Sag uns, was los ist:

Eine Stadt für eine Brücke

Viele Emotionen bei der Info-Veranstaltung zum Horstmannsteg

(ul) Kein Kräftemessen solle es werden, sagte die Vorsitzende der Werbegemeinschaft Irmgard Graef, sondern eine Informationsveranstaltung für ein Stück weit mehr Transparenz und um Fragen, die den Hennefer Bürgerinnen und Bürgern auf der Seele liegen, eventuell zu beantworten. Und das Interesse der Menschen an "ihrem" Horstmannsteg war nach wie vor ungebrochen, und so kamen am vergangenen Mittwochabend rund 350 Henneferinnen und Hennefer auf den Stadtsoldatenplatz, um sich die Ausführungen sowohl des Bürgermeisters als auch die des Bundes für Umwelt- und Naturschutz (BUND), NRW anzuhören. Begrüßt von Reinhard Lindner, Vorsitzender des Heimat- und Verschönerungsverein Allners (HVV), und von Irmgard Graef, die für rund 90 Minuten die Moderation übernahm, war die Veranstaltung zwar kein Kräftemessen, aber dennoch ging es mitunter laut und hitzig zu und man konnte förmlich spüren, wie unerlässlich diese, seit 1961 bestehende Verbindung über die Sieg für die Menschen in Hennef ist und wie wenig Verständnis es ihrerseits für die eingereichte Klage des BUNDs gegen den Kreis hinsichtlich des geplanten Neubauvorhabens gibt. Seit Anfang des Jahres scheinbar völlig festgefahren, waren vor allem die Allner Bürgerinnen und Bürger sowie der HVV und die Werbegemeinschaft um öffentliche Aufklärung der aktuellen Situation rund um den maroden Horstmannsteg bemüht und so machten in den vergangenen Wochen immer mehr Menschen und Aktionen auf die Dringlichkeit einer Klärung hinsichtlich des geplanten Brückenneubaus aufmerksam. Wie sensibel das Gebiet "Siegaue" sei und wie wichtig der Stadt Umwelt- und Naturschutz sind, betonte Klaus Pipke, könne man schon anhand der Planung sehen, in die alle Belange in diesen Bereichen eingeflossen seien. Der geplante Neubau des Steges solle ja vor allem deshalb gerade verlaufen und damit kürzer werden, um auf Brückenpfeiler verzichten zu können und so die Aufweitung der Sieg besser ermöglichen zu können, so der Bürgermeister. Dieses Kriterium sei für den BUND, so Kreissprecher Achim Baumgartner, gar nicht so maßgebend, vielmehr ginge es bei der eingereichten Klage um die Belange des Auwaldes entlang der Sieg. Und Eingriffe in diesen sensiblen Lebensraum, der ein Refugium für zahlreiche Tiere und Pflanzen dargestelle, seien unbedingt zu vermeiden. In einem Neubau an gleicher Stelle sehe er kein Problem, sagte Achim Baumgartner, an anderer Stelle jedoch, würde ein weiterer Eingriff in das Flora-Fauna-Habitat (FFH) verursacht werden und das sei schlichtweg unverantwortlich. Es drehe sich doch alles um puren Formalismus, sagte Irmgard Graef, und sie könne nicht verstehen, dass eine ganze Stadt, deren Bürger sowie der Naturschutz darunter leiden solle. Ob er denn auch mal an die Kinder und ihren Schulweg denken würde?, lautete die Frage einer aufgebrachten Bürgerin, und über welche Größenordnung er denn beim Auwald überhaupt sprechen würde?, eine weitere, die Achim Baumgartener mit geschätzten 400 m² beantwortete. Es ginge ihm auch gar nicht um die Klage, sagte der BUND-Kreissprecher auf Nachfragen Irmgard Graefs, man könne sich gerne an einen Tisch setzen und nach einer tragfähigen Lösung suchen.

Gemeinsame Gespräche wurden nach dieser Infoveranstaltung bereits mit den Beteiligten terminiert und so zeigen zumindest die Bürgerinitiativen und deren Engagement der letzten Wochen erste Erfolge und es bleibt die Hoffnung, dass es für einen Neubau des Horstmannsteges doch noch eine zeitnahe Lösung geben könnte. Denn bei einem Naturschutzgebiet mitten in der Innenstadt müsse man mitunter Kompromisse eingehen, so Bürgermeister Klaus Pipke, sonst würden alle verlieren, auch die Umwelt.

SCHLAGWORTE:
Ort
Veröffentlicht
28. April 2017, 00:00
Autor