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Museum Ludwig präsentiert Andrea Fraser und Phil Collins

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Parallel zur Art Cologne eröffnet das Museum Ludwig zwei neue Ausstellungen. Sie widmen sich der diesjährigen Wolfgang-Hahn-Preisträgerin Andrea Fraser und dem britischen Medienkünstler Phil Collins. Die Schau „Phil Collins. In every dream home a heartache“ läuft ab 18. April 2013, „Andrea Fraser. Wolfgang Hahn-Preis 2013“ ab 21. April.

Beide Ausstellungen sind bis zum 21. Juli 2013 zu sehen.

In Andrea Frasers choreografierten Performances bleibt nichts dem Zufall überlassen: Die Amerikanerin (geboren 1965 in Billings, Montana) widmet sich existentiellen und gesellschaftlichen Fragestellungen mit präzisen, oft auch humorvollen Analysen und setzt sich dabei immer wieder kritisch mit dem Kunstbetrieb und seinen Akteuren auseinander.

Seit den 80er Jahren, als sie durch ihre in Galerien und Museen aufgeführten „Gallery Talks“ Bekanntheit erlangte, hinterfragt sie dabei auch grundsätzlich das Museum als Institution in Performances, Videos und Texten. Welche Künstlerbilder und -mythen bestimmen unsere Vorstellungen? Welche Motive haben Sammler, Kunst zu kaufen oder zu stiften? Wie entstanden öffentliche Sammlungen, was erzählen sie und ihre Gebäude über das bürgerliche Engagement in Städten? Wie kann das Wechselverhältnis dieser Akteure auf dem Kunstfeld beschrieben werden?

In den letzten Jahren, und besonders seit den großen Finanzkrisen und deren Auswirkungen, hat Andrea Fraser ihre eigene Arbeit und die Institutionskritik als solche in vielen wichtigen Aufsätzen einer Revision unterzogen und dabei auf Methoden aus Soziologie, Psychoanalyse und Wirtschaftswissenschaften zurückgegriffen.

Nach Frasers letzter Überblicksausstellung in Europa im Jahr 2003 im Hamburger Kunstverein greift die große Schau im Museum Ludwig diese kritische Neuausrichtung der Künstlerin auf. Frasers frühe Arbeiten sind ebenso dokumentiert und beleuchtet wie ihre Aktualisierungen in neuen Werken. Darüber hinaus legt die Ausstellung das Augenmerk auf Andrea Fraser als Performerin. Sie führt ihre jüngste abendfüllende Performance „Men on the Line“, die 2012 in Los Angeles Premiere hatte, erstmals in Europa auf. Zudem zeigt Andrea Fraser selbst „May I Help You“ bei der Eröffnung. Während der Ausstellung re-inszenieren Schauspielerinnen diese Performance von 1991 in der Sammlung des Museums.

Barbara Engelbach kuratierte die Ausstellung, den Katalog hat Carla Cugini von der Gesellschaft für Moderne Kunst am Museum Ludwig herausgegeben.

Aufgewachsen in Nordengland in den 70er und 80er Jahren, gelten Phil Collins Interessen der Musik, dem Fernsehen und im weitesten Sinne der Popkultur, die in dieser Zeit entstand. In seinen Filmen, Fotografien und Live Events untersucht er das Verhältnis von Mensch und Kamera und die Eigenschaften des jeweiligen Mediums im alltäglichen Kontext.

Für seine von Anna Brohm kuratierte Ausstellung im Museum Ludwig hat Collins in Zusammenarbeit mit seiner Produktionsinitiative Shady Lane Productions die neue Arbeit „my heart’s in my hand, and my hand is pierced, and my hand’s in the bag, and the bag is shut, and my heart is caught“ in Köln realisiert. Dabei war er auf die Partizipation der Gäste von GULLIVER, einer Überlebensstation für Obdachlose, angewiesen. In der Station, unweit des Museums, hat er dafür eine Telefonzelle installiert. Diese konnten die Gäste für kostenlose Ferngespräche unter der Bedingung nutzen, dass die Gespräche aufgezeichnet und anonymisiert wiederverwendet werden durften. Das Material hat Collins anschließend an verschiedene internationale Musiker geschickt, die es als Ausgangspunkt für musikalische Neuinterpretationen nutzten.

Diese präsentiert er den Besucherinne und Besuchern der Ausstellung als neue Songs auf 7“-Vinylschallplatten in eigens gebauten Hörkabinen. Von dort bietet sich der Blick auf den Kölner Hauptbahnhof, wo GULLIVER ansässig ist. Das Projekt beinhaltet Beiträge von namhaften Künstlern wie David Sylvian, Scritti Politti, Lætitia Sadier und Damon & Naomi, wegweisende experimentelle und Indie-Acts (Demdike Stare, Planningtorock, Maria Minerva, Heroin In Tahiti, Pye Corner Audio, Peaking Lights), lokale Berühmtheiten unterschiedlicher Generationen (Elektronische Musik aus Köln: Pluramon, Cologne Tape) und als Special Guest der deutsche Superstar Julia Hummer.

Die weiteren in der Ausstellung gezeigten Arbeiten enthalten ebenfalls eine Verbindung von Pop und Politik. Collins integrierte originale Soundtracks des walisischen Musikers Gruff Rhys und der Surf-Band Y Niwl aus Nord Wales. Die Installation „This Unfortunate Thing Between Us“ (2011) basiert auf der Sendung TUTBU.TV, einem alternativen Teleshopping-Kanal, der live im deutschen öffentlich-rechtlichen Fernsehen ausgestrahlt wurde. Die Schauspieler und Porno-Filmcrew, die TUTBU.TV engagiert hatte, verkauften echte Erlebnisse statt massenproduzierte Gebrauchsgegenstände und boten damit einen quälenden Ausblick auf das, was die Zukunft des Konsumfernsehens sein könnte.

Ort
Veröffentlicht
08. April 2013, 14:54
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