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50 Jahre Ederhalle "Nach nur einjähriger Bauzeit können wir heute sehr erfreut unsere Halle einweihen. Dank und Anerkennung gebührt allen, die sich selbstlos und der Gemeinschaft dienend für den Hallenbau eingesetzt haben. Möge dieses Werk der Dorfgemeinschaft viel Freude bereiten und der Geist, der es ermöglichte, in unseren Reihen fortleben. Großeneder, den 31. Mai 1969". So steht es geschrieben in der Urkunde zur Eröffnung der Ederhalle in Großeneder. Die Planungen für den Bau eines solchen kulturellen Dorfmittelpunktes begann schon früh in den Köpfen der Großenederer zu reifen. So wurde das Schützenfest in der Scheune gegenüber der heutigen Ederhalle gefeiert. Die Scheune musste hergerichtet werden, Theke und Tanzboden wurden aufgebaut und aus dem benachbarten Volkmarsen wurde das Zelt geholt. Dieses wurde dann von den schwindelfreien Mitarbeitern des Unternehmens aufgestellt, wobei diese in oft halsbrecherischer Art über die Balken balancierten. Schon seit Jahren war immer wieder von dem Bau einer Halle gesprochen worden, doch hatte man stets hiervon Abstand genommen, weil niemand bereit war, die Verantwortung zu übernehmen. Im Januar 1968 jedoch wurden die Pläne konkret. Auf der Mitgliederversammlung im Gasthof Thiele fand der geplante Bau einer Halle Zuspruch unter den Schützen. Insbesondere Bürgermeister Josef Engemann versprach seine volle Unterstützung. Schriftführer Meinolf Michels wurde beauftragt, sich mit der Gemeindevertretung und den Vereinen in Verbindung zu setzen zur Gründung eines Bauausschusses. Diese erfolgte kurz darauf im Februar auf Einladung von Meinolf Michels in der Volksschule. Dieser teilte mit, dass die zwischenzeitlichen Gespräche dazu ermutigt hätten, den Bau einer Gemeinschaftshalle in Großeneder zu wagen. Bürgermeister Engemann gab bekannt, dass ein Grundstück neben der Schule zur Verfügung stehe und die politische Gemeinde das Vorhaben unterstützt. Zum Vorsitzenden des Ausschusses wurde Meinolf Michels berufen. Beigeordnete waren Heinz Sander, Ferdi Gockeln, Otto Lohre, August Vieth und August Peine. Ferner wurde mitgeteilt, dass der Ausschuss verschiedene Festhallen begutachten will und einen Architekten mit der Ausführung beauftragen wird. So fand bereits am Schützenfest 1968, unter der Regentschaft des Königspaares Heinrich Henze und Maria Wieners das vorerst letzte in der Scheune, die Grundsteinlegung statt. Nach dem Festgottesdienst, zelebriert von Pastor Schröter aus Hohenwepel, zogen die Schützen zum bisherigen Spielplatz, wo sich bereits eine große Anzahl Menschen versammelt hatten, um der bevorstehenden Grundsteinlegung beizuwohnen. Nach dem Liedvortrag der Schulkinder begrüßte Meinolf Michels die Anwesenden, darunter den Amtsbürgermeister Bremer, den Amtsdirektor Grothe, den heimischen Bürgermeister Engemann, Bürgermeister aus den umliegenden Orten sowie den Architekten Hans Lücke aus Borgentreich, der für die Pläne und die Bauleitung verantwortlich zeichnete. Alle Vereine, so Michels, haben sich bereit erklärt, an der Errichtung der Halle mitzuwirken. So wolle man mit Hand- und Spanndiensten das Gebäude in eigener Regie erstellen. Hierzu werde eine Haussammlung durchgeführt, wobei jede Familie die Gelegenheit bekommt, einen finanziellen Beitrag zu Gelingen beizusteuern. Die dann folgende Errichtung der Halle war die wohl größte Gemeinschaftsleistung, die der Ort inmitten der Börde jemals erlebt hat. Jeder der Dorfbewohner stellte seine Talente, seine Arbeitskraft und Geräte in den Dienst der Sache. Diese grandiose Gemeinschaftsleistung der Großenederer ermöglichte es, dass bereits zum nächsten Schützenfest im Jahre 1969 die Halle, die nunmehr offiziell EDERHALLE hieß, der Gemeinde zur Nutzung übergeben werden konnte. Am Schützenfestsamstag fand die Einweihung statt. Das Festprogramm sah nach einer Dankandacht die Schlüsselübergabe des Architekten an Meinolf Michels vor, der als Vorsitzender der Hallenbaugemeinschaft die Gäste begrüßte, darunter den Landtagsabgeordnete Volmert, Kreistagsmitglieder, Lehrer und Sponsoren. Ein Grußwort sprach Bürgermeister Josef Engemann. Die Festansprache hielt Oberkreisdirektor Hubert Clausmeyer. August Vieth rief mit seinem plattdeutschen Vortrag "Houte fürn Joare" die vergangenen Geschehnisse nochmals in Erinnerung. Architekt Lücke wies darauf hin, dass diese Halle ein echtes Gemeinschaftswerk sei, entstanden aus Mitverantwortung der Bürger aus Großeneder. Den kirchlichen Segen für das Gebäude erteilte der neue Ortsgeistliche Otto von Monschaw. Für den musikalischen Rahmen des Nachmittags sorgte der Musikverein Dössel. Das anschließende Schützenfest, das erste in der Ederhalle, stand unter der Regentschaft von Gottfried und Elfriede Engemann und war ein gesellschaftlicher Glanzpunkt im Jahresverlauf. So war die Ederhalle für die kommenden Jahre Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens in Großeneder, aber auch für den Schulsport wurde die Halle genutzt. Der Zahn der Zeit nagte jedoch auch an diesem Bauwerk, so dass die Ederhalle um die Jahrtausendwende wiederum im Mittelpunkt des Dorfinteresses stand. Um die Zukunft der Ederhalle in die Bevölkerung zu bringen, wurde eine Bürgerversammlung durch den Ortsvorsteher Hubertus Nolte einberufen. Diese Veranstaltung stieß auf ein großes Interesse der Einwohner. Ausschlaggebend für einen Umbau der Halle war die Tatsache, dass den schulsportlichen Anforderungen nicht genügt wurde, festgestellt 1988 von Schulleitung und Schulkonferenz, 1989 vom Ortsbeirat, 1990 von der Bezirksregierung und letztendlich im Juni 1995 von dem Schulsportbeauftragten. Auch die Ausstattung genügte nicht den einfachsten Anforderungen. Die Mängel waren seit Jahren bekannt: Umkleideräume fehlten, getrennte Duschen, Sportlehrerraum und Geräteraum. Der Boden ist mehrfach abgeschliffen worden, es bestand Splittergefahr. Es fehlten Prallwände, die Beleuchtung war ungeschützt und nicht ballsicher. Um den Schulstandort Großeneder nicht zu gefährden, sollen die Kinder in Großeneder die gleichen Rahmenbedingungen vorfinden wie überall im Stadtgebiet. Daher planten die Verantwortlichen der Gemeinde seit langem, die Halle in eine multifunktionale Halle umzubauen, wo Schulsport nach den Unterrichtslinien durchgeführt werden konnte, die aber auch für Vereinssport, Feste und Familienfeiern zur Verfügung stand. Anhand eines vom Ortsheimatpfleger Konrad Thiele hergestellten Modells der geplanten Halle erläuterte der Architekt Robert Lange die Planung für die erweiterte Ederhalle. Der vorhandene Baukörper sollte so wenig wie möglich verändert werden, am Thekenbereich waren keine Änderungen geplant. Die vorgeschriebenen Sanitäts- und Umkleideräume sollten in U-Form um die Halle herum gebaut werden, ebenso der Jugend- und Sozialraum sowie der Raum für Bestuhlung und der für die Sportgeräte. Für eine bessere Beleuchtung war ein Lichtband auf dem Dach eingeplant. Meinolf Michels rief in dieser Veranstaltung noch einmal die Entstehungsgeschichte der Halle in Erinnerung. Trotz vieler dringlicher Probleme im Ort wurde seinerzeit der Bau in Angriff genommen. Der Hallenbau sollte damals 484.000 DM kosten, 270.000 DM brachten die Großenederer in Eigenleistung auf, so dass die Halle letztendlich 214.000 DM gekostet hat, so Michels. Je weiter der Hallenbau fortschritt, umso ausgeprägter wurde die Hilfe der Einwohner. Die Dorfgemeinschaft, so Michels, sei seinerzeit eng zusammen gerückt. Er sei sich sicher, so fuhr er fort, dass auch bei einem Umbau der Halle das Echo aus der Bevölkerung sehr positiv ausfallen würde. Selbst einige von den Helfern, die 1968/1969 schon dabei waren, stellten sich wiederum im Rahmen ihrer Möglichkeiten in den Dienst der Sache. Auch Störmanöver können nichts am Willen der Bevölkerung ändern, so schloss Meinolf Michels sein Statement. Denn wir werden tun, was wir für unsere Kinder und Nachkommen für die Zukunft tun müssen. "Die Ederhalle ist für uns zu einer "guten Stube" geworden, und das soll sie auch weiterhin sein. Ein Dank von Michels ging an Stadtdirektor Joachim Ohlrogge, Bürgermeister Günter Niggemann und den ehemaligen Ortsvorsteher Franz-Josef Kleinschmidt, die das Projekt seit Beginn der Planungen positiv unterstützten. Damit die Eigenleistungen der Bevölkerung auch zügig starten konnten, wurde ein Spendenkonto errichtet für diejenigen Großenederer, die an den handwerklichen Arbeiten selbst nicht teilnehmen können. Nachdem der Ort mit dieser Bürgerversammlung gezeigt hatte, dass der Schulstandort und die Ederhalle für die Zukunft gesichert werden sollten, war es nunmehr Sache des Stadtrates, den Planungen zuzustimmen und dementsprechende Beschlüsse zu fassen. In der Ratssitzung vom Oktober 1996 wurden erste belastbare Zahlen veröffentlicht. Demnach sollte der Hallenumbau 1,175 Mio. DM kosten plus 115.000 DM für Geräte. Bei einem 60-prozentigen Zuschuss bleibt rund eine halbe Million an Eigenmitteln. Der Zuwendungsbescheid der Bezirksregierung lag im Oktober 1997 bei der Stadtverwaltung vor. In einem interfraktionellen Konsensgespräch im September 1998 erläutete Hubertus Nolte die Notwendigkeit und den Sinn des geplanten Umbaues zu einer Schulsporthalle. Er betonte, dass der Bau nicht mit der Schulsporthalle in Bühne zu vergleichen sei. Vielmehr sei die Stadt letztendlich verantwortlich, so das Großeneder nur mit Borgentreich zu vergleichen wäre. Weiterhin betonte der Ortsvorsteher, dass die Bevölkerung von Großeneder erhebliche Eigenleistungen und Finanzierungsmittel bereit sind zu investieren. Das nächste Gremium, dass die Ampel auf "Grün" stellte, war der Ortsbeirat im Oktober 1998. Stadtdirektor Ohlrogge und Architekt Lange erläüterten den Großenederer Vereinsvertretern die Arbeiten. In der Diskussion stellte sich heraus, dass es den Vereinsvertretern nicht um die Frage "Ob" ging, sondern das "wie, was und wann" war Mittelpunkt der Diskussion. Auch wurden einige Verbesserungsvorschläge unterbreitet, die in die Planung mit einflossen. Meinolf Michels erinnerte daran, dass auch bei dem Neubau der Halle einige Stolpersteine aus dem Weg zu räumen waren, die gute Zusammenarbeit im Dorf habe jedoch alle Schwierigkeiten gemeistert. Schließlich beschloss der Stadtrat in der Sitzung vom Oktober 1998, die für den Umbau notwendigen Bauaufträge nach Empfehlung des Architekten zu erteilen. Aufgrund der schlechten Witterung des Spätherbstes wurden die Arbeiten erst nach Ostern 1999 aufgenommen. Das war der Startschuss für das Dorf. Nach dem Ball rückten die Handwerker der Ederhalle an die Bausubstanz. Insbesondere für den Ortsvorsteher Hubertus Nolte begann eine sehr intensive Arbeitsphase. Neben Beruf und Familie hatte er plötzlich einen dritten "Job". Er war es, der täglich auf der Baustelle war und der täglich Klinken putzte, um immer dann Handwerker parat zu haben, wenn sie gebraucht wurden. Kurze Zeit waren sogar zwei Baustellen in unmittelbaren Nähe: Der Schützenverein richtete zum Schützenfest 1999 die Scheune gegenüber der Ederhalle her. So konnte das Königspaar Klaus und Maria Hördemann ausnahmsweise und wieder einmalig an historischer Stätte das Fest des Jahres begehen. Durch die beträchtlichen Spenden der Einwohner konnten zusätzlich der Eingangsbereich, der Speiseraum sowie die Toiletten grundlegend renoviert werden. Bereits im Juni bedankte sich Hubertus Nolte bei den Einwohnern für ihr großes Engagement, wobei insbesondere die Eigenleistungen in enger Abstimmung mit der Bauleitung oft sehr kurzfristig erfolgen mussten. Er wies darauf hin, dass der Bau planmäßig verlaufe und das Richtfest, verbunden mit einem "Tag der offenen Ederhalle", kurz bevor stehe. Hierzu kam es dann am Samstag, den 7. August 1999. "Ein großes Werk gedeiht durch Einigkeit", dieser Spruch in der Eingangshalle habe auch nach 30 Jahren nichts von seiner Gültigkeit verloren, so der Ortsvorsteher. Etwa zur Halbzeit der Baumaßnahme, so Hubertus Nolte, soll die Bevölkerung einen Einblick haben, was bereits geschafft wurde und welche Arbeiten noch zu erledigen sind. Der Ortsvorsteher dankte allen Helfern, die ihren Beitrag zum Gelingen beigetragen haben. Insbesondere Rudolf Gievers wurde mit einer Urkunde geehrt. Er war bereits vor 30 Jahren täglich an der Baustelle und hat auch beim Umbau mit seinem Sachverstand und seiner Energie die Helfer in die richtigen Bahnen gelenkt. Die Vorfreude auf die neue Ederhalle zeigte sich auch bei den Kindern aus Großeneder: Im Festumzug zum Stadtfest marschierten sie als Bautrupp mit echten Schutzhelmen mit, auch die Ederhalle aus Pappe durfte bei dem Umzug nicht fehlen. Bereits Ende September wurde der Stadtverwaltung bescheinigt, dass die Bautenzustandsbesichtigung zu keinen Beanstandungen geführt hat. So war es wiederum der Ortsvorsteher Hubertus Nolte, der im Februar 2000 die Bevölkerung über den aktuellen Sachstand informierte. Wegen der planmäßig verlaufenden Arbeiten sei davon auszugehen, dass die Halle zum Königsschießen wieder zur Verfügung steht. Zusätzlich sei die Gemeinde verpflichtet, 75.000 DM Geldmittel zur Verfügung zu stellen. Dies wurde durch eine Haussammlung erreicht. Dank der tatkräftigen Unterstützung und des Engagements vieler Großenederer wurde die Ederhalle am 20. Mai 2000 offiziell eingeweiht, nachdem die Damen der kfd die Halle komplett grundgereinigt hatten. Nach der Begrüßung durch den Ortsvorsteher Hubertus Nolte und der Schlüsselübergabe mit Grußworten der Gäste war im Jugend- und Sozialraum ein Basar aufgebaut. Eine Filmvorführung durch Frau Schäfers zeigt noch einmal den Werdegang der Halle. Das Festprogramm wurde durchgeführt von den Schülerinnen und Schülern der Grundschule, den Kindergartenkindern, dem Spielmannszug, vom Gemischten Chor, der kfd-Tanzgruppe und der Jazz-Dance-Gruppe der Kolpingfamilie. Bereits eine Woche später, der Ortsvorsteher hatte Wort gehalten, fand in der runderneuerten Ederhalle das Königsschießen statt. Als erstes Königspaar standen Konrad und Ulrike Thiele im Mittelpunkt des folgenden Schützenfestes. Großeneder hatte somit erstmals die Möglichkeit, auch größere Veranstaltungen zu organisieren. Mit dem Amtsfeuerwehrfest war die Ederhalle erneut rappelvoll. In jüngerer Zeit wurden die Hallen an Betreibervereine übergeben. In Großeneder gründete sich dieser Verein im November 2011. Vorsitzender wurde Michael Meier. Dieser Verein ist für das Management der Halle zuständig. Zum Schluss noch ein Zitat des Ortsvorstehers Hubertus Nolte aus der Gründungssitzung: "Wichtig ist die Erhaltung der Ederhalle als ein menschen- und generationenverbindender Ort."
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