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"Eine dem Anders entsprechende Kleidung"

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"Eine dem Anders entsprechende Kleidung"

Im Bürgerzentrum Engelshof fand eine Vernissage zur Fotoausstellung "ZEITREISENDE" mit sogenannten Steampunks statt

Westhoven - Wie mittels digitalem Composing, also aus einer Fotografie und digitaler Retusche ein Kunstwerk hergestellt wird, beweisen die Mitglieder der Studiogruppe des Vereins zur Förderung künstlerischer Bildmedien Bayer e.V. Leverkusen. In einer Vernissage im Café des Bürgerzentrum Engelshof sind die Werke verschiedener Künstler in gemütlicher Atmosphäre zu bestaunen. Es sind nicht nur die Fotografen, sondern vor allem die Mitglieder der sogenannten Steampunks, die diese Fotos letztendlich lebendig machen.

Renate Gurrey vom Leverkusener Fotoclub führte durch die Vernissage. Angefangen hatte alles mit einem Treffen zwischen Domführer Dr. Thomas Plum und André Sielaff, dem Gründer des 1. Kölner Steampunk Clubs, erzählt sie. Es treffen sich Gleichgesinnte mittlerweile aus ganz Deutschland, die dem gleichen Gedanken nachgehen und vor allem dasselbe Verständnis zu einer Zeit des längst vergangenen Viktorianismus haben.

Der Fotoclub aus Leverkusen mit seinen 110 Mitgliedern hat eine Fotostudiogruppe, die sich der Inszenierung der Steampunks angenommen hatte. Sie entwickelten Hintergründe aus der viktorianischen Zeit - so, wie man sich damals die Zukunft wohl vorgestellt haben mag. Mit viel Phantasie, die hierzu nötig sei, entstanden alle Werke, erklärt Gurrey. Sie präsentiert auch ihr eigenes Kunstfoto mit dem Hintergrund der modernen Gehry-Bauten vom Düsseldorfer Rheinhafen, einem Bild mit einem Oldtimer aus der damaligen Zeit und zwei Mitglieder der Steampunks im Vordergrund.

André Sielaff der sich den Namen Lord Iron from Cologne gegeben hatte, erzählt etwas über seine Steampunks und deren Aktivitäten in Köln: "Zu finden waren wir bisher an Orten wie dem Volksgarten mit unserem viktorianischen Picknick mit mehr als 70 Leuten. Auch auf einem Weihnachtsmarkt oder manchmal auch auf einem Boot auf dem Rhein und an anderen publikumswirksamen Orten sind wir zu finden".

Professionell in Szene geworfen und mit hochwertig selbst hergestellter Kleidung nebst den vielen Metallstücken wie alte Motorradritzel, Hygrometern, alte schmucke Taschen und anderen unzähligen Teilen aus Metall, aufwendig gesäubert und sinnvoll zusammengeschraubt, geschweißt, gesteckt, geklebt und gelötet, wiegt schon mehr als zehn Kilogramm. Plastik ist dabei fehl am Platze, dies werde nicht verwendet. Sein Vorbild war Jules Vernes mit seinem Stück "Die Reise zum Mittelpunkt der Erde", erzählt Sielaff und blickt auf die letzten fünf Jahre zurück, in denen Trödelmärkte, Uhrmacher und andere Läden mit Waren aus früherer Zeit sein zu Hause waren. "Schließlich müsse man ja an verwertbare Requisiten herankommen", erzählt er.

Dr. Nora Schiemann als Fürstin der Schwarzalben und dem im Personalausweis amtlich attestieren Künstlernamen Azaeaha Ye Sidhe erzählt, dass ihr der Beruf der Ingenieurwissenschaften im Kosmetikbereich in Indien und Brasilien viel geholfen hatte, sich heute als Steampunk entsprechend darzustellen. "Wir besinnen uns auf alte Werte, die heute aktueller sind denn je und leben in Zeiten, in denen es ziemlich wechselhaft zugeht. Dabei versuchen wir etwas Konstante und Ruhe hinein zu bringen und wir sind nicht kostümiert. Es ist eine dem Anders entsprechende Kleidung und dies ist uns sehr wichtig", sagt sie.

Elke Müller als Eloise Verity und Air Chief Marshal, ebenfalls Steampunkerin kennt sich in der Navigation gut aus, wie es sich für einen Air Chief Marshal so gehört. Entsprechende Requisiten an ihrer aufwändig zusammengestellten Kleidung deuten darauf hin. Auch ihr Alias-Name ist in einem Ausweisdokument festgehalten.

"Steampunk", zusammengesetzt aus dem englischen Wort "steam" gleich Dampf und "punk" im Sinne von mies, wertlos - besser interpretiert als "rebellisch" und querdenkend, wird dieser Gedanke aus der Literatur des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts in der Kleidung nebst Requisiten an der Kleidung zum Ausdruck gebracht. Schnell wird bei der Ansicht deutlich, dass hier eher die Zeit der industriellen Revolution um die Jahrhundertwende und des Viktorianismus verkörpert wird. (Robert Schmiegelt)

Ort
Veröffentlicht
03. Mai 2019, 03:21
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