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Scholz besiegelt Pflegenotstand am UKSH

Die Fronten haben sich auch im Rahmen der heutigen Ausschusssitzung im Kieler Landtag verhärtet. Ergebnis: UKSH-Chef Scholz muss auf Anfrage der Opposition Zahlen offen legen und erntet Kritik für seine Kommunikationspolitik. Höhepunkt der Debatte: Scholz vergleicht die Gestellungsverträge der DRK-Schwesternschaften mit medizinische Gerätschaften. Der Ausschuss wurde von lautstarken Demonstrationen vor dem Landeshaus begleitet.

Im Rahmen der Ausschusssitzung zum Thema „Kündigung der Gestellungsverträge mit den DRK-Schwesternschaften durch das UKSH“ im Landeshaus Kiel musste sich UKSH-Chef Jens Scholz den Fragen des Plenums stellen und die Beendigung der Zusammenarbeit begründen. Die Opposition aus CDU und FDP beantragte eine Offenlegung der UKSH-Zahlen. „Wir haben unsere Kalkulationen transparent gemacht und vorgerechnet, dass wir ein wirtschaftlich attraktiver Partner sind. Nun ist auch Herr Scholz gefordert“, so Maria Lüdeke, Oberin der DRK-Schwesternschaften Kiel.

Einen fragwürdigen Höhepunkt erreichte die knapp zweistündige Sitzung, als Jens Scholz die Personalentscheidung, die seit 100 Jahren bestehenden Verträge mit den DRK-Schwesternschaften aufzulösen, mit dem Einkauf von medizinischen Gerätschaften verglich, über die er das Land als Träger des UKSH nicht informieren müsse. „Wir sind schockiert von diesem respekt- und gedankenlosen Vergleich, der die Leistungen unserer Schwestern erneut herabwürdigt“, so Martina Egen, Oberin der DRK-Schwesternschaft Lübeck. Auch die FDP fand deutliche Worte für Scholz Darstellungen vor dem Ausschuss: „Dass der UKSH-Vorstandsvorsitzende die besondere Form der Arbeitnehmerüberlassung im Wege von Gestellungsverträgen mit den DRK-Schwesternschaften heute als Leiharbeit bezeichnet, die beendet werden müsse, halte ich für unangebracht und nicht angemessen“, so Dr. Heiner Garg, FDP.

Leidtragende des Konflikts sind die rund 900 Schwestern, Pflegende und Schülerinnen, die seit Beginn der Debatte mit großer Unsicherheit in die Zukunft blicken und sich gemeinsam mit ihren Oberinnen gegen die Entscheidung des UKSH wehren. Den zweiten von vier Donnerstagen in Folge demonstrierten rund 300 DRK-Schwestern aus ganz Deutschland vor dem Landeshaus. „Ohne uns geht es nicht!“ Und „Wo bleibt die Wertschätzung“ skandierten die Demonstrationsteilnehmer. „Wir machen so lange im Sinne unserer Mitglieder weiter, bis wir wieder am Verhandlungstisch sitzen“, so Maria Lüdeke.

„Das Verhalten von Herrn Scholz schadet dem Ansehen des UKSH zunehmend und führt zu einem selbstgemachten Pflegenotstand. Frau Alheit muss alle an einen Tisch holen, um zu einer unabhängigen Bewertung der Zahlen der DRK-Schwesternschaft und des UKSH zu kommen“, so Katja Rathje-Hoffmann, CDU. Auch jenseits des Konflikts zwischen UKSH und DRK verschärft sich die Pflegelücke. Bereits heute hat das Universitätsklinikum Schwierigkeiten, offene Pflegestellen zu besetzen. Rund 60 Kräfte fehlen aktuell. „Der Markt mit qualifizierten Pflegekräften ist leer und die UKSH-Führung muss schon jetzt vermehrt Zeitarbeitsfirmen einsetzen. Wie soll es weitergehen, wenn mehrere hundert DRK-Schwestern dem UKSH den Rücken zuwenden?“ fragt Martina Egen. Auch zwei Drittel der Ausbildungsplätze konnten mit Start im April 2015 nicht besetzt werden. „Wir sind sehr besorgt. Als Folge dessen fehlen dem UKSH in drei Jahren weitere 60 Fachkräfte“, so Maria Lüdeke. Die DRK-Schwesternschaften bewerten auch diese Entwicklung als eine direkte Folge der dramatischen Kommunikationspolitik des UKSH.

(Quelle: Maria Baufeld)

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Veröffentlicht
05. Februar 2015, 15:33
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