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Stadtsoldaten auf Gefechtsfahrt in Berlin

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Stadtsoldaten auf Gefechtsfahrt in Berlin

Die Jecken aus Hennef zu Gast beim Berliner Prinzenpaar

Mit Sack und Pack machte sich der Baas Paul Jacobs, auf Einladung des Festkomitees Berliner Karneval, mit seinen Männern der 1. Hennefer Stadtsoldaten vun 1983 auf den weiten Weg in die "Karnevalistische Diaspora" in Berlin. Die Erwartung lag sehr hoch. Galt es doch das Brandenburger Tor, zum 30. Jahrestag des Mauerfalls, einzunehmen, sich auf einen preußisch anmutenden historischen Lehrpfad zu begeben und den berliner Bürgern und Karnevalsvereinen die hennefer Frohnatur zu präsentieren.

Am 01.11.2019 übernahm die Truppe ihren Bus und verlud mit all den wichtigen Utensilien einer Verlegung in Regimentsstärke in den Doppeldeckerbus. Sicherlich stand hierbei die autarke Versorgung mit dem für die Truppe lebenswichtigen Zaubertrank aus der kölner Region im Vordergrund. Die ordnungsgemäße Ausstattung der einzelnen Soldaten wurde einige Tage zuvor, während des traditionellen Klamottenappels im Kurhäuschen, ausgiebig durch die Altvorderen geprüft.

In der Bundeshauptstadt angekommen ging es, auf Einladung der Bundestagsabgeordneten Lisa Winkelmeier-Becker, zuerst einmal zu einer nächtlichen Besichtigung des Bundestages. Die Militärstrategen unter den Stadtsoldaten hatten die Begehung der Reichstagskuppel natürlich zur Erkundung des Gefechtsfeldes rund um das Brandenburger Tor ausgiebig genutzt.

Gebügelt und gestriegelt ging es im Frühnebel des ersten Tages auf das Gefechtsfeld. Lange hat es gedauert, nach ca. 200 Jahren haben nun wieder französisch anmutende "Soldaten" das frühklassizistische Triumphtor der Preußen, unter frenetischem Jubel der Touristen, kurzzeitig eingenommen. Der preußische König Friedrich Wilhelm II. würde sich im Grabe herumdrehen, wenn er wüsste, welch eine Truppe sein Brandenburger Tor in Besitz genommen hat.

Die Quadriga mit ihrer Lenkerin, der Siegesgöttin Victoria, wurde den Berlinern diesmal jedoch nicht gestohlen. Zu tief sitzt der Schmerz den Napoleon den Berlinern mit dem Diebstahl des Kunstwerkes zugemutet hatte. Der Baas hat entschieden, dass die Stippefötche Statue auf dem Hennefer Stadtsoldatenplatz, als Zeichen für Frieden und Weltoffenheit, den Gedanken der Hennefer Stadtsoldaten am besten repräsentiert. Auch war fragwürdig, ob der Bürgermeister der Stadt Hennef und Ehrenstadtsoldat "Strippenzieher" das mögliche Mitbringsel für alle Besucher sichtbar auf dem Dach des Rathauses platzieren könnte. So hatte die Entscheidung auch noch ein Gutes, die Bundestagsabgeordneten des Rhein-Sieg-Kreises können auch weiterhin mit erhobenem Haupt durch das politische und kulturelle Berlin gehen.

Nichtsdestotrotz folgen die Stadtsoldaten immer wieder den Spuren der Franzosen. Dies vor dem Hintergrund, dass die Vereinsfarben des Traditionscorps in den Farben blau-weiß-rot als Referenz an die französischen Besatzungssoldaten gewählt wurden. Die Stadtsoldaten persiflieren und karikieren die in der Besatzungszeit tonangebenden französischen Soldaten durch ihr unmilitärisches Gehabe in Kommandosprache und Exzerzierform. Diese hatten ja den Karneval 1795 in den rheinischen Gebieten mit dem Hinweis auf den "Geist der Aufklärung" untersagt. Vor diesem Hintergrund ist die historische Reflektion der damaligen Ereignisse für die Hennefer Stadtsoldaten von besonderer Bedeutung.

Die Stadt zollte den karnevalistischen Besatzern aus dem Rheinland am zweiten Tag Tribut und überließen das Restaurant "Zur Gerichtslaube" zur leiblichen Stärkung. Anschließend erfolgte die zuvor nicht angekündigte Erstürmung der den Bundesbeamten und Abgeordneten aus Bonn wohl sehr bekannten Kneipe "Ständige Vertretung" in Berlin Mitte. Das teils rheinische, aber auch internationale Publikum, staunte nicht schlecht, als sie merkten, dass der Karneval in Berlin scheinbar zwei Wochen früher begonnen hat. Zur Musik der Regimentskapelle wurde in voller Regimentsstärke mit den anwesenden Gästen ausgiebig getanzt, gesungen und geschunkelt.

Der Höhepunkt des Tages war natürlich die Begleitung des Berliner Prinzenpaares Klaus I. und Prinzessin Jessica I. bei der offiziellen Inthronisation während des Prinzenballs, im Palais am See in Berlin. Hier zeigten sich die Hennefer Stadtsoldaten von ihrer besten Seite und brachten das eher zurückhaltende Publikum doch noch in die dem Rheinländer vertraute ausgelassene Karnevalsstimmung. Da der Prinz gebürtig aus Siegburg kommt und schon Bauer im Dambroicher Dreigestirn 1999 war, ist für ihn ein Stück Heimat nach Berlin gekommen.

Die Hennefer Jecken starten offiziell mit der Proklamation des Uckerather Prinzenpaares am 15.11. sowie der des Hennefer Prinzenpaares am 16.11.2019 in die Session. Die traditionelle Sessionseröffnung auf dem Hennefer Stadtsoldatenplatz ist am Samstag, den 23.11.2019.

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Veröffentlicht
15. November 2019, 05:58
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