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Der Erste Weltkrieg und die Folgen

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Günter Grass, Avi Primor und Ulrich Wickert im Großen Haus

Günter Grass und Avi Primor gaben vor ausverkauftem Haus im Theater Lübeck Einblicke über das jüdische Leben in Deutschland zu Beginn des 20 Jahrhunderts. Unter der Moderation von Ulrich Wickert vermittelten Sie den Zuschauern einen Überblick über die Situation des einfachen Volkes und den Soldaten in der Zeit von 1914-1918. Dabei ging es in dieser hochkarätig besetzten Gesprächsrunde einmal nicht um die vierzig teilnehmenden Nationen mit ihren 70 Millionen Menschen unter Waffen, sondern es wurde vielmehr über Kindheitserinnerungen innerhalb der eigenen Familie berichtet und gerade diese Tatsache machte diesen Abend für den einzelnen Zuschauer zum intensiven Zuhörer, bereit, das Vorgetragene mit den Erzählungen der eigenen Familie zu vergleichen, und –wenn nötig- in einem langen Leben gesammelte Vorurteile zu revidieren

Ulrich Wickert monierte den laxen Umgang der Deutschen mit den historischen Daten, während man in Frankreich dieses Ereignis auch nach 100 Jahren noch mit Feiertagen ehrt.

Avi Primor, Vollblutdiplomat und ehemaliger Botschafter Israels in Deutschland sprach über Hunderttausende Juden, die für Deutschland in den Krieg zogen, im festen Glauben, sie kämpften fürs Vaterland. Innerhalb seiner Familie wurde das Wort “Deutschland“ gestrichen

und es wurde kein Deutsch mehr gesprochen. Auch Günter Grass konnte über seine Großväter in Danzig berichten und erinnerte an Erich Maria Remarque und seinen Bestseller “Im Westen nichts Neues“, für den er für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen wurde.

Schauspieler Andreas Hutzel vom Theater Lübeck las Passagen aus Primors Roman “Süß und ehrenvoll“, während Avi Primor jeden Satz noch einmal in Gedanken wiederholte. Die Zuschauer nahmen zur Kenntnis, dass Avi Primor auch als Schriftsteller bedeutende Qualitäten offenbart. Aus seinem Roman “Mein Jahrhundert“ las Günter Grass Texte von den Jahren 1914 und 1915 und das Publikum honorierte es mit starkem Applaus.

Dieser Abend, der ursprünglich in den Kammerspielen stattfinden sollte, wurde aufgrund der großen Nachfrage in das Große Haus verlegt und die Kulturstadt Lübeck ist um eine gelungene Vorstelllung reicher. Ulrich Wickert, seit Jahren Freundeskreis-Mitglied des Grass-Hauses, sorgte für die reibungslosen Übergänge, Avi Primor erreichte mit seinen Erzählungen die Herzen der Zuschauer und wird den Lübeckern in bester Erinnerung bleiben.

Günter Grass, der im kommenden Monat seinen 87. Geburtstag feiert, versteht es immer noch, die Menschen zu überraschen.

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Veröffentlicht
09. September 2014, 08:44
Autor
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