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miteinander oder gegeneinander?

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miteinander oder gegeneinander?

Generationsprobleme

Allgemeine Lage: Die Generation der Ü 60-jährigen ist diejenige, die bei uns am schnellsten wächst. Sie hat am häufigsten ein gesichertes Einkommen, tut vieles für die persönliche Gesundheit und

stellt die meisten Teilnehmer an den so beliebten Kreuzfahrten auf Flüssen und Meeren.

Sie ist inzwischen sogar als Zielgruppe für Konsumangebote entdeckt worden.

Aber das gilt natürlich nicht für alle älteren Mitbürger. Besondere Lebensläufe und Schicksalsschläge können in eine schwierige Lebensphase führen, in der die Not täglich spürbar ist.

Die meisten Angehörigen unserer jüngeren Generation sind gut ausgebildet und streben in interessante, zum Teil neu entwickelte Berufe. Professionelle Stil- und Redeberater bereiten sie auf Vorstellungsgespräche für gut bezahlte Positionen vor.

Natürlich streben viele nach der "Taube auf dem Dach". Darunter leiden die Berufe, die dringend Facharbeiter oder Hilfskräfte brauchen. Doch wer will schon den "Spatz in der Hand"? Und manche Jugendliche haben geringere Bildungschancen oder leben in Regionen mit wenig attraktiven Arbeitsplätzen. Für sie kann der Start schwierig werden.

Gibt es da einen Konkurrenzkampf zwischen jung und alt um die besten Plätze?

Im technischen Bereich forschen und arbeiten alle Generationen gemeinsam an Hilfsmitteln, um das Zusammenleben, das Aufeinander-Zugehen zu erleichtern. Es gibt Mehrgenerationen-Häuser, Aufzüge, Rolltreppen, Rollstühle und bald selbstfahrende Autos. Und junge Start-Up-Unternehmer brauchen zum dauerhaften Erfolg den Rat und die Mithilfe von Berufserfahrenen.

Aber wie sieht es mit den mitmenschlichen Beziehungen aus? Wie steht es um Rücksichtnahme, Respekt und gegenseitige Achtung? Das soll hier unser Thema sein.

Gesetzeslage: Der Artikel 1 des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland lautet:

"Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu schützen ist Verpflichtung aller staatlicher Gewalt".

Und unter "Menschenwürde" versteht man im modernen Sinn, dass alle Menschen unabhängig von allen Unterscheidungsmerkmalen wie Herkunft, Geschlecht, Alter oder Zustand den selben Wert haben und dass dieser Wert des Menschen über dem aller anderen Lebewesen und Dinge steht. Das ist die Grundlage unseres Zusammenlebens, und das gilt nicht nur für den Staat, sondern für jeden von uns.

Die Würde des anderen achten, also des Gesprächspartners, des Gastes, des Mitarbeiters, des Nachbarn. Es soll ein reibungsloser, harmonischer Umgang sichergestellt werden zwischen Menschen mit unterschiedlichem Geschlecht, unterschiedlicher Herkunft, Ausbildung, Verantwortung und Wertevorstellung.

Und das gilt für alle Geschlechter. Denn schon seit dem 01.07.1958 gilt bei uns das "Gesetz über die Gleichstellung der Geschlechter in Beruf und Gesellschaft". Auch wenn man manchmal den Eindruck hat, dieses sei Einzelnen unbekannt.

Etiketteregeln: Bei den gängigen Umgangsformen ist die Gleichberechtigung schon längst vollzogen.

Der ehemalige "Damenbonus" wurde abgelöst durch den "Altersbonus". Denn wenn die Geschlechter gleichwertig sind, dann werden die Lebensleistung des Älteren und seine erbrachten Leistungen für die Gesellschaft und am Arbeitsplatz höher bewertet. Und das gilt nicht nur im Beruf, sondern auch im Privatleben.

Nur bei Angehörigen der gleichen Generation oder der gleichen beruflichen Hierarchiestufe hat die Dame den Vortritt. Wobei man heute unter dem Begriff Generation einen Lebensabschnitt von ca. 30 Jahren versteht.

Im beruflichen Bereich gelten ohnehin die Spielregeln der Hierarchie. Wer eine ranghöhere Position z.B. in einer Behörde bekleidet, verdient nicht nur mehr Geld, sondern hat auch mehr Verantwortung und genießt eine höhere Aufwerksamkeit - und gilt als ranghöher. Und das ist unabhängig von seinem Geschlecht.

Der private Gastgeber begrüßt also zunächst den älteren Herrn und erst danach die junge Begleiterin oder der Firmenchef gibt die Hand zunächst dem jungen Abteilungsleiter und dann der älteren Sachbearbeiterin.

Aber auch andere Etiketteregeln wurden der Gesellschaftsentwicklung angepasst.

Heute betritt Der- oder Diejenige als Erste das Restaurant, der als Gastgeber den Tisch bestellt hat und auch die Rechnung bezahlen wird. Auch dabei spielen weder Geschlecht noch Alter eine Rolle.

So kann die Dame heute auch dem bedürftigen Herrn in den Mantel helfen oder die Tür aufhalten. Und im schmalen Treppenhaus geht der Herr noch oben hinter der Dame, um sie ggf. beim Stolpern aufzufangen und treppab geht er aus demselben Grund voraus.

Früher sprach man nur mit Menschen, die man kannte oder die einem vorher formell vorgestellt worden waren. Heute geht man offen, interessiert und unvorbelastet in neue Kontakte. Und die Initiative dazu kann sowohl von einem Herrn wie von einer Dame ausgehen.

Achtung vor dem Anderen und ggf. Hilfestellung sind heute Grundlagen für wichtige Umgangsformen.

Miteinander: Unsere Gesellschaft kann nur dann funktionieren und hat nur dann für alle eine zufriedenstellende Zukunft, wenn jung und alt sie gemeinsam gestalten.

Die einen haben die Lebens- und Berufserfahrung und können führen, die anderen haben die gute schulische, fachliche oder Universitätsausbildung, sind frisch, dynamisch und haben neue Ideen.

Es ist wie bei der Fußballnationalmannschaft: ein plötzlicher "Umbruch" bringt nichts. Junge Dynamik muß mit Erfahrung in die richtigen Kanäle geleitet werden, also Kroos und Kimmich, Hummels und Süle, Müller und Gnabry.

Wichtig ist die gegenseitige Achtung vor der Persönlichkeit und Leistung des anderen.

Heute im Zeitalter der "Globalisierten Welt" müssen wir uns in unserem Verhalten nicht nur mit Nachbarn und Europäern messen, sondern auch mit Menschen aus anderen Erdteilen und unterschiedlichen Kulturen, mit uns bisher fremden Verhaltensmustern.

So sieht man im Fernsehen gelegentlich bei Auslandsreportagen aus dem Nahen Osten, dass Kinder die Hand des Großvaters küssen. Wir erfahren, dass in Japan die Leitungsfunktionen in Unternehmen grundsätzlich an die dienstältesten Mitarbeiter vergeben werden und ich erlebe es in der U-Bahn, dass junge Leute mit offensichtlichem Migrationshintergrund aufstehen, um ihren Platz einem älteren Fahrgast anzubieten.

Das sind Wertvorstellungen, die den meisten von uns inzwischen fremd sind. Aber das Zusammenleben funktioniert nur dann, wenn auch wir auf die anderen zugehen.

Jeder Mensch hat seinen eigenen Wert und den will er zu recht von anderen respektiert sehen. Achtung vor dem anderen - das fördert das Miteinander!

Und denken Sie auch daran: Komplimente und Lob fördern die Harmonie im menschlichen Zusammenleben. Sie sind Ausdruck der Bewunderung für eine Person oder eine Leistung. Sie sind die Lichtblicke, die den Alltag heller und freundlicher machen, das Selbstbewußtsein des anderen stärken und Unsicherheiten beseitigen, die fast jeden Menschen hin und wieder beschleichen.

Probieren Sie es aus. Sie werden sehen, wie der andere sich Ihnen aufgeschlossen zuwendet und wie Sie dadurch Ihre Ziele leichter erreichen.

Horst Arnold

*Horst Arnold hat von 1965 bis 2001 im Bundespräsidialamt für insgesamt sieben Bundespräsidenten gearbeitet, davon die letzten 27 Jahre als Protokollchef. Er war in dieser Zeit für die Organisation und protokollarische Betreuung aller Begegnungen der Bundespräsidenten mit Menschen in Deutschland zuständig. Heute schult er Studenten und Wirtschaftsführer in modernen Umgangsformen und hält Vorträge vor interessierten Gesellschaftskreisen. Er arbeitet seit 2004 beim "VNR-Verlag für die Deutsche Wirtschaft" als Gutachter für die Ergänzungslieferungen der Loseblatt-Zeitschrift "Der Große Knigge", ist Mitglied im "Arbeitskreis Umgangsformen International" und im Deutschen Knigge-Rat. Seit 2001 widmet er sich auch dem immateriellen Weltkulturerbe "Rheinischer Karneval". Er war einige Jahre Vorsitzender der großen Bonner Karnevalsgesellschaft "Wiesse Müüs" und vertritt seit 2008 die Belange der 72 Bonner Karnevalsvereine im Präsidium des Regionalverbandes Rhein-Sieg-Eifel des Bundes Deutscher Karneval. Horst Arnold ist verheiratet, hat zwei Söhne, fünf Enkelkinder und lebt in Bonn. Kontakt: horst.arnold@gmx.de

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Ort
Veröffentlicht
24. Mai 2019, 05:11
Autor
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