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UNESCO-Geopark Famenne-Ardenne

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UNESCO-Geopark Famenne-Ardenne

In der geheimnisvollen Welt von Höhlen und Grabstätten

(Von Rotger Kindermann) Stonehenge, die gewaltige prähistorische Kultstätte im Süden Englands muss jedes Jahr eine Million Besucher verkraften. Massentourismus in Extremversion. Doch es gibt Alternativen - und die sind recht nah. Wer den Zauber prähistorischer Landschaften sucht, wird auch in Belgien fündig. Zwar nicht in solch spektakulären Dimensionen wie Stonehenge, stattdessen aber direkt erlebbar, anfassbar, begehbar und sogar mit freiem Eintritt! Rund um das Städtchen Wéris, am Fuße der Ardennen, befindet sich eine Reihe von 5000 Jahre alten Grabstätten und sog. Hinkelsteinen aus der Zeit des Megalithikums, als der Mensch begann, sesshaft zu werden.

Was Archäologen gemeinhin als Megalith-Kultur bezeichnen, unterliegt den unterschiedlichsten Interpretationen. Auf einer Anhöhe am Ortsrand von Wéris ragt der "Pierre Haina" in den Himmel und der Betrachter rätselt: Steht der spitze Felsblock in einem Zusammenhang mit den Grabanlagen in der Ebene? Ist er nur ein visueller Orientierungspunkt in der Landschaft? Oder verbirgt sich damit eine rituelle Handlung? Sicher ist, dass schon damals tonnenschwere Steinblöcke mit Rundhölzern über weite Strecken von Menschen transportiert wurden. Nur so konnten sie die eindrucksvollen Grabstätten - auch Dolmen genannt - erbauen. Erläuterungen darüber finden Besucher im "Maison des Mégalithes", ein kleines, aber sehr lehrreiches Museum. Es sollte am Anfang eines Besuches von Wéris stehen, das sich selbst als eines der "schönsten Dörfer der Wallonie" bezeichnet. Die beiden Galeriegräber, der Oppagner Dolmen und der Wériser Dolmen, sind auf dem acht Kilometer langen Spazierweg durch die Megalith-Kultur die markantesten Monumente. Noch (!) bewegen sich die täglichen Besucherzahlen in zweistelligem Bereich... Die Megalithen rund um Wéris sind nur ein Höhepunkt im "Geopark Famenne-Ardenne", der seit April das UNESCO-Label trägt, wegen der bedeutenden Fossilfundstellen, Höhlen, Felsformationen oder prähistorischen Sehenswürdigkeiten tragen darf.

Leben in der Finsternis: Die berühmten Grotten von Han gelten hier als besonders sehenswertes karstisches Phänomen. "Das Flüsschen "Lesse" hat in den vergangenen Jahrtausenden den Berg horizontal ausgehöhlt. Zugleich sickerte von oben Regenwasser durch die Erde", erklärt Isabelle Köchli, eine gebürtige Schweizerin, die seit 20 Jahren Gruppen durch die bizarre Unterwelt führt. Ungewöhnlich ist schon die Zufahrt zur Höhle. Mitten im Ort Han-sur-Lesse besteigen die Besucher eine alte Straßenbahn, die sie langsam ruckelnd zum Eingang bringt. Die tatsächliche Höhlenstrecke von ca. drei Kilometern wird zu Fuß durchquert. Sie ist aber mit festem Schuhwerk und warmer Kleidung bei 13 Grad Celsius trotz zahlreicher auf- und absteigender Stufen relativ mühelos zu bewältigen, eine zauberhafte Welt mit versteinerten Kuriositäten. Eine neue Illuminierung mit LED-Lichtern bringt die ungewöhnlichsten Formen und Farben zur Geltung. Prächtig ragt das "Minaret", ein in über 12.000 Jahren gewachsener Stalagmit, fünf Meter in die Höhe. Der "Dom des Lichts" ist ein majestätisches Gewölbe mit Ausmaßen einer Kathedrale, 62 Meter hoch und 145 Meter lang. Unterwegs stößt man mehrfach auf das Flüsschen Lesse, das gemächlich durch den Fels plätschert und kleine Seen bildet. Kaum zu glauben: In dieser Finsternis existiert Leben. Winzige Fische wühlen sich durch die Sandablagerung im Flussbett.

Neue Heimat für seltene Tiere: Im sog. Waffensaal gerät Höhlen-Kennerin Köchli ins Schwärmen, wenn sie die neue "Sound- & Lightshow" vorstellt: "Lassen sie sich berauschen von der ungewöhnlichen Klangfülle und bezaubern von der Farbenpracht des Lichtspiels". Am Ende des Rundgangs wird es noch einmal richtig laut, wenn nach alter Tradition ein Böllerschuss abgegeben wird, nicht nur, um den Widerhall des Echos zu hören - in früheren Zeiten sollten damit die bösen Geister vertrieben werden. Mythen besagen, dass sich in Höhlen Monster, Dämonen und sogar Teufel verbergen. Vermutlich haben im Jahr 1857 noch zahlreiche Menschen daran geglaubt, als die Tropfsteinhöhle erstmals für Touristen erschlossen wurde.

Nicht nur Fans unterirdischer Wanderungen kommen in Han auf ihre Kosten. Ein 250 Hektar großer Park auf den umliegenden Hügeln der Grotte ist eine Oase für Natur- und Tierliebhaber. In fast unberührter Landschaft haben typische Ardennen-Tiere eine neue Heimat gefunden. Damwild, Wildschweine, seltene Steinböcke, Luchse, Bisons, Aasgeier und sogar Braunbären leben hier in einem riesigen Freigehege. Nur wenn am Horizont ein dunkelgrüner Safaribus auftaucht, wird man gewahr, dass auch dieses Naturerlebnis nicht ohne Kompromisse auskommt.

140 UNESCO-Geoparks in 38 Staaten gibt es weltweit (Stand: Mai 2018). Sie erhalten das geowissenschaftliche Erbe und laden dazu ein, die Entstehung des

*http://www.geoparkfamenneardenne.be

, http://www.megalithes-weris.be

, http://www.grotte-de-han.be

, http://www.luxembourg-tourisme.be

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Ort
Veröffentlicht
24. Mai 2019, 05:10
Autor
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