüler zur interessanten Lektüre. Eine entsprechende Lesung fand bereits statt an der Gesamtschule Blankenheim-Nettersheim und soll wiederholt werden.

Lesung Michael Kuhn und Jennifer Riemek im Literaturhaus Nettersheim. (Foto Anja Raith)

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Veröffentlicht
01. Juli 2016, 00:00
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