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Deutsch - polnisches Feinschmeckertreffen

Freundschaftsbesuch aus Hennef in Nowy Dwór Gdaski

Eigentlich war alles seit langer Zeit von beiden Partnerschaftsvereinen in Hennef und in Nowy Dwór Gdaski bis ins kleinste Detail vorbereitet - nur die Fluggesellschaft wollte uns 29 Reisende aus Hennef partout nicht mitnehmen: Zunächst buchte sie unsere Flüge einfach nicht, dann verlegte sie die Flüge der kleineren Gruppe kurzerhand um einen Tag; da gab es Anrufe und Mails hin und her mit höchster Dringlichkeitsstufe, bis unsere Fahrt letztendlich gesichert war und wir in bester Stimmung und in Erwartung einer spannenden Woche am Dienstag, den 2. Juni fast mitten in der Nacht zum Düsseldorfer Flughafen starteten.

Natürlich erwartete und Harry Lau am Flughafen in Danzig, übergab die Gruppe in Oliwa an Barbara, unsere Stadtführerin, und während die kleine Gruppe Nachzügler landete, konnten wir uns schon im Gartenlokal bei Kaffee und selbst gebackenem Kuchen auf eine kalorienreiche Woche einstimmen.

Das Orgelkonzert in der Kathedrale von Oliwa ist für alle Zuhörer immer ein Hochgenuss, ein Spaziergang durch den Park sollte uns Appetit für das Mittagessen machten, bei dem wir die Suppe im Brotteig sehr genossen. Der Rundgang mit Barbara durch Danzig war für einige ein Wiedersehen, aber so oft man auch diese Stadt besucht, sie hinterlässt immer einen tiefen Eindruck.

Unsere Gastgeber empfingen uns am Haltepunkt der Kleinbahn in Nowy Dwór Gdaski und dann in ihren Familien mit einem fürstlichen Abendessen, wobei die sprachlichen Hindernisse erfolgreich mit Händen und Füßen überwunden wurden.

Die Spannung stieg am nächsten Morgen, als wir uns alle in der Schulküche der Berufsschule (Zespó Szkó Zawodowych) zur Vorbereitung des deutsch-polnischen Feinschmeckertreffens trafen. Zuerst gab es für alle Schürzen und Kochhüte - hübsch! Wir stellten fest, dass alle Zutaten für die gewünschten Gerichte sorgfältig zusammengestellt waren, dass alle Geräte und Töpfe bereit standen und waren dann auch noch beruhigt, weil die Hauswirtschaftslehrerin der Schule perfekt Deutsch sprach. Und es ging zu wie im Taubenschlag! Alle Handgriffe mussten nicht nur getan, sondern auch beredet werden, der Lärm war ohrenbetäubend, und die fröhliche Stimmung stieg von Minute zu Minute.

Unser deutsch-polnisches Menü:

Während die Köchinnen und Köche in Töpfen rührten, Klöße und (400!) Ravioli formten, Spätzle rieben und immer wieder zwischendurch natürlich alles abschmecken mussten, waren im Nachbarraum echte Künstler am Werk. Unter Anleitung von Frau Joanna schnitzten sie aus Melonen und Ananas erstaunliche Skulpturen, die dann beim Essen die Tische schmückten und nur zögernd mit verspeist wurden. Ziemlich erschöpft von der Küchenarbeit und vom vielen Reden setzten sich alle am frühen Nachmittag zu Tisch, im Speiseraum wünschten sich alle „Smacznego", dann hörte man nur lobendes „Mmh! Lecker!" Gerne nahmen die polnischen „Kochfrauen" unseren Dank entgegen und freuten sich über die mitgebrachten Schürzen mit Aufdruck.

Unser Dank geht an Gabriela, die fröhliche und überaus geduldige Hauswirtschaftslehrerin und an die Schülerinnen und Schüler des Berufsschulzweiges Hauswirtschaft und Gastronomie, die uns den ganzen Tag mit Kaffee und erfrischenden Getränken versorgt haben.

Der Donnerstag war ein Feiertag, „Fronleichnam", der in Polen wie bei uns mit Gottesdiensten und einer Prozession begangen wird. Zu Mittagessen trafen sich alle im Restaurant „Joker", dessen Köchinnen uns schon am Vortag mit ihren Künsten unterstützt hatten, und brachen dann zu einer Schifffahrt auf dem Oberländischen Kanal auf. Der Wasser- und Schienenweg führt durch ein Naturparadies mit vielen Biotopen. Das Besondere: Das Schiff wird über vier Rollberge über Land gezogen.

Am Freitagmorgen wartete schon der Bus auf uns, um uns nach Szymbark in der Kaschubei zu fahren.

Wir bewunderten diese liebliche Wald- und Seenlandschaft und besuchten dann das Zentrum für Bildung und Regionalmarketing. Hier entstand Polens erstes auf dem Dach stehendes Haus. "Das Haus, das auf dem Kopf steht" hinterlässt einen ungewöhnlichen Eindruck. Man betritt es durch das Giebelfenster und bewegt sich auf seiner Zimmerdecke. Das ist gar nicht so einfach, und nicht wenige Besucher verlassen das Haus ziemlich schnell wieder, weil ihnen total schwindlig ist. Man kann hier auch den Tisch des Friedensnobelpreisträgers Lech Wasa bewundern. Er ist der längste Tisch der Welt, der aus einem Stück gefertigt wurde. Mit einem weiteren Guiness-Superlativ verbindet sich auch ein weiteres Stück: das ehemals "Längste Brett der Welt" misst 36,83 Meter und wiegt 1,1 Tonnen. Das Bildungszentrum ist aber nicht nur ein Freizeitort, sondern auch ein Platz, an dem man sich über Geschichte informieren kann. Hier befindet sich zum Beispiel auch das "Dom Sybiraka", das Haus des Sibiriaken. Es erinnert an das Schicksal der nach Sibirien verbannten Polen. In einem der Häuser war Brotteig für uns vorbereitet, da konnte jeder sein eigenes Brot formen und es später nach dem Backen mitnehmen.

Am Mittag kauften wir uns in der Grillhütte Würstchen, die wir an langen Stöcken über dem Grillfeuer braten konnten. Die Heimfahrt konnten wir erst antreten, nachdem wir ein leckeres Bier aus der eigenen Brauerei gekostet hatten. Ein erlebnisreicher Tag!

Am Samstagmorgen mussten wir uns schweren Herzens von unseren Gastgebern verabschieden, nicht ohne noch vorher mit reichhaltigen Esspaketen versorgt worden zu sein.

Wir sind in diesen vier Tagen mit vielen schönen Erlebnissen beschenkt worden, die Sorge wegen möglicher Sprachschwierigkeiten wurde uns durch die fröhliche Herzlichkeit dieser Begegnung vollständig genommen. Danke an alle, die dazu beigetragen haben und besonders an Harry Lau, der uns unermüdlich betreut hat.

Erika Rollenske

Fotos: Georg Binot & Leszek Paszkiet

SCHLAGWORTE:
Ort
Veröffentlicht
16. Oktober 2015, 00:00
Autor
Rautenberg Media Redaktion