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Kassel: "Schockanruf-Masche" jetzt auch auf Deutsch: schon vier Versuche Falscher Arzt gab auf: "Mit ihnen komme ich nicht klar"

(ots) - Vier 77, 80, 84 und 90 Jahre alte Frauen aus Kassel haben am Donnerstag am Telefon Schockanrufe auf Deutsch erhalten, fielen aber nicht auf vermutlich ein und denselben Betrüger rein. Ein Unbekannter, der sich als Oberarzt eines Göttinger Krankenhauses ausgab, forderte in nahezu akzentfreiem Deutsch von den Seniorinnen zwischen 9.000,- und 18.700,- Euro in bar für eine angeblich dringend erforderliche Operation eines nahen Angehörigen, der oder die gerade einen Unfall hatte und auf seinem OP-Tisch in Göttingen liege. Die Krankenkasse würde die komplizierte OP nicht bezahlen, so seine Behauptung, die natürlich Verwirrung stiftete und Ängste auslöste. Deshalb könne man diese OP nur durchführen, wenn vorher bar bezahlt würde. Da alle Angerufenen nicht über soviel Bargeld verfügten, fragte der angebliche Oberarzt aber auch nach wertvollem Schmuck und Gold.

"Mit ihren komme ich nicht klar"

Fragen nach der Telefonnummer oder der Adresse seines Krankenhauses wich der Mann aus. Als sich eine der Frauen direkt auf den Weg machen wollte, beendete er das Gespräch. Richtig die Zähne bis er sich allerdings offenbar an einer 80-Jährigen aus dem Stadtteil Niederzwehren aus, berichten die Beamten des Kriminaldauerdienstes der Kasseler Kripo. Ihr Sohn müsste nach einem schweren Verkehrsunfall auf der A7 angeblich am Knie operiert werden. 13.600,- wollte der Oberarzt in bar sehen. Die Schwiegertochter sei auch schon unterwegs, log der Betrüger obendrein. Ihre misstrauischen Rückfragen und vor allem das Drängen nach einer Rückrufnummer veranlassten ihn aber schließlich zum Auflegen mit der resignierenden Bemerkung: "Mit Ihnen komme ich nicht klar." Ein Rückruf bei ihrem Sohn brachte dann Gewissheit: Er war unverletzt, der Unfall nur erfunden.

Bislang nur russische Variante bekannt

Opfer von Trickbetrügereien mit sogenannten "Schockanrufen" waren bislang immer ältere Menschen aus dem russischen Sprachraum und den Ländern der ehemaligen Sowjetunion. Die Anrufer versuchten ihnen in der Muttersprache glaubhaft zu machen, dass enge Angehörige schwere Unfälle hatten oder solche verursacht hätten. Um dringend erforderliche Operationen zu ermöglichen oder einer harten Bestrafung im Heimatland zu entgegen, wurde die Zahlung hoher Summen, nicht selten im fünfstelligen Bereich, verlangt. Viele Opfer fielen auf die Betrüger herein und zahlten. Erst nachhaltige Aufklärungskampagnen sorgten schließlich dafür, dass die Zahl der vollendeten Taten drastisch zurück ging.

Tipps der Polizei

Bei den Schockanrufen handelt es sich um eine Variante des sogenannten Enkeltricks. Während vermeintliche Enkel mit einer blumigen oder rührseligen Geschichte unter vermeintlichem Zeitdruck dringend größere Bargeldsummen "erbitten", operieren die Täter beim Schockanruf mit starkem, emotionalem Druck. Oft ist angeblich das Leben eines Angehörigen in Gefahr oder ein nahe stehender Mensch hat schuldhaft einen Unfall verursacht, bei dem Kinder schwerste Verletzungen erlitten haben. Dieses übergroße Druckszenario verhindert oft ein klares Denken. Damit spekulieren die Täter. Ihnen kann man nur das Handwerk legen, wenn man besonnen bleibt und alle Möglichkeiten, die Wahrheit zu ergründen, ausschöpft. Der einfachste Weg ist meistens ein Anruf beim Verwandten. Dann fliegt der Schwindel sofort auf. Wichtig für die Ermittlungen der Polizei ist es aber auch, sich die Nummer des Anrufers zu notieren, falls sie überhaupt angezeigt wird.

Wolfgang Jungnitsch Kriminaloberrat Tel.: 0561 / 910 - 1008

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Veröffentlicht
10. Oktober 2013, 16:12
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