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"Weil näher am Menschen!"

Flüchtlings- statt Ratsarbeit - Interview mit Bernadette Lang

Ein Interview mit der früheren Ratsfrau der Grünen Bernadette Lang über ihr derzeitiges Engagement für Flüchtlinge. Sie wies in diesem Interview mehrfach auf die überaus wichtige Funktion und Arbeit von Frau Lütz aus Merten hin, die eine der Initiatoren der Flüchtlingsarbeit in Merten und Bornheim sei: "Wenn man Frau Lütz hier nicht hätte, würde in Bornheim viel fehlen."

Du hast ja schon Anfang der 90er Jahre für Flüchtlinge gearbeitet. Warum bist Du auch jetzt wieder dabei?

BL: Die Menschen auf der Flucht sollen das Gefühl haben, hier angenommen zu werden. Freunde in der engeren Nachbarschaft engagierten sich und über die bekam ich erste Kontakte zu Flüchtlingen in der Brahmstraße hier in Merten.

Was machst Du für die Flüchtlinge?

BL: Einmal in der Woche hole ich eine Gruppe von 3 - 5 Menschen, Kinder und Erwachsene, zum Deutschunterricht mit meinem Wagen ab. Der Unterricht findet in privaten Räumen oder im Garten statt. Wir haben ja in den Flüchtlingsunterkünften keine geeigneten Arbeitsräume. Manchmal begleite ich Flüchtlinge zum Arzt oder ins Rathaus.

Einmal in der Woche Deutschunterricht ist das nicht zuwenig?

BL: Neben meinem Unterricht können die Menschen noch zwei Mal in der Woche im katholischen Pfarrheim in Merten Deutsch lernen.

Siehst Du Erfolge Deiner Arbeit?

BL:

Zwei Beispiele: Ein Mann baut sich zum Erlernen der Uhrzeiten eine Uhr aus Pappe und zwei Mädchen gehen jetzt hier in Bornheim in die Grundschule bzw. die "Internationale Klasse" des A-v-H. Sie sagen zu mir: "Ohne Dich wären wir mit unserem Deutsch noch nicht so weit."

Was fehlt den Flüchtlingen?

BL: 1.Wohnraum, in dem die Menschen, die Familien ihre Intimsphäre bewahren und schützen können.

  1. Arbeit, ich kenne u.a. einen Ingenieur, einen Orthopäden, einen Baggerfahrer und eine Friseurin deren Kapazitäten hier brachliegen - und das ist doch sehr schade.
  1. Darüber hinaus benöigen wir für die Aufnahme der Flüchtlinge mehr Sozialarbeiter und in den Flüchtlingsunterkünften mehr Hausmeister.

Ein letztes Wort?

BL: Die Dankbarkeit und Freude der Menschen ist für mich Motivation, weiterzumachen. Unsere Gesellschaft, unser Staat sollte sich nicht auf unserer Ehrenamtlichkeit ausruhen bzw. verlassen und mehr Verantwortlichkeit übernehmen.

SCHLAGWORTE:
Ort
Veröffentlicht
14. November 2015, 00:00
Autor
Rautenberg Media Redaktion