Sag uns, was los ist:

Wenn der VfB am kommenden Freitagabend auf der heimischen Lohmühle die KSV-Reserve zum Landesderby bittet, wird es natürlich um Punkte gehen, vielmehr aber auch ums Prestige. Denn Ansehen und Ehre bilden die Währungen, in denen Siege gegen den Erzrivalen bezahlt werden. Und in dieser Hinsicht haben die Grün-Weißen nach der 1:2-Hinspielniederlage in Kiel einiges gut zu machen. Anstoß ist um 19:30 Uhr. „Lübeck kann Marzipan, Kiel kann Fußball!“ – Spott und Häme nach dem 19. Spieltag Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Nach der bitteren 1:2-Niederlage gegen Holstein II vor knapp vier Wochen wurden die Recken um Trainer Rolf Landerl mit einer Litanei an Gehässigkeiten und Schmähungen vor allem in den Sozialen Medien überschüttet. Da war es nicht viel anders als nach dem 19.10.2007 – nur, dass die sozialen Medien längst nicht den Raum einnahmen wie heute. Dennoch war für manchen Kieler Fan klar, nunmehr die fußballerischen Nummern 1 und 2 im Land. Und natürlich durfte auch ein Seitenhieb auf die stolze Hansestadt Lübeck nicht fehlen. Denn nach Auffassung so manches gemeinen Kielers reduziert sich die Lübecker Daseinsberechtigung zumeist nur auf die Herstellung von Marzipan. „Landeshauptstadt grüßt Marzipanstadt.“ Oder wie ein Holstein-Fan im Überschwange des Sieges postete: „Lübeck kann Marzipan, Kiel kann Fußball!“ Wohlmeinend hätte man vielleicht noch hinzufügen können, dass sich die Hansestadt auch auf Naturschutz verstehe. Immerhin hatten die Grün-Weißen am 17. November während ihres Gastspiels im Holsteinstadion davon Abstand genommen, die Küken der Kieler Störche zu schreddern. Aber genug davon! Kiels U23 ist keine Übermannschaft Nach ihrem Sieg über den VfB waren die „Jungstörche“ kurzzeitig auf Tabellenplatz zwei gestürmt und hatten den Lübecker Aufstiegsträumen einen erheblichen Dämpfer versetzt. Indes sollte es dem Kieler Nachwuchs nicht gelingen, die Euphorie aus dem Derbysieg in die anschließenden Partien mitzunehmen. So verlor die KSV II auswärts gegen den unangefochtenen Tabellenführer aus Wolfsburg mit 0:2. Und auch gegen den 1. FC Eintracht Norderstedt sollte die Zweitvertretung der Holsteiner nicht über ein 2:2-Unentschieden hinauskommen. Resultat: Die Kieler rutschten auf den vierten Platz der Regionalliga-Tabelle ab und liegt nun zwei Punkte hinter dem Erzrivalen aus Lübeck. Allerdings sollten die „Jungstörche“ auch nicht unterschätzt werden. In der Partie gegen Norderstedt war die Nachwuchsabteilung der Kieler zunächst früh in Rückstand geraten, ehe sie das Spiel kurzzeitig drehen konnte. Erst die gelb-rote Karte gegen Holsteins Schlussmann Timon Weiner führte schließlich dazu, dass das Team um Trainer Ole Werner in der Schlussphase den sicher geglaubten Dreier wieder herschenken musste. „Es war eigentlich eine gute Leistung von uns, aber wir waren nicht konsequent genug in der Chancenverwertung und haben bei den Gegentoren nicht gut verteidigt“, so Kiels U23-Coach nach dem Schlusspfiff. Mit Rückenwind zur Revanche? Im Gegensatz zu dem mittlerweile einen Monat zurückliegenden Hinspiel haben sich die Prämissen der aktuellen Auflage des hanseatisch-holsteinischen Derbys ein wenig zugunsten der Lübecker verschoben. Zum einen hat VfB-Trainer Rolf Landerl bei der Aufstellung seiner Startelf wieder mehr zu bieten: Nach abgesessener Gelbsperre kehrt Lübecks Torgarant Daniel Franziskus wieder in die Startelf zurück. Dieser war vor gut zwei Wochen schmerzlich vermisst worden und hätte eventuell sogar den Unterschied machen können. Darüber hinaus stehen den Grün-Weißen die gegen Lupo-Martini noch gelbgesperrten Kresimir Matovina und Ahmet Arslan wieder zur Verfügung. Kiel kann kommen! Zum anderen dürfen die Lübecker wieder einmal auf den Nimbus ihrer Heimstärke vertrauen. Seit März diesen Jahres ist der VfB auf der Lohmühle ungeschlagen und mit jeder weiteren Partie wurde diese Serie bisher verlängert. Indes gehört es auch zu den allgemeinen fußballerischen Gewissheiten, dass das Momentum des Erfolgs zu gegebener Zeit auch gerne die Seiten wechselt. Hoffentlich nicht an diesem Abend! Zuversichtlich stimmt in diesem Zusammenhang lediglich die Tatsache, dass in den letzten Begegnungen zwischen einer Holsteiner Elf und dem VfB auf der Lohmühle häufiger der Gastgeber Grund zur Freude gehabt hatte. So sollte im Jahr 2015 sollte die erste Herrenmannschaft der KSV gleich zweimal in der Lübecker Arena scheitern. Sowohl im Landespokalfinale als auch im Halbfinale darauf hieß es nach 90 Minuten gleichermaßen 1:0 für die Hausherren. Nicht minder unwichtig für den Ausgang des Derbys wird die moralische Verfasstheit sein des VfB. Zwar sind die Chancen der Lübecker auf einen Gewinn der Regionalliga-Meisterschaft nur noch theoretischer Natur, allerdings haben die Grün-Weißen gegen den Tabellenführer Wolfsburg ihre Klasse einmal wieder unter Beweis gestellt. (Quelle: VfB Lübeck) www.unserort.de/Luebeck
mehr