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"Mark Twain war ein ziemlich kluger Mann"

Autor, Kabarettist, Moderator und Musiker Bernd Stelter im Gespräch mit Porz am Montag - am 22. September gastiert er mit seinem neuen Bühnenprogramm im Wahner Eltzhof

Wahn - „Wer heiratet teilt sich die Sorgen, die er vorher nicht hatte", findet Bernd Stelter. Zumindest hat der im April 1961 in Unna geborene Autor, Kabarettist, Moderator und Musiker sein aktuelles Bühnenprogramm so benannt. Im September präsentiert Bernd Stelter es im Stadtbezirk Porz. Lars Göllnitz hat ihm vorab ein paar Fragen gestellt.

Herr Stelter, welche Sorgen sind es denn, die man als Nicht-Verheirateter gar nicht erst hätte?

Die Zahnpastatube wäre immer zugeschraubt, und meine Frau hätte sicher nie Kontakt mit meiner Kleiderhaufen-Theorie gemacht. Aber im Ernst: „Wer heiratet, teilt sich die Sorgen, die er vorher nicht hatte" ist natürlich ein völlig positiver Ansatz, denn wer die Sorgen anderer teilt, wird glücklich.

Also raten Sie nicht vom Heiraten ab?

Im absoluten Gegenteil. Überall auf den Kabarett- und Comedy-Bühnen heißt es, „Männer und Frauen passen nicht zusammen." Da macht es mir gewaltigen, Spaß mich da hinzustellen und zu sagen: Doch. Männer und Frauen passen wohl zusammen, und sie passen nicht nur zusammen, es macht sogar Spaß, und es ist gesund. Es ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass verheiratete Männer signifikant länger leben als Single-Männer. Das liegt natürlich auch an dem wichtigen Satz: „Schatz, trink auch mal ein Wasser zwischendurch!" Diesen Satz kennen Single-Männer nicht. Verheiratete Männer, die kennen den schon!

Und doch gehören auch Trennungen zum Leben. Am 25. Mai haben Sie das letzte Mal als Moderator des NRW-Duells im WDR vor der Kamera gestanden. Wie schwer ist Ihnen der Abschied gefallen?

Ich war ein bisschen traurig, weil wir ein tolles Team waren. Redaktion, Kameraleute, Aufnahmeleitung, Gästebetreuung - und plötzlich geht man dann wieder getrennte Wege. Und trotzdem habe ich Fragen gesehen, bei denen ich dachte, so oder so ähnlich hatten wir das doch schon mal. Also sollte man gehen, wenn es am schönsten ist, auch wenn einem dabei schwer ums Herz wird.

In Ihrem Lied „Gedanken lesen" heißt es „Schatz du kannst Gedanken lesen, wenn ich vor dem Kühlschrank steh'". Gab es nach dem Ende der Sendung einen solchen Moment?

Sorry, die Frage habe ich nicht verstanden. Meine Frau kann sich sehr gut in mich hineinfühlen. Sie kennt mich nach 25 Jahren wohl besser als jeder andere Mensch auf der Welt. Wenn die Frage eher lauten sollte, ob ich seit Ende Juni schon vor einem Kühlschrank gestanden habe: Ja!

Sie sind am 19. April geboren und damit noch gerade so Widder. Über Widder sagt man sie seien diszipliniert und belastbar. Stimmt das auch bei Ihnen oder haben Sie andere Tricks, um das große Pensum aus Schreiben, Kabarett, Moderation und Karneval immer wieder zu schaffen?

Am Ende sind es eigentlich nur zwei Dinge. Ich schreibe, und ich stehe auf der Bühne und trage das vor, was ich geschrieben habe. Beides mache ich sehr gerne. Und wenn man seine Hobbys zum Beruf gemacht hat, empfindet man das natürlich nicht als Belastung. Wichtig ist, wenn man mehrere Projekte hat, sage ich mir immer „nacheinander". Im Moment schreibe ich meinen neuen Krimi, wenn der fertig ist, geht es wieder auf Tournee. Wenn die Tournee zu Ende ist, freue ich mich auf Karneval. Natürlich wird das zwischendurch stressig. Aber Mark Twain hat gesagt: „Gäbe es die letzte Minute nicht, so würde niemals etwas fertig." Und Mark Twain war ein ziemlich kluger Mann.

Warum wollen Sie eigentlich kein Comedian sein?

Ein Comedian steht zwei Stunden lang auf der Bühne und erzählt irgendwas, Hauptsache, es ist lustig. Das wäre mir zu wenig. Ich habe immer ein Thema, das ich beackere. Und wenn man zwei Stunden lang nur lacht, finde ich das langweilig. Man muss sich auch mal zurücklehnen können, man muss auch mal eine Gänsehaut kriegen, und das Lachen muss einem auch mal im Hals stecken bleiben. Und so etwas machen Comedians nicht.

Am 22. September gastieren Sie mit Ihrem Programm im Kölner Stadtbezirk Porz. Irgendwelche speziellen Wünsche an die Besucher des Abends?

Ich habe keine speziellen Wünsche an das Publikum. Ich möchte nur, dass man mir zuhört, und das ist bei Kabarett-Abenden immer so. Also bleibt mir nur der Wunsch, dass die Leute nach zweieinhalb Stunden nach Haus gehen, die Mundwinkel ein oder zwei Millimeter höher tragen, also um sieben, als sie gekommen sind, und dass sie sich sagen: „Mensch, das war ein geiler Abend!"

Gibt es drei Dinge, die auf Tour, wenn Sie unterwegs sind, nicht fehlen dürfen?

Ja, die gibt es. Meine Team, die Tischdecke und ein Kartenspiel. Ich möchte immer eine Tischdecke in der Garderobe, weil die Garderobe auf Tour ein Wohnzimmer ist. Ohne meine Jungs würde ich mich manchmal wohl ziemlich einsam fühlen, und das Kartenspiel muss dabei sein, weil wir seit Jahren „Schwimmen" spielen. Das wird uns aus irgendeinem Grund nie langweilig.

Was machen Sie als Nächstes nach dem Beantworten dieser Fragen?

Dann hole ich mir ein schönes Glas Wein und öffne auf meinem Laptop die Datei „Der Killer kam auf leisen Klompen". Es gibt fast nichts spannenderes als einen Krimi zu schreiben. Natürlich weiß ich, wie der Fall ausgeht, aber es ist auch für mich immer wieder spannend, wie sich die handelnden Personen verstricken, und wie der holländische Inspecteur und seine Assistentin das Knäuel am Ende lösen.

(Die Fragen stellte Lars Göllnitz)

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Veröffentlicht
13. August 2016, 00:00
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