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Fernfahrer oder Bundespräsident

Kabarettist Wilfried Schmickler über die Frage nach Berufsalternativen und die Nötigkeit, Stellung zu beziehen

Wahn - Am 18. Mai stattet der Kölner Südstädter dem Wahner Eltzhof einen Besuch ab. Mit im Gepäck hat Wilfried Schmickler sein aktuelles Bühnenprogramm „Das Letzte". Lars Göllnitz hat vorab mit ihm gesprochen...

Herr Schmickler, Ihr aktuelles Bühnenprogramm heißt „Das Letzte". Müssen wir davon ausgehen, dass Wilfried Schmickler sich zur Ruhe setzt?

Also erstens wüsste ich gar nicht so genau, wo die Ruhe sein soll, zu der ich mich setzen soll, und zweitens habe ich ein großes Problem: Ich kann einfach nicht den Mund halten, wenn mir etwas auf den Senkel geht. Ach ja: Und ich kann nicht „nein" sagen.

Sie bezeichnen sich selbst als „Stimmungsaufheller" für Ihr Publikum. Was sorgt denn bei Ihnen selbst für gute Laune?

Ein paar freie Tage mit meiner Liebsten möglichst am holländischen Nordseestrand, ein entspanntes Palaver mit Freunden beim Feierabend-Bier, ein gelungener Auftritt, ein Ründchen durch die Südstadt, sinkende Umfrage-Werte für die AfD und natürlich der Gedanke an die letzten sechs Jahrzehnte Leben ohne Krieg, ohne Hunger und ohne Krankheit.

Und warum hat Ihr Publikum eine Verbesserung der Stimmung nötig?

Weil in den letzten Jahren die Miesmacher, die fremdenfeindlichen Hetzer und nationalistischen Stinkdrüsen, so laut, so dreist und so omnipräsent geworden sind, dass sich eine derart schlechte und destruktive Laune breit gemacht hat, wie ich sie in diesem Land noch nicht erlebt habe.

Sie leben in der Kölner Südstadt. Auch hier wurde zum jüngsten AfD-Parteitag für Demokratie und gegen Rassismus demonstriert. Haben Sie das Gefühl, die Menschen sind doch nicht so politikverdrossen, wie öfters behauptet wird?

Ganz im Gegenteil. Die Bereitschaft, sich einzumischen und sich für die eigenen Interessen und die der Mitmenschen zu engagieren, ist größer geworden. Trotz all der schlechten Laune, die verbreitet wird. Wenn ich zum Beispiel sehe, wie viele Menschen trotz allem ehrenamtlich den Flüchtlingen in Deutschland mit Rat und Tat zur Seite stehen, dann lacht mir das Herz im Leibe. Hut ab!

Im Internet sind Informationen zu finden - hoffentlich keine Fake News - die besagen, Sie seien zu Zivildienstzeiten in einer Jugendeinrichtung mit der Post-Hippie-Szene in Berührung gekommen. Sind Sie dadurch politisiert worden - und letztlich Kabarettist geworden...?

Die alten Hippies wollten ja vor allem eins: möglichst viele, möglichst große Freiräume, um ein selbst bestimmtes, kreatives Leben zu führen. Da ist der Konflikt mit den Ordnungshütern quasi programmiert. Und der wurde dann ausgetragen mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln. Jeder mit seinen Fähigkeiten. Und weil ich eben nur schreiben und sprechen kann, blieb mir gar nichts anderes als die Bühne.

Welchen Beruf hätte Wilfried Schmickler denn alternativ zur Bühnenkarriere ergriffen?

Die Frage hat sich nie gestellt. Aber wenn schon Alternative, dann eventuell Fernfahrer. Oder Bundespräsident.

Den Eltzhof in Köln-Wahn kennen Sie schon als Ausweichspielstätte der „Mitternachtsspitzen" im WDR. Nun gastieren Sie am 18. Mai erneut hier. Haben Sie spezielle Erinnerungen an den Ort?

Natürlich habe ich Erinnerungen und zwar nur die besten: ein tolles, engagiertes Team, außergewöhnliche, in jeder Beziehung, gut ausgestattete Räumlichkeiten und eine großartige Küche. Herz, was willst Du mehr.

Karten für Wilfried Schmicklers Auftritt im Wahner Eltzhof sind unter http://www.wahn-witzig.de erhältlich.

SCHLAGWORTE:
Ort
Veröffentlicht
13. Mai 2017, 00:00