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TW: Perfekte Kommunikation zum Wohle der Segler

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Es war ein Wetter-Szenario, das vor wenigen Jahren den Regatta-Verantwortlichen schweißnasse Hände und nervöse Zuckungen bereitet hätte. Wahrscheinlich hätte es nur ein schmales Segelprogramm gegeben. An diesem Samstag, dem Auftakt zur Travemünder Woche, aber war der Oberste Wettfahrtleiter Anderl Denecke ganz entspannt – trotz der Unwetterwarnung von WetterWelt am Morgen und trotz erster heftiger Gewitter über dem deutschen Westen am Nachmittag. Um 15 Uhr schlenderte Denecke in ansteigend schwüler Hitze zum ausgebauten LKW von Wasserwacht und THW. Nicht etwa, weil der Ausbau bestens klimatisiert ist, sondern weil sich im Inneren so etwas wie das Sicherheits-Lagezentrum der Travemünder Woche verbirgt.

In dem LKW laufen nicht nur die Kommunikationsstränge von DLRG, Wasserwacht, THW, Wasserschutz- und Bundespolizei zusammen. Hier trudeln fast in Echtzeit auch die Wetterdaten ein, die eine Prognose über Zugrichtung und Geschwindigkeit von Unwetterzellen ermöglichen.

Grundlage der Wetterbeobachtung ist das Feuerwehr-Wetter-Informationssystem (FEWIS), das vom Deutschen Wetterdienst (DWD) zur Verfügung gestellt wird und von den behördlichen Organisationen aus den Bereichen Feuerwehr, Rettungsdiensten und Polizei (BOS) genutzt werden kann. Alexander Heckel, technischer Landesleiter der Wasserwacht Hessen und so etwas wie der Vater des zur TW eingesetzten Systems, spielt für Denecke eine Deutschlandkarte auf die weiße Wand. Darauf zu sehen – neben farblich schraffierten Flächen – runde Kreise in den Farben Gelb, Grün, Rot und Violett. Auf diese Kreise ist der Fokus gerichtet. Während die Flächen lediglich Regengebiete in unterschiedlicher Ausprägung zeigen, stehen die Kreise für Gewitterzellen. Pfeile an ihren Rändern dokumentieren Zugrichtung und -geschwindigkeit – und die Farbe: die Energie, die in ihnen steckt. Bei Gelb und Grün ist alles entspannt. „Bei Rot müssen wir genau hinschauen, bei Violett müssen wir reagieren, wenn die Zelle zu nah kommt“, erklärt Denecke. Seit dem Morgen haben sich schon zahlreiche rote Punkte auf der Karte versammelt, aber noch ist alles entspannt. Die gesamte Front liegt im westlichen Niedersachsen mit Zugrichtung Nordsee. Die ständige Aktualisierung zeigt aber auch: Einige Zellen wollen bereits nach Osten ausbrechen. Alle Zellen sind durchnummeriert, werden getrackt, so dass sie genau berechnet werden können. Und die Prognose weist in Richtung Hamburg.

Seebahn-Wettfahrtleiter Uwe Wenzel kommt zur Besprechung dazu: Er hat das größte Problem mit dem Wetter. Denn „seine“ Segler sind auf der Langstrecke, sollen bis in den Abend hinein segeln. Auch er ist zu diesem Zeitpunkt noch sehr gelassen: „Die Weser und die Elbe bilden eine natürliche Barriere. Bis das Unwetter kommt, wird es noch etwas dauern.“ Das sieht auch Denecke so und entscheidet: „Wir treffen uns um 17 Uhr zur nächsten Besprechung.“

Zeit also, um noch ein wenig über das System zu plaudern: „Es ist wirklich beeindruckend, in welcher Perfektion das hier überwacht wird, und das für jede einzelne Bahn. Die Kombination aus der Wettervorhersage von WetterWelt am Morgen und der ständigen Überwachung durch das BOS-System ermöglicht uns, lange auf den Bahnen zu bleiben und schnelle Entscheidungen zu treffen, wenn das Regattagebiet geräumt werden muss“, so Denecke. „Inzwischen könenn wir auf immer genauere Wetterwarnungen zurückgreifen. Die Beobachtungen werden immer exakter“, ergänzt Sven Slowak, der Einsatzleiter des THW.

Neben der intensiven Wetterbeobachtung helfen auch die modernen Kommunikationsmittel. Alle Sicherheitsboote zur TW sind mit einem digitalen Funkgerät für BOS ausgestattet. Damit werden sie auch getrackt und ihr Position auf der großen Karte im Lagezentrum angezeigt. „Damit können wir im Falle eines Falles viel schneller reagieren“, erklärt Ulrike Sündermann, Einsatzleiterin der Wasserwacht. „Denn wir können von hier aus am besten steuern, wer wo hinfahren muss.“ Alexander Heckel ergänzt: „Die Orientierung auf dem Wasser ist eine ganz andere. Wir können von Land aus Entfernung und Kurs zum Einsatzort vorgeben.“ Treffsichere Kommunikartion nennt Heckel das und sagt: „Zur Travemünder Woche läuft das Hand in Hand. Das ist super und macht Spaß.“

Anders als bei anderen großen Segelveranstaltungen und auch noch vor zehn Jahren bei der Travemünder Woche ist das Verständnis unter den Sicherheitskräften und den Booten der Wettfahrtleitung sehr ausgeprägt. „Vor fünf Jahren sind wir alle in Malente zu einem Seminar zusammengekommen. Da haben wir die Sichtweise der Wettfahrtleitungen und auch der Segler kennengelernt – und umgekehrt. Damit haben wir auch besser verstanden, worauf wir bei Rettungsmaßnahmen zu achten haben, um Schäden an den Booten zu vermeiden“, so Heckel. „Das war sehr wegweisend, ein total-game-changer. Wir sprechen nun auch die Seglersprache, lernen nautische Begriffe sogar in Englisch, verstehen etwas von Regattataktik.“

Kundengerechtes Bootsfahren sei das. Was Anderl Denecke nur bestätigen kann: „Wenn bei uns mal ein Boot ausfällt, ist das kein Problem. Denn die Sicherheitsboote können inzwischen auch Tonnenleger-Funktion übernehmen. Das ist super genial.“

Übrigens: Die Gewitterzellen kamen am Samstagabend doch noch nach Travemünde. Zuvor hatte Anderl Denecke mit seinen Crews aber bereits die Bahnen räumen lassen. Nur die Seebahn-Segler bekamen etwas ab. Aber auch sie waren über die aufziehende Schwerwetterzelle genau informiert, sodass größere Schäden an den Booten ausblieben.

(Quelle: TW)

www.unserort.de/Luebeck

Ort
Veröffentlicht
22. Juli 2019, 15:31
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