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Kontrolltag der mittelhessischen Polizei / Verkehrsdienste nehmen "Verkehrssicherheit und Kriminalität" auf Autobahnen und Fernstraßen ins Visier

(ots) -

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Mittelhessen: An über 20 Kontrollstellen in den Landkreisen Gießen, Marburg-Biedenkopf, Wetterau und dem Lahn-Dill-Kreis legten mittelhessische Polizistinnen und Polizisten am Montag (21.07.2014) ihren Fokus auf Verkehrssicherheit und Kriminalität auf Autobahnen und Fernstraßen. Neben der Verkehrsüberwachung wie zum Beispiel Schwerverkehr-, Geschwindigkeits- oder Ladungskontrollen richteten die Ordnungshüter an diesem Tag zudem ihr Augenmerk auf Tätergruppen, die die mittelhessischen Autobahnen als sichere Routen für ihre Straftaten nutzen. Unterstützt wurden die Kolleginnen und Kollegen von Mitarbeitern des Regierungspräsidiums Gießen und verschiedener Kommunen.

An diesem Kontrolltag stellte die mittelhessische Polizei nicht ein bestimmtes Delikt oder eine Gruppe von Verkehrsteilnehmern in den Vordergrund. Vielmehr rückten allgemein die Verkehrssicherheit und die Kriminalität auf Autobahnen und Fernstraßen in den Blickpunkt der Ermittler.

Güterverkehr nimmt zu / Hessen ist Transitland

Mit seiner geografischen Lage in der Mitte Deutschlands ist Hessen als Transitland für den Güter- und Personenverkehr von großer Bedeutung. Auf deutschen Autobahnen bewegten Lkw im Jahre 2013 insgesamt 4,3 Milliarden Tonnen Güter. Steigender Wettbewerb bringt einen immer größer werdenden Zeitdruck in die Logistikbranche. Geschwindigkeitsüberschreitung und ungenügender Sicherheitsabstand, mangelhafte Ladungssicherung sowie Verstöße gegen die Lenk- und Ruhezeiten erhöhen die Unfallgefahren für alle Reisenden.

Der bisher spektakulärste Verkehrsunfall ereignete sich bei schneebedeckter Fahrbahn am 12.03.2013 um die Mittagszeit auf der A 45 bei Wölfersheim. Mehr als 30 Schwerverkehrfahrzeuge waren in diesem Unfall mit 116 Beteiligten verwickelt; es gab 15 Schwerverletzte und 59 Leichtverletzte.

Den Lkw-Verkehr nahmen die Kollegen unter anderem auf dem Parkplatz "Limes" auf der A5 bei Garbenteich (Landkreis Gießen) unter die Lupe. Insgesamt kontrollierten die Ordnungshüter hier 30 Laster. Bei jedem dritten Brummifahrer registrierten die Polizisten Verstöße gegen die Lenk- und Ruhezeiten. Hier kommen saftige Geldbußen auf die Betroffenen zu. Drei Fahrern musste wegen mangelnder Ladungssicherung die Weiterfahrt untersagt werden. Nachdem sie ihre Fracht besser gesichert hatten, durften sie ihre Tour fortsetzen.

Berauschende Mittel

Die Anzahl der Verkehrsunfälle bei denen der Genuss von berauschenden Mitteln zum Unfall führte, ist 2013 im Bereich des Polizeipräsidiums Mittelhessen um über 3% gestiegen ( 621 -> 642, plus 21 ). Bei 3 der 27 tödlich verletzten Verkehrsteilnehmer (11%) hat Alkohol- und/oder Drogenkonsum zur Unfallentstehung beigetragen; bei den Schwerverletzten war dies bei 10% der Fall. Unter Alkohol- und/oder Drogeneinfluss stehenden Fahrzeugführer stellen eine erhebliche Gefahr für andere Verkehrsteilnehmer dar.

Gleich mit mehreren zivilen Streifen nahmen die Ermittler der mittelhessischen Verkehrsdienste und der Polizeiautobahnstation Mittelhessen (Butzbach) Alkohol- und Drogenfahrer ins Visier. Hierbei stoppten sie 81 Fahrzeuge und kontrollierten die Fahrer auf den Konsum berauschender Mittel. In drei Fällen standen die Autofahrer unter Drogeneinfluss. Sie mussten sich einer Blutentnahme unterziehen und müssen nun mit einer Strafe wegen des Fahrens unter Drogeneinfluss rechnen. Außerdem stellten die Ordnungshüter geringe Mengen an Betäubungsmitteln sicher.

Mobile Tätergruppen

Mit der Kampagne "Sicheres Hessen - Einbrechern einen Riegel vorschieben!" setzt die Polizei Hessen einen Schwerpunkt auf die Bekämpfung von Wohnungseinbruchsdiebstahl. Analysen und Auswertungen zurückliegender Fälle zeigen deutlich: die Polizei hat es mit einem neuen Einbrechertyp zu tun. Die Täter sind sehr schnell, extrem mobil und gut vernetzt. Dies stellt eine besondere Herausforderung für die Polizei dar. Häufig reisen die Täter aus dem Ausland an und nutzen das Netz bundesdeutscher Autobahnen und Fernstraßen, um länderübergreifend auf Beutetour zu gehen. Über dieselben Wege bringen sie nach einem "Bruch" ihre Beute wieder ins Ausland, um sie von dort zum Beispiel über Auktionsplattformen im Internet zu Geld zu machen. Diese Vorgehensweise unterscheidet sich stark von der klassischen Beschaffungskriminalität. Hier ist der örtliche Täter auf schnellen Gewinn aus und verkauft den erbeuteten Schmuck oder das Handy in Second-Hand-Läden.

Auch in anderen Deliktsbereichen nutzen Straftäter, zum Teil grenzüberschreitend, die Infrastruktur deutscher Autobahnen. Erfahrungen zeigen, dass gerade die A 45 und als sogenannte Ost-West-Verbindung die B 49 als Transitroute für Drogenkuriere dient. Aber auch die A 5 wird von Banden oftmals als schnellste und auch vermeintlich "sicherste" Route genutzt, um Diebes oder Raubgut in Sicherheit zu bringen oder illegal ins Bundesgebiet eingereiste Ausländer zu transportieren.

Am Kontrolltag ließen sich sogenannte "Schlepperfahrzeuge" der Polizei im Fahrzeugverkehr mittreiben und lotsten verdächtige Fahrzeuge oder Personen in die Kontrollstellen der A 45 bei Wetzlar und der A 5 bei Mücke. An beiden Kontrollstellen unterzogen die Polizisten insgesamt 137 Fahrzeugen (A 45: 76; A 5: 61) einer Überprüfung. Diebesgut oder gesuchte Straftäter traten dabei nicht zutage. Quasi als Nebeneffekt ahndeten die Polizisten mehrere Verstöße gegen die Lenk- und Ruhezeiten, gegen die Ladungssicherung und die Gefahrgutverordnung.

Nicht schlecht staunten die Ordnungshüter an der A5, als sie die Ladefläche eines 7,5-Tonners mit Ausfuhrkennzeichen kontrollieren. Der Klein-Lkw war im Rahmen eines Umzuges in Richtung Mannheim unterwegs. Als sich die Ladeklappe öffnete, sprangen ein Kind und ein Heranwachsender vom Laster. Da die drei Sitzplätze in der Fahrerkabine bereits besetzt waren, hatten die beiden kurzerhand zwischen den Möbeln und anderen Gegenständen "Platz" genommen. Für den Fahrer werden ein Bußgeld sowie ein Punkt in Flensburg fällig. Anschließend musste er den Transport der beiden jungen Menschen bis nach Mannheim organisieren.

Ohne einen gültigen Aufenthaltstitel für den Bereich der Bundesrepublik Deutschland war ein Pärchen auf der A 5 bei Mücke unterwegs. Der 32-jährige Mann und seine 35-jährige Partnerin stammen aus Georgien und waren ohne Visum nach Deutschland eingereist. In Absprache mit der Ausländerbehörde mussten die beiden eine Sicherheitsleistung hinterlegen, anschließend ging die Fahrt weiter in Richtung Frankreich.

Auch in den Landkreisen Gießen, Wetterau, Marburg-Biedenkopf und dem Lahn-Dill-Kreis waren am Montag die Verkehrsdienste und Kolleginnen und Kollegen der Stationen in Sachen Verkehrssicherheit unterwegs.

Landkreis Gießen:

Unterstützt vom Zoll und der Gewerbeaufsicht des Ordnungsamtes der Stadt Gießen nahmen die Polizisten in der Innenstadt Taxen und Minicars unter die Lupe. Im Bereich der Ostanlage hielten sie 43 Minicars und 9 Taxen an. Keiner der Fahrzeuge oder dessen Fahrer blieb ohne Beanstandung. Neben Verstößen gegen die Mitführpflicht einer Warnweste, des Erste-Hilfe-Materials oder eines Warndreiecks, ahndeten die Mitarbeiter des Ordnungsamtes gerade bei den Minicarfahrern gewerberechtliche Verstöße, die Geldbußen bis zu 150 Euro zur Folge haben. So war der zwingend vorgeschriebene Wegstreckenzähler in 19 Fahrzeugen überhaupt nicht vorhanden oder die Genehmigungsurkunde zum Betrieb als Minicar wurde nicht mitgeführt. In drei Fällen untersagten die Polizisten die Weiterfahrt, da die Minicars grundsätzlich nicht für Personentransporte dieser Art zugelassen waren. Die der Sicherheit des Fahrers dienende Alarmanlage, die er während der Fahrt zum Beispiel bei einem Überfall vom Sitz aus betätigen werden kann, funktionierte in acht Fahrzeugen überhaupt nicht. In einem Fahrzeug war sie komplett ausgebaut worden. Neben diesen Verstößen zeigten die Polizisten und Mitarbeiter des Zolls und des Ordnungsamtes noch eine Rotlichtfahrt und mehrere Handy und Gurtverstöße an.

Gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen der Bereitschaftspolizei richteten Mitarbeiter der Polizeiautobahnstation Mittelhessen (Butzbach) eine Kontrollstelle auf der Tank- und Rastanlage "Reinhardshain" an der A5 ein. Wenige Kilometer vor dem Rastplatz, am Reiskirchener Dreieck, hatten sie eine Geschwindigkeitsmessanlage aufgebaut. Auch hier wurden sogenannte "Schlepperfahrzeuge" eingesetzt, die sich an die Fersen eines Rasers hefteten, ihn einholten und auf die Rastanlage leiteten. Insgesamt waren 473 Fahrer deutlich zu schnell. 41 Raser konnten durch die Schlepper "eingefangen" und auf "Reinhardshain" kontrolliert werden. Hiervon müssen 12 mindestens vier Wochen auf ihren Führerschein verzichten, weil sie 41 km/h oder schneller als erlaubt unterwegs waren. Außerdem werden Punkte und ein Bußgeld fällig.

Landkreis Wetterau:

An Kontrollstellen an der Frankfurter Straße in Friedberg und auf dem Parkplatz "Ossenheimer Wäldchen" an der B 275 gerieten Pkw und "Sprinter" in den Fokus des Regionalen Verkehrsdienstes der Wetterau. Die Experten stoppten 97 Pkw und vier Kleintransporter. Erschreckt zeigten sich die Kolleginnen und Kollegen über die hohe Zahl der Gurtmuffel. 48 Fahrzeugführer hielten es offensichtlich nicht für erforderlich den Sicherheitsgurt während der Fahrt anzulegen. Dem Fahrer eines Kleintransporters mussten sie die Weiterfahrt untersagen, da seine Ladung drohte umzukippen. Erst als nachgebessert wurde, durfte er weiter fahren.

Landkreis Marburg-Biedenkopf:

Der Verkehrsdienst Marburg-Biedenkopf konzentrierte sich auf dem Parkplatz "Spielwiese" der B 62 unter anderem auf die Kleintransporter der sogenannten "Sprinterklasse". Sie überprüften 25 dieser Fahrzeuge. Gegen vier Fahrer leiteten die Polizisten Verfahren wegen Verstöße gegen die Lenk- und Ruhezeiten ein. Wegen unsicherer Ladung endete für zwei Transporterfahrer ihre Fahrt an der Kontrollstelle. Sie durften erst weiter fahren, nachdem sie ihre Güter ordnungsgemäß fest gezurrt hatten. Am Abend überprüften die Verkehrsexperten am Bahnhof in Marburg Taxi- und Minicarfahrer. Hier nahmen sie über 30 Taxen und sogenannte "Mietwagen" in Augenschein. Gravierende Mängel stellten die Ordnungshüter nicht fest, dennoch ahndeten sie 11 kleinere Verstöße, wie zum Beispiel das Fehlen von Unterlagen oder Notfallmitteln.

Lahn-Dill-Kreis:

Im Lahn-Dill-Kreis überwachte der Regionale Verkehrsdienst an zwei Kontrollstellen die Verkehrssicherheit. Am Montagnachmittag stoppten die Kolleginnen und Kollegen am provisorischen Kreisverkehr der B 277 bei Sechshelden Kleintransporter. An diesem Verkehrsknotenpunkt zwischen Dillenburg und Haiger, in direkter Nähe zur Autobahnauffahrt auf die A45 mussten sich insgesamt 27 "Sprinter" einer Kontrolle unterziehen. Die Polizisten registrierten sechs Verstöße gegen die Lenk- und Ruhezeiten und stellten bei einem Transporterfahrer fest, dass er den elektrischen Fahrtenschreiber nicht korrekt eingestellt hatte. Gleich zu Beginn der Kontrolle stoppten sie einen augenscheinlich überladenen Mercedes Sprinter. Der hatte mehrere tausend Getränkedosen und -flaschen geladen. Bei einer Wägung brachte es das Fahrzeug auf eine Überladung von über einer Tonne. Hierfür kommt auf den Fahrer und den Halter jeweils eine Geldbuße von 235 Euro zu. Als die Polizisten die Ladung genauer in Augenschein nahmen, stellten sie fest, dass den Dosen und PET-Flaschen die Pfandmarken fehlten. Dies stellte einen Verstoß nach der Verpackungsverordnung dar, da die Entsorgung pfandfreier Behälter nicht geregelt ist. Nach Auskunft des Regierungspräsidiums Gießen werden die Getränke deshalb als Müll angesehen und müssen vernichtet werden. Die Strafe hierfür setzt das RP Gießen fest. Die etwa 2.500 Getränkebehälter warten nun in einer Polizeigarage auf ihre Entsorgung.

Gegen Abend legten die Mitarbeiter des Verkehrsdienstes ihren Fokus auf die Geschwindigkeitsüberwachung rund um den Aartalsee. Hier sorgte ein 32-jähriger Porschefahrer für den traurigen Rekord des Tages. Der war mit seinem Sportwagen auf der B 255 (100 km/h Höchstgeschwindigkeit) von Bischoffen-Niederweidbach in Richtung Oberweidbach unterwegs. Als das Messgerät der Polizisten auslöste, standen 201 km/h auf dem Display. Der Herborner wird nun drei Monate auf seinen Führerschein verzichten müssen. Zudem werden 600 Euro Bußgeld fällig und sein Kontostand in Flensburg steigt um zwei Punkte. Auch die an dem Porsche installierte Auspuffanlage hielt einer Überprüfung der Polizisten nicht stand. Die Betriebserlaubnis erlosch, weil er sich eine manuell schaltbare Sportauspuffanlage eingebaut hatte. Hier kann der Fahrer mittels eines Schalters im Fahrzeuginneren den "Sound" des Auspuffs regulieren. Weitere drei Autofahrer rasten so schnell durch die "Blitzstelle", dass sie ebenfalls für mindestens einen Monat auf ihren Führerschein verzichten müssen.

Guido Rehr, Pressesprecher

Ort
Veröffentlicht
23. Juli 2014, 13:25
Autor
Rautenberg Media Redaktion