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Ein Pinguin macht einen Heiratsantrag

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Ein Pinguin macht einen Heiratsantrag

Das Ehepaar Heide und Erich Wilts berichtet beim Club für Wassersport von ihren Weltumsegelungen und der schwierigen Nordwest-Passage

Zündorf - Der einsetzende Schneefall in Zündorf an diesem Abend passt zum Vortrag über die Nordwestpassage zwischen Alaska und Grönland. Heide und Erich Wilts blicken beim Club für Wassersport (CfWP) auf 50 Jahre Weltumsegelungen zurück. Mehr als 555 Tausend Kilometer hat das Paar seither zurückgelegt.

Der Einladung zum Vortrag sind mehr als 140 Interessierte und Freunde aus der ganzen Bundesrepublik in den Festsaal des Clubs gefolgt.

Im Jahre 1969 hätten sich die ehemalige Oberärztin Heide Wilts und der studierte Betriebswirtschaftler Erich Wilts bei einem Duell im Einzelsegeln bei Norderney kennengelernt, berichten beide. Seither ist das Segeln ihre gemeinsame Passion. "Segeln ist die Kür und dies muss gelernt werden. Wir sind anfangs wie James Cook gesegelt. Da gab es keine Automatik", sagt Heide Wilts rückblickend. Ihre Reisen und die Berichte werden veröffentlicht und ausgezeichnet.

In den vielen Ruhepausen auf den Weltmeeren ist genügend Zeit, die Erfahrungen in Bücher zu verfassen. Handsigniert und mit Logbuchstempeln versehen, liegen die Reisebücher und Bildbände im Festsaal zum Verkauf aus.

Am 11. März 2011 zerstörte ein Tsunami im Hafen von Iwaki in Japan die Stahlyacht "Freydis II" des Ehepaars. Das Schiff wurde aufgegeben und musste zurückgelassen werden. Nach identischem Muster segelt das Ehepaar seitdem mit ihrer "Freydis III", einer Yacht mit einem Aluminiumrumpf, über die Weltmeere.

Als großes Ziel stand im Sommer 2017 die Durchquerung der sogenannten "Nordwest-Passage" im Nordmeer an. Das Seglerpaar wird auf der anspruchsvollen Reise von mehr als 9000 Kilometern, von segelerfahrenen Gästen an Bord begleitet.

Auf dem 24 Quadratmeter großen Wohnraum des Schiffes und bei Außentemperaturen von teilweise minus 40 Grad Celsius beginnt die Reise. Vom Pazifik durch die Beringstraße an Alaska vorbei ins nördliche Kanada verläuft der Törn noch eher ruhig. Im weiteren Verlauf sehen sie sich mit Packeis konfrontiert und es ist allen klar, dass die Durchfahrt durch die Seepassage in dieser Saison geschafft werden muss. Dort sind Kälte, Nässe sowie Stürme und Nebel zu erwarten. "Unser erklärtes Ziel ist es, jede Chance wahrzunehmen", so Heide Wilts.

Unvergessliche Eindrücke begleiten die Durchfahrt. Da sind mehr als zehn Millionen Pinguine auf einer Insel zu finden. "Die haben keine Angst vor uns und lassen uns zu ihnen. Da kommt einer und macht uns einen Heiratsantrag", erinnert sich Erich Wilts.

Unterwegs kauft die Besatzung auf dem Festland in sicheren Buchten Proviant ein. "Ohne einer guten Küche an Bord geht gar nichts", ist sich Erich Wilts sicher. An einigen Geschäften hängen Gewehre neben Wiener Würstchen.

Mit zunehmendem Verlauf wird die Reise durch die Passage schwieriger. Satellitengestützt besteht Telefonverbindung zu Freunden eines Wetterdienstes in Deutschland. Drei Tage maximal haben die Segler demnach Zeit, bis das Meer eine kleine Fahrrinne wieder verschließt.

Nur ein paar Meter breit ohne Eis an der Küste lassen die Freydis und ihre Crew die Durchfahrt gewähren. Die Freydis muss einige Mal umkehren, um besseres Wetter abzuwarten. "Unsere Freydis ist ein fahrendes Ersatzteillager. Dies hat in Extremsituationen geholfen. Wir haben eine 100 Meter lange Eisscholle vermessen. Die wog zirka 20 Tausend Tonnen und drohte unsere 24 Tonnen schwere Freydis zu rammen", bemerkt Erich Wilts nebenbei.

Die gründliche Vorbereitung von mehr als einem Jahr hat sich gelohnt. Vorbei an geschichtsträchtigen Siedlungen und Begegnungen mit vielen Tieren und Crew-Wechsel, haben sie es am Ende bis in das eisfreie grönländische "Nuuk" geschafft. Am Abend erlebt die Crew noch ein himmlisches Feuerwerk. Der nächste Törn ist für beide bereits in Sicht: 2019 steht Spitzbergen in Norwegen an. (Robert Schmiegelt)

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Veröffentlicht
09. März 2018, 06:01
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