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Herne / "Kriminelle Langfinger" in Herne unterwegs - "Stadtwerke-Trick" und Wohnungseinbruch

(ots) - Am gestrigen Montag (16.11.2009), gegen

17.20 Uhr, bekommt eine an der Lützowstraße in Herne-Horsthausen

lebende Frau (70) Besuch von zwei Männern, die sich als Mitarbeiter

der Stadtwerke ausgeben. Die mit schwarzen Anzügen bekleideten Männer

tragen im Brustbereich ein Plastikschild, auf dem unter anderem das

Wort "Strom" zu lesen ist, wodurch die 70-Jährige keinen Verdacht

schöpft. Zunächst gehen die drei Personen in die Küche, wo die Täter

der alten Dame erklären, dass sie vermutlich bei den Gas- und

Stromkosten etwas einsparen könne. Allerdings müsste man für eine

genaue Ausrechnung einen Blick in die letzte Abrechnung werfen.

Gemeinsam mit einem der Täter beginnt die Hernerin nun mit der Suche

nach der letzten Abrechnung. Zeitgleich durchsucht der zweite Täter

die in der Diele befindlichen Kleidungsstücke der Geschädigten und

entwendet dabei Bargeld aus einer Handtasche. Die noch unbekannten

Täter sind ca. 25-30 Jahre alt und 1,75m-1,80m groß. Sie haben dunkle

kurze Haare und entsprechen eher dem südländischen Typ. Der erste

Täter hat eine normale Figur, wohingegen der zweite auffallend

schlank sein soll.

Ebenfalls noch unbekannt sind die Kriminellen, die am Montag, in der

Zeit zwischen 08:15 Uhr und 11:38 Uhr, an der Kaiserstraße in

Herne-Baukau in eine Wohnung einbrechen und dabei Schmuck und Bargeld

stehlen.

Das Bochumer Fachkommissariat für Wohnungsdelikte (KK 14) hat in

beiden Fällen die Ermittlungen aufgenommen und bittet unter der

Rufnummer 0234 / 909-4143 um Zeugenhinweise.

Polizeiliche Hinweise und Hintergründe zum Thema Trickdiebstahl in

Wohnungen

Trickdiebstahl in Wohnungen ist nach dem Taschendiebstahl auf der

Straße die vermutlich häufigste Straftat, von der ältere Menschen

betroffen sein können. Es ist verstärkt zu beobachten, dass

Tricktäterinnen und Tricktäter vermehrt auch Seniorenwohnhäuser und

-wohnanlagen aufsuchen, da die dortigen Pförtnerdienste in

zunehmendem Maße abgebaut werden.

Dort, aber auch bei anderen Wohnformen täuschen die Täter ihre Opfer,

um sich Zutritt zur Wohnung zu verschaffen und zu stehlen. Alle

bekannten Täter-Arbeitsweisen lassen sich auf drei Grundmuster

zurückführen:

  • das Vortäuschen einer Notlage, die scheinbar eine Hilfeleistung

oder Unterstützung durch das Opfer in der Wohnung erfordert.

  • das Vortäuschen einer offiziellen Funktion, die den Täter

vermeintlich zum Betreten der Wohnung berechtigt

  • das Vortäuschen einer persönlichen Beziehung zum Opfer, die eine

Einladung zum Betreten der Wohnung nahe legt.

Opfer der zumeist nichtdeutschen Täterinnen und Täter sind fast

ausschließlich ältere, teils hochbetagte Menschen. Dabei werden in

aller Regel folgende Tricks angewandt:

Der Glas Wasser-Trick: Täterinnen täuschen Schwangerschaft, Übelkeit

oder die Notwendigkeit einer Arzneimitteleinnahme vor und bitten um

ein Glas Wasser.

Der Papier- und Bleistift-Trick: Täter oder Täterinnen wollen für

angeblich nicht angetroffene Nachbarn eine Nachricht hinterlassen.

Dazu fragen sie nach Schreibzeug sowie Papier und drängen auf eine

Schreibunterlage in der Wohnung oder bitten das Opfer, die Nachricht

selbst zu erfassen.

Der Blumen- oder Geschenkabgabe-Trick: Täter oder Täterinnen wollen

für angeblich nicht angetroffene Nachbarn Blumen oder ein Geschenk

abgeben. Dabei drängen sie darauf, die Blumen zu versorgen oder das

Geschenk selbst zu verwahren.

Weitere vorgetäuschte Notlagen verbinden sich mit der Bitte,

  • wegen eines Wasserschadens im Haus nach einem Rohrbruch in der

Wohnung suchen zu dürfen.

  • auf dem Balkon seinen entflogenen Vogel oder sein entlaufenes

Kätzchen einfangen zu dürfen.

  • wegen einer Autopanne, eines Unfalls oder einer Erkrankung das

Telefon benutzen zu dürfen.

  • die Toilette benutzen zu dürfen.

  • ein Baby wickeln oder füttern zu dürfen.

Im Gegensatz zu ausländischen täuschen deutsche Täterinnen und Täter

eher eine offizielle Funktion oder sonst eine Befugnis zum Betreten

der Wohnung vor. Sie kommen beispielsweise angeblich als Handwerker,

von den Elektrizitäts-, Gas- oder Wasserwerken, von der

Hausverwaltung, von der Kirche, von der Rentenversicherung oder

Krankenkasse, von der Polizei, von der Post oder vom Sozialamt.

Dabei kündigen sie ihren Besuch gelegentlich sogar vorher telefonisch

an, um mögliche Bedenken schon im Voraus zu zerstreuen und ein

Vertrauensverhältnis zum Opfer aufzubauen.

Um eine persönliche Beziehung vorzutäuschen und daraufhin eingelassen

zu werden,

  • rufen Täterinnen oder Täter vorher an und geben sich als lange

nicht gesehene Verwandte - zumeist Enkelkinder ( "Enkel-Trick" ) -

mit plötzlichem akutem Geldbedarf aus,

  • bestellen Täterinnen oder Täter angebliche Grüße von Bekannten oder

Verwandten

  • überbringen Täterinnen oder Täter eine angebliche Unglücksnachricht

von Bekannten oder Verwandten

  • geben sich Täterinnen oder Täter als entfernte Verwandte, als

ehemalige Kollegen oder Nachbarn, als Pflegepersonal oder

Bettnachbarn vom Krankenhausaufenthalt aus

Bitte bedenken Sie: Tricktäter sind erfinderisch und

schauspielerisch begabt. So denken sie sich immer neue "Schachzüge"

aus, die an dieser Stelle nie vollständig aufzuzählen sind.

Für Trickdiebinnen und Trickdiebe, die in Wohnungen aktiv werden,

gibt es nur ein einziges ernsthaftes Hindernis, das sie überwinden

müssen, um zum Erfolg zu kommen: die gesperrte oder geschlossene

Wohnungstür. Daher sollten ältere Menschen zum Schutz vor Trickdieben

folgende Ratschläge unbedingt beherzigen:

  • Lassen Sie keine Fremden in die Wohnung!

  • Sehen Sie sich Besucher vor dem Öffnen durch den "Türspion" oder

mit einem Blick aus dem Fenster an und machen Sie von Ihrer

Türsprechanlage Gebrauch.

  • Öffnen Sie die Wohnungstür niemals sofort - legen Sie immer

Sperrbügel oder Sicherheitskette an.

  • Ziehen Sie telefonisch eine Nachbarin oder einen Nachbarn hinzu,

wenn unbekannte Besucher vor der Tür stehen, oder bestellen Sie die

Besucher zu einem späteren Termin, wenn eine Vertrauensperson

anwesend ist.

  • Überlegen Sie bei angeblicher hilfebedürftiger Lage von Fremden an

der Tür (Beispiel: Bitte um Schreibzeug oder um ein Glas Wasser):

Woher sollte der Nachbar die Besucher wirklich kennen? Warum wenden

sich die Besucher im Notfall nicht an eine Apotheke, eine Gaststätte

oder ein Geschäft, sondern an eine (abgelegene) Privatwohnung?

  • Machen Sie bei hilfebedürftiger Lage von Fremden an der Tür das

Angebot, selbst nach Hilfe zu telefonieren oder das Gewünschte

(Schreibzeug, Glas Wasser etc.) hinauszureichen und halten Sie dabei

die Tür gesperrt.

  • Fordern Sie von Amtspersonen immer den Dienstausweis und prüfen Sie

ihn sorgfältig (nach Druck, Foto und Stempel). Sorgen Sie dazu für

gute Beleuchtung und benutzen Sie, wenn nötig, eine Sehhilfe.

  • Rufen Sie beim geringsten Zweifel bei der Behörde an. Suchen Sie

dazu die Telefonnummer selbst heraus und ziehen Sie telefonisch eine

Nachbarin oder einen Nachbarn hinzu.

  • Lassen Sie Handwerker nur dann herein, wenn Sie sie selbst bestellt

haben oder wenn sie von der Hausverwaltung angekündigt worden sind.

  • Nehmen Sie nichts für Nachbarn ohne deren Ankündigung oder Auftrag

entgegen.

  • Wehren Sie sich gegen zudringliche Besucher notfalls auch

energisch. Sprechen Sie sie laut an und rufen Sie um Hilfe.

  • Pflegen Sie Kontakt zu älteren Mitbewohnerinnen und Mitbewohnern.

Machen Sie ihnen das Angebot, bei fremden Besuchern an der

Wohnungstür zur Sicherheit hinzuzukommen und übergeben Sie für solche

Fälle die eigene Telefonnummer.

Für Fragen und kostenlose Beratungen steht Ihnen das Kommissariat

Kriminalitätsprävention/Opferschutz unter der Rufnummer 0234 /

909-4040 gern zur Verfügung. Die Mitarbeiter dieser Dienststelle

besuchen interessierte Bürger auch gerne daheim, um vor Ort

kostenlose Beratungsgespräche zu führen. Unter der gleichen

Ruf¬nummer können auch interessierte Seniorengruppen mit dem

Kommissariat Kriminalprävention / Opferschutz Termine für

Vortragsreihen zu diesem Thema vereinbaren.

Ort
Veröffentlicht
17. November 2009, 09:07
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