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Bonner nimmt an der WM der Abwassermeister in den USA teil

Achim Höcherl reist mit Kollegen aus Düsseldorf und Nürnberg nach Chicago - Zirka 40 Teams stellen sich Ende September zweitägigem Berufswettkampf

ib - So schnell wird Achim Höcherl, Leiter der beiden Kläranlagen Duisdorf und Beuel, bei allen Anforderungen seines Berufs im Tiefbauamt der Stadt Bonn nicht nervös, doch so langsam steigt sein Adrenalinspiegel. Denn der Bonner vertritt mit drei Kollegen aus Düsseldorf und Nürnberg bei der Water Environment Federation Technical Exhibition and Conference (WEFTEC) am 28. und 29. September die deutschen Farben in Chicago. Erstmals nimmt mit Unterstützung der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e.V.

(DWA) und der IFAT München ein deutsches Team an diesem bereits seit mehr als 25 Jahren ausgetragenen zweitägigen Berufswettkampf in den USA teil. Dieser Wettstreit, bei dem es um körperliche Fitness, Geschicklichkeit und Wissensabfrage geht, mag getrost als Weltmeisterschaften der Abwassermeister gelten. Zirka 40 Teams mit maximal je vier Teilnehmern aus den USA, Kanada, Argentinien und erstmals Deutschland treten in Chicago in fünf Disziplinen an und kämpfen in zwei Leistungsklassen um die beste Platzierung.

In der Bundesrepublik finden seit 2010 nationale Berufswettkämpfe im Abwasserbereich statt und zwar auf der IFAT München - das ist die internationalen Messe für Wasser-, Abwasser-, Abfall und Rohstoffwirtschaft in München.

Übungsparcours in Düsseldorf

Team Deutschland mit Achim Höcherl, Peter Albrecht aus Düsseldorf, Michael Dörr aus Nürnberg als Teamchef und Sven Theus aus Köln hat sich intensiv auf die fünf Disziplinen Instandhaltung, Arbeitssicherheit, Labor, Rohrabdichtung und Verfahrenstechnik vorbereitet. Denn die vier Kollegen haben in Düsseldorf bereits ausgiebig auf einem Übungsparcours in den dortigen Abwasserbetrieben trainiert und sind bestens aufeinander eingespielt. Zu den Wettkampfbestandteilen im Einzelnen:

Instandhaltung: Hier sind Wissen und technisches Geschick gefragt. Jede Mannschaft muss einzelne und gleichzeitig auftretende Störfälle an einer Tauchpumpe und einem Rührgerät beheben.

Arbeitssicherheit: Jede Mannschaft bildet ein eigenes Rettungsteam, das einen bei Kanalarbeiten verunfallten Kollegen retten und gleichzeitig einen Mitarbeiter, der mit Herzinfarkt zusammenbricht, erstversorgen muss.

Labor: Die Mannschaft muss in korrekter Sicherheitsausrüstung entsprechende Analysen durchführen.

Rohrabdichtung: Schnelligkeit und Genauigkeit sind hier die entscheidenden Kriterien. Das Team muss die Verbindung zu einem bestehenden Kanalrohr herstellen, einen Defekt im Kanalrohr erkennen und gleichzeitig mit beheben.

Verfahrenstechnik: Hier geht es bei einem Multiple-Choice-Test und einigen Matheaufgaben um die Funktionsweise von Kläranlagen. Es stehen nur 25 Minuten zur Verfügung.

Alle Mitglieder des deutschen "All-Star-Teams" freuen sich auf den Wettkampf der "Water Operators" und nehmen ihre Teilnahme frei nach dem olympischen Motto "Dabei sein ist alles". Natürlich streben sie eine gute Platzierung an, aber auch der Spaß an dem sportlichen und wissensmäßigen Kräftemessen darf nicht zu kurz kommen. Daher würden sich die vier Herren auch freuen, wenn sie die den Preis für das Team mit dem besten Teamgeist mit nach Hause bringen könnten.

"Solche Berufswettkämpfe dienen der Motivation der Belegschaft in abwassertechnischen Anlagen", ist sich Achim Höcherl sicher. "Sie machen aufmerksam auf unser Berufsbild, wecken Interesse an dieser wichtigen Arbeit und lassen bei dem einen oder anderen Jugendlichen den Wunsch entstehen, eine Ausbildung zur Fachkraft für Abwassertechnik zu absolvieren." Letzteres liegt Höcherl besonders am Herzen, denn der 44-Jährige ist nicht nur mit Leib, Seele und großer Überzeugungskraft Abwassermeister, sondern gibt als Ausbildungsbeauftragter für die Fachkraft für Abwassertechnik in den Bonner Kläranlagen diese Leidenschaft auch gerne an die Nachwuchskräfte weiter.

Vorstellung der Bonner Ausbildungsbox Abwassertechnik

In dieser Funktion hat Höcherl vor Jahren auch einen handlichen Ausbildungskasten entwickelt, der zwischenzeitlich seinen Siegeszug in viele Teile der Welt angetreten hat. Die Ausbildungsbox Abwassertechnik wird der Kläranlagenleiter auch in Chicago vorstellen. Die amerikanischen Gastgeber haben ihren deutschen Kollegen gebeten, diese Box zu erläutern. Der über die DWA vertriebene Baukasten ist mittlerweile in Englisch, Niederländisch, Rumänisch, Russisch, Kroatisch und sogar in Hindi übersetzt worden. Der von dem Praktiker Höcherl entwickelte Baukasten erweist sich als äußerst effektiv bei der Ausbildung des Kläranlagenpersonals. Der handliche Koffer enthält unter anderem magnetische Haftkarten, Karteikarten im Spielkartenformat und einen USB-Stick mit Fragen zur Abwassertechnik. 2011 wurde die Box sogar mit dem Umweltpreis der deutschen Abwasserwirtschaft ausgezeichnet.

Viel Zeit für Sightseeing wird Höcherl übrigens kaum bleiben. Er reist am 24. September an, bereits am nächsten Tag steht Training in der Kläranlage Chicago an. Der Wettkampf ist am 28. und 29. September angesetzt. Der Vortrag über die Ausbildungsbox ist für den 30. September terminiert und am 1. Oktober ist bereits der Rückflug gebucht. Doch das tut der Vorfreude keinen Abbruch.

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Veröffentlicht
26. September 2015, 00:00
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