Sag uns, was los ist:

Bildungszentrum Weser-Egge startet den zweiten Studiengang

whatsapp shareWhatsApp

Bildungszentrum Weser-Egge startet den zweiten Studiengang

KHWE bietet den Pflegekräften beste Aufstiegschancen und Stipendien. Ute Pägel ist Lehrbeauftragte des Steinbeis Instituts

(ahk) 18 Studierende begrüßte KHWE Geschäftsführer Christian Jostes am 30. September im Bildungszentrum Weser-Egge. Sie werden dort ein dreijähriges berufsbegleitendes Pflege-Studium absolvieren und tragen damit zur Freude von Bürgermeister Hermann Temme dazu bei, dass sich Brakel als Hochschulstandort etabliert.

Mit dem bereits vor einem Jahr in Kooperation von KHWE und Steinbeis Institut Essen zum ersten Mal gestarteten Studiengang Bachelor of Arts in Healthscare sei Brakel als Bildungsstandort eindeutig gestiegen, so Temme. Den Studierenden und der Schulleitung wünschte er viel Erfolg. Dieses nicht uneigennützig, denn die Region sei auf gute und gut ausgebildete Pflegekräfte angewiesen. Dank sagte er der Schulleiterin Ute Pägel, die das Hochschulprojekt nach Brakel geholt hatte und auf deren Schultern die Verantwortung für den weiteren Erfolg lastet.

In die gleiche Kerbe schlug der Landtagsabgeordnete Matthias Goeken. "Hier im ländlichen Raum ist der richtige Platz für eine solche Schule", erklärte er und nahm Bezug auf Aussagen von NRW Sozialminister Karl-Josef Laumann, der für die Pflegekräfte die Einrichtung einer eigenen Kammer anstrebt. Sowohl für die Patienten, als auch für die Pflegenden wünschte er sich einen menschlichen Weg. "Ich hoffe, dass ich im nächsten Jahr wieder hier bei Ihnen sein kann", lautete sein in Richtung Ute Pägel geäußerter Wunsch.

Ihre Antwort war eindeutig: "Ich bin sicher, dass wir in der Kooperation mit dem Steinbeis -Transfer-Institut und der Unterstützung von Prof. Herbert Hockauf weitere Studierende auf einen guten Weg bringen können."

Geschenke für die 16 Frauen und 2 Männer des Erstsemesters verteilten Bürgermeister Hermann Temme sowie drei Studierende, die im vorigen Jahr ihr Studium begonnen hatten.

Neben den Pflege-Azubis der KHWE gehören zu den Studierenden auch Auszubildende des Helios Klinikums Warburg sowie des Franziskushospitals Bielefeld. Aktuell befindet sich darunter auch eine Hebamme. Außerdem steht der Studiengang den bereits examinierten Pflegekräften offen.

Laut KHWE Geschäftsführer Jostes eröffnen sich den Schülern und Mitarbeitern in der Pflege mit einer akademischen Ausbildung direkt vor der Haustür neue Perspektiven und Karrierechancen. Pflegeschüler mit Fachabitur oder allgemeiner Hochschulreife können sich nach einem Jahr Ausbildung für das Studium qualifizieren. Mit dem Bestehen einer Eignungsprüfung werden sie immatrikuliert. Bereits examinierte Pflegekräfte können sich nach zweijähriger Tätigkeit selbst ohne Abitur um einen Studienplatz bewerben. Außerdem vergibt die KHWE jährlich drei Stipendien, was die Übernahme der monatlichen Studiengebühren in Höhe von 250 Euro bedeutet.

Ute Pägel, die als Leiterin des Bildungszentrums in Brakel künftig auch Lehrbeauftragte des Steinbeis-Instituts sein wird, erfüllt es mit Freude und Stolz, dass jetzt auch eine einjährige Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpflegeassistenten startet, die Schülern mit einem Hauptschulabschluss offensteht. Nach dem bestandenen Examen können die Absolventen eine dreijährige Ausbildung zur Pflegekraft anschließen und sich schließlich auch für das Studium qualifizieren.

"Der Pflegenotstand kommt nicht, er ist schon da!"

Deutliche Worte fand Prof. Dr. rer. medic. Herbert Hockauf zum Start des zweiten Studienjahrgangs am Bildungszentrum der Katholischen Hospitalvereinigung Weser-Egge in Brakel. Er ist Diplom Pflegepädagoge und Pflegewissenschaftler sowie Gesundheitsökonom und Lehrstuhlinhaber der Steinbeis-Hochschule Berlin. Als Leiter des Steinbeis Institutes Public-Health and Healthcare NRW ist er mitverantwortlich für die Studiengänge in Brakel.

Im Gespräch mit der NW äußerte er sich wie folgt:

Herr Prof. Hockauf, alle reden vom Pflegenotstand. Wann kommt er?

Prof. Hockauf: Den Pflegenotstand wird es nicht geben, er ist aktuell schon da. Das hat sich bereits in den letzten 20 Jahren abgezeichnet.

Wo wird er sichtbar?

Prof. Hockauf: Der Pflegenotstand findet auch in der Peripherie statt. Das hat sich auch in Brakel abgezeichnet. Da muss natürlich total und mit aller Kraft gegengesteuert werden.

Passiert das denn?

Prof. Hockauf: Ja, man ist hier auf dem richtigen Weg, indem man eine eigene Krankenpflegeschule unterhält. Aber die Akademisierung der Pflege ist auch wichtig. Das nicht nur, um den Pflegeberuf attraktiver zu gestalten, sondern auch, um die Pflege in sich zu verändern.

Das heißt?

Prof. Hockauf: Das heißt, dass jeder Pflegebedürftige, und das sind wir irgendwann alle, das Recht hat, eine hochqualifizierte Pflege zu erhalten. Und die Aufgabe der akademisierten Pflegenden ist es, wissenschaftliche Defizite aufzudecken und zu bearbeiten.

Was ist dabei Ihre Aufgabe?

Prof. Hockauf: Die Steinbeis Schule hat dazu ein Konzept entwickelt, das von jedem Studierenden verlangt, mit einem Projekt aus der Praxis zu kommen. Das bedeutet, dass die Studienanfänger Defizite aufdecken und bearbeiten. Sie machen im ersten Semester eine Analyse und stellen Dinge fest, die zu optimieren sind. Daran müssen sie dann arbeiten.

Woran liegt es, dass das "moderne" Deutschland in der Pflege so hinterher hinkt?

Prof. Hockauf: In Deutschland kommt die Pflege ursprünglich aus den Ordensgemeinschaften, die mehr das Dienen zum Gegenstand hatten. Im anglikanischen Bereich zum Beispiel, kommt die Pflege aus dem militärischen. Da hatte man ganz andere Ansätze. Das hat sich über Jahrzehnte in Deutschland erhalten. Die in NRW jetzt angestrebte und höchst zu begrüßende Einrichtung von Pflegekammern dient ganz deutlich der Professionalisierung der Pflege und Professionalisierung der Versorgung der Patienten.

Akademiker in der Pflege: Kann das dazu führen, dass es heißt: Du Meister, ich Meister, keiner will die Karre schieben?

Prof. Hockauf: Die Pflege ist und bleibt "Dienstleistung", und diese Dienstleistungen müssen optimiert werden, auch im Sinne von Betroffenen. Hier bietet die Akademisierung Instrumente der wissenschaftlichen Analyse. Wir sind, Beispiel Kfz, die praktisch wissenschaftlich arbeitende Werkstatt, die ganz nah am Objekt, in diesem Fall aber am lebenden Menschen arbeitet und forscht. Das heißt, die Patienten teilen uns mit, welche Bedürfnisse und Wünsche sie haben. Das gilt es aufzunehmen und wissenschaftlich aufzuarbeiten. In der täglichen Praxis kann das z.B. die Frage aufwerfen, wie gehe ich auf der Intensivstation mit den Angehörigen eines völlig verkabelten Patienten um? Wie mache ich ihm klar, was da gerade passiert? Es geht also um die Akzeptanz der Tätigkeit, durch die der Angehörige Sicherheit erfährt.

Sie gehen auf ein weites Feld.

Prof. Hockauf: Ja, tatsächlich. Aber der Arzt ist für die Versorgung mit Medizin und Geräten zuständig während die Pflegekräfte auch die Betreuung der Angehörigen übernehmen. Das wird zurzeit oft nur imaginär beachtet.

Fazit: Sie suchen nach besseren Wegen?

Prof. Hockauf: Jein! Zunächst nach anderen Wegen. Ob die dann besser sind, muss in der Praxis erprobt und wissenschaftlich festgestellt werden. Soll heißen: Wir müssen Wege neu denken.

Ort
Veröffentlicht
25. Oktober 2019, 08:24
Autor
whatsapp shareWhatsApp

KOMMENTARE

Melde dich an, um dich zu beteiligen. Du hast noch kein Konto? Registriere dich jetzt!