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Spicher Extremsportler finished beim 1.215 Km langen Ultramarathon Zum sechsten Mal hat Rainer Paffrath vom RV Blitz Spich den Ultramarathon Paris – Brest – Paris bewältigt. Nach etwas 64:38 Stunden erreichte er das Ziel. Vor 20 Jahren wagte er erstmalig dieses extreme Abenteuer und konnte seitdem keinem Rennen, das alle vier Jahre stattfindet, widerstehen. Ca. 6.500 Teilnehmer aus allen Erdteilen nahmen in diesem Jahr an den Strapazen teil, insbesondere gab es riesigen Zuwachs aus Asien (z.B. Japan, Indien, China). Hier der persönliche Bericht von Rainer nach dem Rennen: Meine Schätzung ist, dass wir ca. 700 deutsche Teilnehmer waren; damit sind wir nach den Franzosen die teilnehmerstärkste Nation. Am Tag vor dem Start findet ein Bike-Check statt, bei dem insbesondere Bremsen und Beleuchtung geprüft werden. Es wird auch gecheckt, ob alle Teile und Taschen fest sitzen, denn Paris – Brest – Paris ist auch eine harte Materialprobe, da schnelle Abfahrten und teilweise schlechte Straßen bewältigt werden müssen. Der Start läuft im Viertelstundenrhythmus in Gruppen à ca. 300 Fahrer ab. Meine Startzeit war um 5:15 Uhr am Montagmorgen. Man kann auch am Sonntagabend starten, aber ich wähle lieber früh morgens, um einigermaßen den Biorhythmus beizubehalten und nicht gleich in die Nacht hineinfahren zu müssen. Ich bin mit einer kleinen Rahmentasche, einer kleinen Tasche unter dem Sattel und einem 1-Liter-Trinkrucksack (+1 Flasche im normalen Flaschenhalter) gestartet – erstaunlich, wie wenig man eigentlich für eine solche Strecke braucht. Bevor man sich irgendwelche Zeitvorstellungen macht, muss man erst einmal sehen, dass man die harte Prüfung überhaupt schafft. Es gibt viele Abbrecher (im Bereich zwischen 15 und 20%, je nach Wetter). Ich habe viele gute, erfahrene Fahrer gesehen, denen technische oder gesundheitliche Probleme widerfahren sind. Man muss seine Vorbereitung, Ausrüstung, Verpflegung und sonstige Logistik unterwegs minutiös planen, damit es gelingt.   Wir waren alle glücklich, dass der heftige Regen der letzten Tage beendet war und wir bei trockenem Wetter an den Start gehen konnten. Allerdings stellte sich Westwetterlage ein, d.h. auf den ersten 600 km blies uns heftiger Gegenwind entgegen (600 km Gegenwind!). Zusammen mit den ständigen Anstiegen, den doch wieder auftretenden Schauern und der nächtlichen Kälte eine zermübende Angelegenheit. Vermutlich wird es daher auf der ersten Streckenhälfte sehr viele Abbrecher gegeben haben. Leider wechselte die Wetterlage dann bei der Kehrtwende in Brest, d.h. wir konnten den Rückweg leider nicht mit Rückenwind genießen, sondern es stellten sich ständig wechselnde Windverhältnisse ein. Meine Einteilung war es, täglich ca. 450 km zu fahren. D.h. an den ersten zwei Tagen 900 km zurücklegen, die restlichen 300 km dann an etwas mehr als einem halben weiteren Tag. Bedeutet jeweils Start am frühen Morgen und durchfahren bis ca. Mitternacht. Unterbrochen wird die Fahrt durch das Halten an Kontrollstellen. Zwar gibt es elektronische Zeitmessung, die Kontrolle wird aber zusätzlich durch einen Stempel in einer Startkarte bestätigt. Für seine Verpflegung muss man selber sorgen; das erledigt man meist an den Kontrollstellen; hier muss man teilweise lange anstehen – aufgrund der hohen Teilnehmerzahl diesmal ein ausbremsender Effekt. Nach den 450 km dann eine Schlafpause von ca. 4 Stunden in einer Turnhalle mit Schnarchkonzert. Viele versuchen ohne oder mit weniger Schlaf auszukommen – aus meiner Sicht eine völlig falsche Strategie. In der zweiten Nacht habe ich auf dem Fußboden im Speisesaal geschlafen – man ist so müde, dass man überall gut schlafen kann ;-) Sportlich lief es sehr gut, ich kam die Hügel während der gesamten Fahrt gut hoch und konnte auf den Ebenen ein ordentliches Tempo vorlegen. Die gute Einteilung und Form zeigt sich daran, dass ich für Hin- und Rückfahrt annähernd die identische Zeit benötigt habe. Die finale Zeit liegt im Bereich meiner Bestzeit – bei weniger widrigen Verhältnissen wäre in diesem Jahr mehr drin gewesen. Trotzdem bin ich sehr zufrieden, es bei guter Fitness überstanden zu haben – keine Selbstverständlichkeit. Die rein sportliche Seite ist aber nur ein Aspekt, viel mehr zählt das Erlebnis dieser so traditionsreichen Veranstaltung. Familien stehen an den Straßenrändern und bieten Getränke, Essen und teilweise sogar Schlafplätze an, in den Orten werden Feste gefeiert. Es kann passieren, dass man nachts in der völligen Dunkelheit angefeuert wird. Toll auch der internationale Aspekt: unterwegs kommt man mit Teilnehmern aus der ganzen Welt ins Gespräch und arrangiert sich, um die harte Prüfung zu meistern. Zusammen mit der herrlichen Landschaft insgesamt erneut ein grandioses Erlebnis, auch wenn es für mich schon die 6. Teilnahme war.
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