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"Kann ich dat schneiden?"

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"Kann ich dat schneiden?"

Die zweite Auflage der Live-Talkshow #rundestunde fand im Café der Alexianer Klostergärtnerei statt

Ensen- Es dauert rund eine Stunde und je nach Themenstellung darf es auch etwas mehr sein. So auch bei dieser Ausgabe der Live-Talkshow #rundestunde, in der es um kulinarische und nachhaltige Themen geht. Hierzu passt auch der Veranstaltungsort an diesem Abend. Die Alexianer Klostergärtnerei in Ensen, die nachhaltig produziert und nicht auf Gewinnoptimierung ausgelegt ist.

Der Abend mit den eingeladenen Gästen zur "#rundestunde" versprach kurzweilig zu werden. Stilvoll eingeläutet wird die Talkrunde mit dem von Lars Göllnitz selbst produzierten musikalischen Intro.

Fünf Gäste sind eingeladen, darunter der Käseexperte Patrick Glückler, der "Käse Glückler", wie er sich auch nennt. Der Käse habe ihn gefunden, erzählt er. Inspiriert durch eine Frau, die auf einem Weihnachtsmarkt mit Bergkäse gehandelt hat, reiste der frühere Banker und Aktienhändler Glückler vor fünf Jahren nach Österreich, wechselte seinen Beruf und handelt heute mit zertifiziertem Käse von glücklichen Kühen, die über 1200 Meter weiden und bis 16 Jahre alt sind. Für einen etwa 34 Kilogramm schweren Käselaib werden etwa 400 Liter Rohmilch benötigt, sagt er. Zu seinem Portfolio gehören auch Schinken und Wurst. Dem Publikum reicht er einen 12 Monate gereiften Rohmilch-Bergkäse.

Natürliche Produkte verkauft auch Marco Büttgenbach, Autor und Leiter der Alexianer Klostergärtnerei Köln. Sein selbst erklärtes Ziel ist es zum Beispiel, schöne und alte Tomatensorten mit verschiedenen Farben zu erhalten. Der Renner seiner vielen Blumen sei die Geranie, wie er erzählt, und damit bringt er das Publikum zum Lachen. Stauden als Königsklasse, Nutzpflanzen und Kräuter gehören auch in den Bestand seiner Gärtnerei, die er seit der ersten Stunde bei den Alexianern leitet. Selbst ein Gartenradio gibt es. Da weiß Büttgenbach in den 25 Jahren Erfahrung einiges zu berichten. "Kann ich dat schneiden?", sei zum Beispiel eine der häufigsten Fragen der männlichen Besucher in der Gärtnerei, weiß Büttgenbach zu berichten. Die damalige Idee im Kloster eine Werkstatt für psychisch Kranke Menschen aufzumachen, war nachhaltig durchschlagend und hat heute einen hervorragenden Ruf weit über die Grenzen Kölns hinaus.

Um von seinem Projekt "Trink-Genosse" zu berichten, ist Kai Berthold eingeladen. Er möchte eine genossenschaftliche Bar in Köln zur Demokratiekultivierung gründen. Die Bar soll dazu dienen, sich in Gemeinschaft, kreativ, solidarisch und demokratisch zu üben. "Trink-Genosse" ist wie eine Bar und ist für alle da, denn die Mitglieder sollen mitmachen und mitgestalten. Eine geeignete Lokation ist derzeit noch nicht gefunden, denn den Vermietern müsse erst einmal klar gemacht werden, was das für ein Bar-Betrieb eigentlich ist. "Wir möchten das in Form einer Genossenschaft machen und die Bar ist nur Mittel zum Zweck. Mit dem Handeln der Genossenschaft und seiner Mitglieder möchten wir das Gemeinwohl fördern", sagt Berthold.

"Womit können wir richtig gut sein?" Damit leitet Göllnitz über zu Dirk Vollmer. Er ist als Experte für Foodsharing und Life-Coaching nachhaltig unterwegs. Er macht ein Beispiel in der langen Schlange derer Lebensmittel auf, die einfach nur so weggeworfen werden. Dabei verblüfft er das Publikum, denn alle noch verwendbaren Abfälle, die aus gesetzlichen Gründen nicht mehr verkauft werden dürfen, in Mülltonnen aneinandergereiht, könne man eine Schlange von Berlin nach Lissabon abbilden. Um so einem Umstand entgegenzuwirken, berichtet Vollmer über das Projekt "Foodsharing", bei dem Lebensmittel anstatt sie zu entsorgen, zur Verwendung für verschiedenste Dinge freizugeben. "Wer braucht denn 400 Eier", wirft Moderator Göllnitz scherzhaft ein. Ein Problem seien die enormen Mengen an Lebensmittel, die nicht mehr verkauft werden können und Supermärkte in die Entsorgung geben. Mittlerweile gäbe es Annahmestellen für eine spätere Verwendung von noch genießbaren Lebensmitteln. Leider funktioniere dies nicht bei Supermärkten aber Foodsharing bietet da viele Möglichkeiten an, so Vollmer.

Den interessanten Abend unterstützt die Künstlerin und Musikerin Julia Ferrer Vilchez aus Wuppertal mit ihrer Gitarre. Mit ihrer Musik spielt sie eigene Lieder auf Spanisch und Deutsch mit positivem Charakter. Stolz ist sie über ihre musikalische Begleitung am Hambacher Forst im September 2018.

Publikum, Gäste und Team sammeln am Abend Spenden für Marco Büttgenbachs Theatergruppe für Menschen mit psychischer Erkrankung. Ein nachhaltig guter Zweck also.

Damit es dem Publikum gut geht, fehlt es an der Verpflegung nicht, denn das Café ist mit Mitarbeitern der Werkstatt der Alexianer besetzt. Eine eigene Konditorei produziert hier jeden Tag ganz viele Torten und Teilchen. "Wir leben hier Inklusion und somit Wertschätzung, Produktion und Service am Gast auf Augenhöhe. Wir wollen kein Mitleid, sondern Anerkennung und Respekt", sagt Birgit Berger, die Leiterin der Hauswirtschaft der Alexianer.

"Im journalistischen Alltag treffen wir immer wieder auf interessante und sympathische Menschen, mit denen wir nur ein kleines Zeitfenster für die Berichterstattung gehabt haben. Mit der Idee zur #rundestunde wollen wir eine Gelegenheit bieten, interessante Dinge zu diskutieren, dem Publikum einen positiven Einfluss zu vermitteln und die Möglichkeit, noch etwas dazuzulernen, zu geben", sagt Lars Göllnitz, der die Talk-Runde moderiert.

Die Idee zur #rundestunde hatten im Sommer 2018 die drei Kölner Journalisten Nadine Carstens, Réne Denzer und Lars Göllnitz. Eine Talk-Runde, die an jeweils verschiedenen Orten und immer mit verschiedenen Talk-Gästen stattfindet. Premiere war im September 2018 im Weltempfänger in Köln-Ehrenfeld. Ende Juli 2019 ist die dritte #rundestunde an einem besonderen Ort in Köln-Nippes vorgesehen. Auch online ist die Talk-Runde rundum vertreten: bei Facebook (<@rundestundetalk>

), Instagram (<@rundestunde>

) und bei YouTube (#rundestunde). (Robert Schmiegelt)

Ort
Veröffentlicht
23. Mai 2019, 11:22
Autor
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