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Tüngenes Deutz sticht Hengemes Fendt

Wetten, dass ein über 60 Jahre alter Trecker, der nur noch aus Hinterachse und Motorblock besteht, einen topmodernen Fendt Vario 718 mit über 180 PS aussticht? Dieser aber als absolutes Schwergewicht trumpfen kann, wenn sein Fahrer möglichst klein und schmächtig ist?

Das alles geht nur in Deifeld und im dazugehörigen Nachbardorf Wissinghausen. Genauer gesagt beim Kartenspiel "Trecker-Sechstett". Selbst das ist anders: Hier gibt es nicht das herkömmliche Quartettspiel. Aus ganz einfachem Grund - die beiden Orte haben schlichtweg mit 55 Treckern viel zu viele für ein Quartett.

Um in der Landwirtschaft zu bleiben: Das Deifelder Trecker-Sechstett ist auf dem Mist von Ortsheimatpfleger Matthias Grebe und dem Grafik-Designer Christoph Hammerschmidt gewachsen. Die beiden geben ganz offen zu, dass sie in einer "erhöhten Bierlaune" originelle Ideen für das Dorfjubiläum von Deifeld und Wissinghausen suchten. Der erste Gedanke ging in Richtung "Dorf-Monopoly". Doch die beiden Ortschaften haben selbstverständlich nur Schlossalleen und keine Badstraßen. Außerdem waren die Urheberrechte unbezahlbar.

Das Thekenambiente samt der dort so üblichen Gespräche "Meiner ist aber schneller" oder "Ich habe mehr PS als Du" lieferte dann den Grundgedanken, alle Trecker vor Ort zu fotografieren und mit ihren Daten zu einem Kartenspiel zu verarbeiten. Wer die beiden Erfinder kennt, weiß aber sofort, dass sie garantiert nicht wie in gewöhnlichen Fahrzeug-Quartetts schnöde Zahlen rund um Drehzahl oder Verbrauch abgefragt haben. Stattdessen wurde der Leerlauflärm oder der Querschnitt des Lenkrades gemessen, das Gewicht des Fahrers großzügig geschätzt und ins Verhältnis zur Anzahl der Pferdestärken oder bewirtschafteten Fläche in Hektar gesetzt. Heraus kam dabei eine fantasievolle Mischung an Werten, bei der auch ein uraltes Schätzchen einen ps-gewaltigen Schlepper gnadenlos übertrumpfen kann. Gespielt wird nach den Regeln eines normalen Quartetts - oder wie die Spieler gerade wollen! Eine weitere liebevolle Einzigartigkeit hat das Trecker-Sechstett: Auf den Karten sind auch die alten plattdeutschen Hausnamen der Besitzer wie u.a. Fenerkes, Aurmes, Schläden, Tüngenes, Hanneplantes, Hoffnunges oder Hengemes aufgeführt.

Es dauerte wochenlang, alle Treckerbesitzer persönlich zu besuchen und ausführlich zu befragen. Christoph Hammerschmidt strahlt bei dem Gedanken daran immer noch über das ganze Gesicht: "Für mich ist dieses Trecker-Sechstett ein Riesengewinn. Ich war gerade erst nach Deifeld gezogen und hatte dadurch Gelegenheit, in fast jedes Haus zu kommen und die Menschen kennen zu lernen." Das bestätigt auch Matthias Grebe: "Das Schönste an der gesamten Idee war letztlich, dass das ganze Dorf daran gemeinsam mitgearbeitet hat und entsprechend gespannt auf die Erscheinung war."

Das Trecker-Sechstett ist aber nicht der einzige Beweis für die Kreativität der beiden. Vor zwei Jahren waren sie an der Entwicklung des Stadterlebnisweges in Medebach ebenso beteiligt wie am Buch über die Freigrafschaft Düdinghausen. Und wer meint, auf den Fußball-Stickern á la Panini seien nur berühmte Kicker-Stars abgelichtet, war noch nicht beim ehemaligen Landesligisten SV Deifeld auf dem Sportplatz. Dort gibt es beim Kauf einer Bratwurst drei Sticker - mit den dorfeigenen Fußballgrößen und deren Vita, die auf einem eigens entworfenen Plakat für 23 Spieler samt Stammkneipe Jopes aufgeklebt werden können.

Doch zurück zum Trecker-Sechstett. Das Ganze ist jetzt über drei Jahre her und die beiden kreativen Deifelder gestehen einen riesengroßen Fehler ein: "Wir haben die Nachfrage völlig unterschätzt! Schon auf dem Dorfjubiläum war das Spiel der Renner, mittlerweile werden allerletzte Restbestände ganz hoch gehandelt." Aber wetten, dass die beiden garantiert schon wieder eine neue Idee im Ärmel haben? (Text+Fotos: Rita Maurer)

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Veröffentlicht
11. März 2016, 00:00
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