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Neues aus dem Gemeindearchiv

Vor 95 Jahren: Sorgen der Wirte

Am 29. 12. 1921 veröffentlichte die Eitorfer Zeitung folgenden Aufruf:

Wirte-Verein für den oberen Siegkreis

Sitz Eitorf

Dringende Aufforderung für alle Vereinskollegen, sich an der am Mittwoch, den 4. 1. 22, nachm. 4 Uhr beim Kollegen H. Löhr stattfindenden Generalversammlung vollzählig zu erscheinen.

Wie aus der letzten Nummer unseres Verbandsorgans zu ersehen, sind gesetzliche Maßnahmen beabsichtigt, welche das Wirtsgewerbe durch neue Sondersteuern ungeheuer belasten. Nun gibt´s ja Leute genug, die wie in Amerika allen Alkoholausschank verboten und damit die Wirtschaften vernichtet sehen möchten. Religiöse und soziale Motive liegen diesen mehr oder weniger edlen Bestrebungen zu Grunde. Uns Wirten wird es jedoch niemand verübeln, wenn wir unsere Reihen fester schließen und uns nach Kräften gegen Schädigung unserer Lebensinteressen wehren. Mit dieser Abwehr ist es jedoch nicht genug. Wir sind ebenso verpflichtet, dafür zu sorgen, daß das Ansehen unseres Standes nicht durch die Wirte selbst geschädigt wird. B ei den letzten Kommissionsverhandlungen in Berlin wurde zur Begründung der neuen Steuern für das Wirtegewerbe wiederholt darauf hingewiesen, daß seit einigen Jahren die Qualität des Wirtestandes erheblich gesunken sei, indem die Profitsucht vielfach jede Gewissensbedenken überwuchere. Wenn diese traurige Erscheinung als Folge des verlorenen Krieges auch bei anderen Berufsständen ebenso aufträte, so wären die Folgen für die öffentliche Moral doch beim Wirtegewerbe besonders schwerwiegend. Nach § 33 der Reichs-Gewerbe-Ordnung darf ein Wirtschaftskonzession nur dann erteilt werden, wenn gegen den Nachsuchenden keine Tatsachen vorliegen, welche die Annahme rechtfertigen, daß das Gewerbe zur Förderung der Völlerei, Unsittlichkeit etc. mißbraucht werde. Werden später solche Tatsachen nachgewiesen, so kann die Kozession auch wieder entzogen werden. Jedoch fällt es aus naheliegenden Gründen der Polizeibehörde schwer, beweiskräftiges Material herbeizuschaffen. Ich habe schon Anfang des Jahres in dieser Zeitung der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß die „Sumpfblume der Großstädte", die „Animier-Kneipe" auf dem Lande keinen Nährboden finden möchten. Wer ja nur in bescheidenem Maße natürliches Anstandsgefühl besitzt, muß es verurteilen, wenn Menschen aus Porfitsucht weibliche Angehörige alten und jungen Wüstlingen zum Amüsiren zur Verfügung stellen. Ebenso gemein ist es nach Festlichkeiten bezechten Leuten verschwiegene Winkel einzuräumen. Ich gebe hiermit der Hoffnung Ausdruck, daß solche Geschäftspraktiken keinen Eingang wie Anklang finden mögen. Jedenfalls halte ich es als Vereinsleiter für meine Pflicht, die Kollegen wie alle Heimatbewohner aufzufordern,, eintretenden Fällen rücksichtslos den Kampf gegen solch spärliche Auswüchse des öffentlichen Lebens aufzunehmen.

Philipp Heymann

Turn- und Spielverein Eitorf

Am 13. 4. 1921 veröffentlichte die Eitorfer Zeitung folgenden Bericht. Die am Freitag, den 5, d. Mts., im Lokale Löhr tagende General-Versammlung war von weit über 100 Mitgliedern besucht. Da der bewährte Vorsitzende des Vereins, Herr Dr. Beckedorf, veranlaßt durch den Verlauf der letzten Generalversammlung, sein Amt als Vorsitzender miedergelegt hatte, wählte die Versammlung den Ehrenvorsitzenden des Vereins, Herrn Klein, zum Versammlungsleiter. Auf der Tagesordnung stand der einzige Punkt: Antrag der Turnriege auf Trennung. Diesen zu vertreten waren die Turner nicht erschienen. Nach eingehender Aussprache kam die Versammlung zu folgendem einstimmigen Beschluß: Dem Antrag der Turnabteilung auf Trennung vom Gesamtverein und Führung des früheren Namens "Turnverein 94" wird stattgegeben. Der Turn-und Spielverein bleibt jedoch bestehen und wird auch wie vor das Turnen wie auch das Spielen gepflegt. Es wurde dem Wunsch Ausdruck gegeben, mit dem nun wieder bestehenden Turnverein-94 in gutem Einvernehmen die so nötige Jugendpflege zu betreiben. Versammlung stellte sodann dem früheren Vorsitzenden Herrn Dr. Beckedorf einstimmig ein Vertrauensvotum aus und beschloß, wiederum einstimmig, an ihn mit der Bitte heranzutreten, den Vorsitz des Vereins wieder zu übernehmen, da nun bei den neu geschaffenen Verhältnissen im Verein, ein friedliches Arbeiten möglich sei. Versammlung hofft, daß Herr Dr. Beckedorf die allseitig vorgebrachte Bitte erfüllt. Da der bisherige Vorsitzende der Turnabteilung Herr Dilg mit zu dem neu gegründeten Turnverein 94 übergesiedelt ist, wählte man einstimmig an seine Stelle Herrn Lehrer Schumacher. Es konnte bereits bekannt gegeben werden, daß Herr Schumacher den Vorsitz der Abteilung übernehmen wird. Nach der nun erfolgten Neuformierung wird dem Turn- und Spielverein Eitorf ein segensreiches Arbeiten möglich sein.

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Veröffentlicht
25. November 2016, 00:00