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Seniorenbeirat Elsdorf in der Abtei Brauweiler

Der Seniorenbeirat der Stadt Elsdorf besuchte am 11.6. die ehemalige Benediktinerabtei Brauweiler. Der sachkundigen Führung von Herrn Böhme gelang es, die wechselvolle Geschichte der Abtei, die zur Zeit Napoleons mit dem sog. Reichsdeputationshauptschluss endgültig aufgelöst wurde, und in der Folge Bettlerasyl und Arbeitsanstalt wurde. Als Anstalt für psychisch Kranke, Drogen- und Alkoholabhängige wurde die Anstalt erst 1978 geschlossen. Gleich zu Anfang warnte uns Herr Böhme vor falschen Erwartungen, etwa dahingehend, dass die Teilnehmer das Leben der Mönche etwa in ihren ‚Zellen' nachempfínden könnten. Vom mönchischem Leben ist kaum noch etwas zu sehen. Wohl aber spiegelt sich die Geschichte der Abtei baugeschichtlich wider. Bauliche Anleihen wurden z.B. vom Kloster Knechtsteden oder der Doppelkirche in Schwarzrheindorf bei Bonn gemacht. Ansonsten ist der Bau authentischer als die vielen romanischen Kirchen Kölns, die ja bekanntlich im Zweiten Weltkrieg weitgehend zerstört waren, aber nach alten Plänen wiederaufgebaut wurden. Die Bausubstanz der Abteikirche ist fast noch die ursprüngliche.

Das Areal um die Kirche (inklusive einer schönen Parkanlage und dem wohl ältesten Baum Deutschlands, dem Maulbeerbaum aus dem 10.Jahrhundert, dem Baudatum der ersten von 3 Kirchenbauten, deren heutige vor 1220 vollendet wurde, ist heute im Besitz des Landes NRW, nicht aber die Kirche selbst. Der Abtei wurde im 18. Jahrhundert ein dreiflügeliger Barockbau vorgebaut, was die Klöster oft taten, um den weltlichen schlossähnlichen Bauten Paroli zu bieten.

Die Regel des heiligen Benedikt besteht aus 73 bündig formulierten Kapiteln, die sowohl spirituelle Angelegenheiten als auch Fragen der Organisation, Liturgie und Disziplin behandelten. Standfestigkeit und Gehorsam sind dabei oberste Gebote. Dass die christliche Tugend der Demut den Mönchen täglich vor Augen geführt wurde, zeigte sich im Besuch des Kapitelsaals der Abtei, weil nämlich der Abstieg drei Stufen hinab in den Kapitelsaal rein baulich schon die Demut vermitteln sollte. Der Kapitelsaal musste von allen Mönchen einmal täglich zur Instruktion und zum Gebet aufgesucht werden. Von den 73 benediktinischen Regeln sind heute vor allem drei im Bewusstsein der Öffentlichkeit: Ora et labora at lege.

Herr Böhme erläuterte auch die Terminologie des Mönchtums. Dem Abt (‚Vater') als Oberhaupt der christlichen Klostergemeinschaft musste unbedingter Gehorsam geleistet werden. ‚Mönch' ist nicht bedeutungsgleich mit Priester. Eine Stiftskirche wird von einem Kapitel von Kanonikern geleitet, ist aber nicht wie eine Kathedrale ein Bischofssitz. Dem Mönchwerden ging eine harte ‚Tortur' voraus: Ein Familienoberhaupt beantragte beim Abt die Mitgliedschaft seines etwa 14-jährigen Sohnes, der dann Latein (die Bibel) und Griechisch pauken musste, bis er dann mit ca. 16 Jahren den ‚Profess', den Eid auf das klösterliche Leben, ablegte und damit für immer in das (eintönige, vom Kirchenjahr gesteuerte) Leben im Kloster eingebunden war.

Übrigens, wer es noch nicht weiß: Die Abtei Brauweiler ist heute vor allem dafür bekannt, dass sie alljährlich musikalische, literarische und künstlerische Veranstaltungen auf allerhöchstem Niveau anbietet, abgesehen von speziellen Führungen in der und um die Kirche (http://www.abtei-brauweiler.de).

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Veröffentlicht
23. Juni 2017, 00:00
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