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Ich bin da wie Springsteens East Street Band

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"Ich bin da wie Springsteens East Street Band"Laith Al-Deen spielt zum ersten Mal auf dem Eltzhof und gibt ein Sommerkonzert

Wahn - Fest in die Deutschlandtour eingeplant, der Wahner Eltzhof. Mehr als 400 Musikfans lauschen der romantischen Musik von Laith Al-Deen. Zuvor singt Johannes Falk ein paar Songs aus seinem Repertoire und die Fans können schon mal Ihre Stimme testen.

Ein guter Übergang zu Laith Al-Deen, der mit dem Lied "Heimathafen" beginnt. Ganze 14 seiner Songs stehen auf dem Programm. Die bekanntesten "Bilder von Dir" oder "Dein Lied" sind dabei.

Vor dem Konzert führte unser Reporter Robert Schmiegelt ein Interview mit Laith Al-Deen über sein abwechslungsreiches musikalisches Leben:

Herr Al-Deen, Ihr Vater ist Iraker und Ihre Mutter Deutsche. Sind Sie ein Sohn Mannheims, gehören aber nicht zu den Söhnen Mannheims? Wie lange leben Sie schon in Mannheim?

Ja, das ist richtig. Ich lebe seit 1978 in Mannheim und habe dort die Grundschule, das Gymnasium und den Zivildienst absolviert. Ich sehe mich ganz klar als Mannheimer.

Wie sind Sie zur Musik gekommen? Gab es in Ihrer Familie etwas, was Sie zu der Gabe, einmal zu singen, hingezogen hatte?

Meine Mutter behauptet immer, dass Hausmusik ein Thema gewesen sei. Mein Vater singt selbst ganz gut, ist aber nie in das professionelle Musikgeschäft eingestiegen. Lustigerweise war meine Grundschullehrerin Frau Fink diejenige, die in ihrer Klasse einen sehr engagierten Chor aufgezogen hatte. Wir sind dann herumgezogen und haben Stücke aufgeführt bis hin zu Béla Bartók. Und dies als Grundschüler.

Die nächste musikalische Station war dann in der Pubertät. Da kam dann die Heimorgel - aufgrund meiner Entscheidungslosigkeit zwischen Schlagzeug und Gitarre. Das Orgelspiel war jedoch nicht meine Heimat. Nachdem ich mir von einem Kumpel eine Gitarre geliehen habe, bin ich erst Mal dabeigeblieben. Daraus resultierte die erste Band und es ging nach und nach los.

Ich singe übrigens nur, weil damals in meiner Band keiner singen wollte, habe es also behelfsweise übernommen. Zwei Jahre später hatte sich das gedreht und die Leute kamen auf mich zu und meinten "Du singst ja gar nicht mal so schlecht". Dann nahm das Schicksal seinen Lauf.

Sie haben mit Auftritten als Vorgruppe anderer großer Stars begonnen. Wie geschah der Übergang in die "Premiumliga" der Musik?

Eine gute Frage. Bevor es bei mir dann losging, hatte ich schon zehn Jahre Musik als Frontmann oder Bandsänger gemacht. Die Vorgruppengeschichte war 2001 bei PUR. Dies hat meine Karriere rein publikumstechnisch ordentlich angeschoben. Wir haben in diesem Sommer vor insgesamt 360 tausend Zuschauern gespielt.

Das Radio und mein Lied "Bilder von Dir" haben dafür gesorgt, dass das Ganze einen Vorwärtsschub bekommen hatte. Dann folgten ständiges und beharrliches Spielen.

Mit Ihrer Musik sind nicht nur Sie selbst verkörpert, sondern auch Ihre Band. Wie viele Leute haben Sie in Ihrer Band und wie haben Sie sich gefunden?

Wir sind heute fünf plus meine Person. Den Keyboarder Tobi Reiss kenne ich seit 1998, der Rest kam so 2000/ 2001 zusammen. Da es mit der alten Bandkonstellation nicht mehr funktioniert hat, entschlossen wir uns für ein Casting. Das war eine komische Situation. Hierdurch kam der jetzige Bassist Frieder Gottwald und der Gitarrist Ole Rausch zu uns.

Vier Jahre später suchte ich einen neuen Drummer, da unser damaliger Schlagzeuger andere Projekte verwirklichen wollte. Dann haben wir unseren Jüngsten im Bunde, David Mette, mehr oder weniger von der Pop-Akademie geholt. Sein Bruder, Andie Mette, stieß dann vor ein paar Jahren zu uns, da wir uns musikalisch breiter aufstellen wollten. Mit den Leuten bin ich nun schon lange unterwegs. Ich bin da wie Springsteens East Street Band, die es ja schon etwa vierzig Jahre gibt.

Ich bin kein Freund von wechselnder Besetzung oder Ersatzleuten. Ich sage auch schon mal Gigs ab, wenn mehr als zwei Leute aus der Band nicht können. Deswegen tingeln wir auch schon so lange miteinander rum.

Vor 18 Jahren haben Sie Ihr erstes Album "Ich will nur wissen" veröffentlicht. Darin enthalten, die Debüsingle "Bilder von Dir". Mit diesem Lied haben Sie unsere Nation begeistert. Wie sind Sie damals mit diesem Erfolg umgegangen?

Der Vorteil war, dass ich schon eine ganze Weile Musik gemacht habe und dies auch mein Beruf war. Ich bin sozusagen nicht ins kalte Wasser gesprungen, erinnere mich aber noch sehr gut daran, als ich mit meinem Konto das erste Mal zweitausend Mark im Plus war. Das war bis dahin nie der Fall gewesen.

Ich habe einen guten Freundeskreis, der das alles geerdet hatte. Ich war damals total stolz, mal etwas bewegen zu können und hatte mir von meinem ersten Geld einen Fernseher und eine 5.1-Anlage gekauft.

Im Song "Dein Lied" beschreiben Sie Ihre Gefühle für einen Menschen mit dem Text "Bist mir so vertraut obwohl ich dich nie gesehen hab". Wer ist dieser Mensch?

Der Mensch ist fiktiv, aber das Schöne an dem möglichen Gegenüber oder der Idee dessen, ist es, dass der Mensch ein klares Herdentier ist und sich in der Zweierrolle wohler fühlt. Es ist noch nicht einmal der romantische Faktor aber wenn es sich ergeben sollte, dass die sogenannte bessere Hälfte dazu beitragen kann, ist es doch eine schöne Sache.

Um all die Auftritte zu meistern, brauchen Sie ein Team, auf das Sie sich verlassen können. Ist es nicht schon eine Art Freundschaft, die da entstanden ist?

Ja das stimmt. Es verhält sich ähnlich wie mit der Band. Der größte Teil meines Teams ist schon sehr lang dabei und es geht natürlich immer um Verlässlichkeit. Wir wollen alle, dass die Dinge auf der Bühne funktionieren auch dann, wenn wir einen Akustik-Gig spielen, der zwar kleiner anmutet, aber die Gegebenheiten die Besten sein sollen.

Ich habe eine kleine, überschaubare, aber großartige Crew und ich will mir gar nicht vorstellen, eine Crew zu haben, die so groß ist, dass ich die Mitglieder nur ansatzweise beim Namen kenne. Das wäre mir zu unpersönlich. Schließlich gibt mir die Crew auch familiären Rückhalt im Sinne von technischem know how.

Wissen Sie, wie viele Auftritte bzw. Konzerte Sie schon gegeben haben?

Ehrlich gesagt, weiß ich es nicht so genau. Ein weiblicher Fan schickte mir im letzten Jahr ein Buch, in dem sie ihr fünfhundertstes Konzert gefeiert hat. Sie war aber nicht von Anfang an dabei.

In 2020 habe ich mein zwanzigjähriges Bühnenjubiläum und bis dahin habe ich die Zahl der Konzerte zusammengebaut. Aber gegen B. B. King sind wir in alle Ewigkeit Nasenwasser.

Welcher Ihrer Songs gefällt Ihnen am besten?

Das ist sehr schwierig. Eine top one geht auf keinen Fall und es ist eher phasenabhängig. Zwischendurch war ich immer mal "Bilder von Dir-Fan", was ich auch schon mal gehasst habe. Bei absolut jedem Konzert habe ich diesen Song gespielt. Der momentane Favorit ist "Bleib unterwegs", der Titelsong aus meinem letzten Album. Ich mag die Thematik und es macht Spaß, das Lied zu spielen und den Esprit in sich zu tragen.

Sie singen durchweg in deutscher Sprache und sagten einmal, dass Sie vom Grundgedanken her dafür werben, die deutsche Sprache zu nutzen. Es sei eine sehr reiche Sprache, was alle so sehen würden, außer die Deutschen selbst. Was meinen Sie damit?

Es ging darum, dass ich mich nach der Schulzeit am Anfang mit Heine oder Rilke beschäftigt habe. Allein Rilkes Wortgewalt sucht immer wieder ihres Gleichen. Die Leute fragen immer, warum Deutsch? Das sei doch eine harte Sprache und so schwierig zu singen. Nein, dem ist nicht so und es stimmt auch nicht.

Wer mit Deutsch als Muttersprache aufgewachsen ist, versteht den Sprachwitz und kann zwischen den Zeilen lesen. Im Englischen ist das nicht so. Ich finde die deutsche Sprache kann wortgeballt daherkommen und Emotionen auslösen. Das finde ich großartig und inzwischen haben wir in der Popmusik endlich einen Umgang mit unserer Sprache, wie es in anderen Ländern schon länger üblich ist.

Sie haben auch in Amerika gelebt, wie lange waren Sie dort? Können Sie denn noch die Sprache Ihres Vaters als Iraker, also auch Arabisch.

Ja, das stimmt, ich habe dort etwa bis kurz vor der Grundschule gelebt und bin leider nur Englisch-Deutsch-sprachig aufgewachsen. Dreisprachige Erziehung war in den 70ern nicht so angesagt, sonst hätten meine Eltern das bestimmt gemacht. Heute ärgere ich mich, dass das mit dem Arabisch nicht geklappt hat.

Woher nehmen Sie die Ideen für Ihre Lieder? Erfinden Sie sich immer wieder selbst?

Es ist ein Mix aus Geschichte und Dingen, die mir immer gerade passieren. Mein eigenes Leben schreibt sich ja immer wieder um. Ich schreibe auch gerne in kleinen Teams - mal zu zweit, mal zu dritt. Da mischen sich die Erfahrungen. Ein Schreibpartner ist 20 Jahre jünger und das ist dann ganz spannend. Manchmal spreche ich auch einfach nur mit Leuten. Ich erzähle dann über ein Thema, das mich bewegt. Wenn ich nicht die richtigen Worte finde, findet sie jemand anderes.

Gab es schon mal eine Krise?

Vor der vorletzten Platte hatte ich einen Burn out. Mittlerweile hat es sich erledigt. Die Gründe sind mir selbst nicht ganz klar. Ich habe Leute kennengelernt, die selbst mit der Thematik in Berührung gekommen waren und habe jetzt einen guten Umgang damit gefunden. Ein schönes Gefühl war es damals in einer Gemeinschaft aufgefangen zu werden. Musik verbindet und es ist ein besonderes Sprachrohr.

Romantik kommt in Ihren Stücken nicht zu kurz. Wer hat Ihnen die Ausstrahlung von Emotionalität und Liebe in Ihren Stücken irgendwann vermittelt oder steuern Sie dies selbst?

Es sind die Musiker, mit denen ich groß geworden bin. Es geht von Soul und Blues über in die Popwelt, geprägt von starken Hochs und starken Tiefs. Aber auch Rock, der gerne mal von Aggression geprägt ist.

Die Hochs und Tiefs waren bisher größtenteils begleitet von freundschaftlichen Beziehungen und Liebesbeziehungen. Ich komme an den Geschichten ganz klar einfach nicht vorbei.

Sie treten in Kombination mit großen Musikern, wie zum Beispiel mit Peter Maffay auf. Mir fällt da Tabaluga im Jahre 2012 ein. Mit dem Lied "Dafür sind Freund da" treffen Sie die Herzen der Menschen. Was gibt Ihnen persönlich die soziale Art, die sich in Ihren Liedern allzeit wiederspiegelt?

Der Wert der Nächstenliebe, der Kommunikation oder der soziale Umgang verfolgen mich schon von meiner ersten Platte an. Es ist ein wichtiges Thema und ich versuche es in die Welt zu tragen. Die Botschaft "Hey Leute, redet miteinander oder versucht es zumindest", ist bei mir fest verankert und ich habe das Gefühl, dass die Leute dies spüren.

Ist jedes Konzert eine Art Schule für Sie und der Ansporn, weiter zu machen?

Auf jeden Fall ist dies so. Ein schönes Ereignis war gerade vorige Woche, als wir für das Fernsehformat "Verrückt nach Meer" auf der Kreuzfahrt nach Island gedreht haben. Dort haben wir an Bord auch ein Konzert gespielt und der Altersdurchschnitt lag an diesem Abend deutlich über dem der "normalen" Konzerte. Mein Lieblingskommentar aus dem Publikum war "Komm, mach ruhig noch ein bisschen so weiter". Das sind immer wieder so Dinge, die schön sind.

Gibt es etwas, was Sie bisher in Ihrer Musikkarriere bereut haben und nie wieder machen würden?

Ja, einen Plattenvertrag ohne Anwalt verhandeln.

Gibt es Rituale vor einem Auftritt? Sind Sie vorher aufgeregt?

Ja, Schnaps, ganz einfach Schnaps. Vor dem Auftritt kommen alle zusammen und der Letzte, der kommt, hält eine Rede. Die geht dann von langen Worten bis zu "Prost". Kurz angucken, einschwören und los geht´s.

Was haben Sie sich für Ihre Zukunft vorgenommen und was wünschen Sie sich noch?

Eigentlich nichts, weil das Lebensmotto seit Jahren der Titelsong meines letzten Albums "Was wenn alles gut geht" ist.

Ich arbeite gerade an einem neuen Album, welches im Frühjahr 2019 erscheinen soll und im Jahr 2020 kommt dann ja noch mein Jubiläum. "B. B. King auf die Fersen kommen", das wäre es noch, kann aber schon jetzt nicht mehr funktionieren.

SCHLAGWORTE:
Ort
Veröffentlicht
29. Juni 2018, 06:34
Autor
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