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Bochum / "Ich würde es wieder tun!" - 46 -Jähriger als Brandretter geehrt

(ots) - "Einen herzlichen Dank und meine hohe Anerkennung

möchte ich ihnen aussprechen - nicht nur in meinem Amt als

Polizeipräsidentin - nein, als Mensch. Solche Bürger, wie sie es

sind, die brauchen wir." Diese lobenden Worte fand Polizeipräsidentin

Diana Ewert für einen besonders engagierten und couragierten Anwohner

eines Mehrfamilienhauses in Bochum. Herr Boulbaba El Magrebi (46)

wurde für sein umsichtiges, tapferes und menschliches Verhalten bei

einem Brand am 31.10.2010, geehrt. In dem Wohnhaus an der Straße "Am

Südblick", kam tragischerweise eine Bewohnerin (58) ums Leben. Durch

die Polizeipräsidentin des Polizeipräsidiums Bochum, Frau Diana

Ewert, dem Leiter des Kriminalkommissariates für Brandsachen, Erster

Kriminalhauptkommissar Hans Willi Schäfer und dem stellvertretenden

Amtsleiter der Feuerwehr Bochum, Herrn Gottfried Wingler-Scholz

wurden dem sympathischen Tunesier lebensrettende Feuer- bzw.

Rauchmelder und ein Präsent des Polizeipräsidiums Bochum überreicht.

Herr El Magrebi war am besagten Tag im Bad, als ihm seine Ehefrau

zurief, dass sie Hilfeschreie aus der Nachbarwohnung gehört habe. Im

Hausflur bemerkte er sofort einen beißenden Geruch von brennendem

Plastik, er rannte die Treppen herunter und sah Flammen in der

Nachbarwohnung. Geistesgegenwärtig schickte er seine Frau aus dem

Haus, gemeinsam schellten sie bei den Nachbarn und versuchten zu

warnen. Wieder vernahm er einen Schrei der Nachbarin. Das Erlebte

bewegt den zierlich aussehenden Mann, fast schüchtern sitzt er in

seinem Stuhl im Büro der Polizeipräsidentin Diana Ewert und berichtet

mit zuweilen zitternder Stimme, die folgenden traumatisierenden

Minuten der Hilflosigkeit. Eine gute Bekannte, fast eine Freundin sei

die verstorbene Nachbarin gewesen, er habe sie doch retten wollen.

Immer wieder erklärt er, dass er es nicht schaffen konnte. An der

Nachbarstür habe er gerüttelt, aber der beißende schwarze Rauch habe

ihm langsam die Luft genommen. Plötzlich öffnete ihm der andere

Nachbar, noch schlaftrunken, nicht in der Lage die Situation

begreifen zu können. Mehrfach sprach er den Mann an, der versuchte

durch das mittlerweile völlig verqualmte Treppenhaus zu flüchten. In

der letzten Instanz schob er diesen zurück in dessen Wohnung,

zusammen mit einer weiteren Nachbarin hoffte man im hintersten Zimmer

auf Hilfe, möglichst weit vom Brand entfernt. Er stand Todesängste

aus, er überlegte sogar aus dem Fenster zu springen, um dem

todbringenden Qualm zu entkommen. Als die Fenster der Nachbarwohnung

durch die Brandgase zerbarsten, hörte es sich für den tapferen Mann

wie eine Explosion an. Die Angst hatte ihren Höhepunkt erreicht. In

diesem Moment konnte die Feuerwehr die zusammengedrängten Anwohner

aus der Wohnung retten. Über eine Drehleiter wurden sie durch ein

Fenster nach draußen gebracht. Für seine Nachbarin gab es leider

keine Rettung mehr. Sie starb in ihrer Wohnung. Bedrückt spricht er

die letzten Worte aus. Frau Polizeipräsidentin Ewert ergreift das

Wort;

"Sie haben zwei Leben gerettet, sie haben mehr getan als ein Mensch

in solch einer unfassbaren Situation hätte machen können. Instinktiv

haben sie die Menschen in Sicherheit gebracht!" Herr Gottfried

Wingler-Scholz von der Feuerwehr Bochum: "Herr El Magrebi, sie haben

fast unsere Arbeit übernommen. Durch sie wussten wir, wer wo ist, wie

viele Menschen sich im Haus befinden und konnten das Feuer löschen."

Tröstende Worte auch für die Ehefrau des Mannes, diese leidet immens

unter den Erlebnissen. Professionelle Hilfe wird der Familie durch

Herrn Wingler-Scholz zur Verarbeitung des Erlebten zugesagt, auch

Frau Ewert verspricht Herrn El Magrebi weitere Unterstützung durch

das Polizeipräsidium Bochum und der Stadt Bochum. Durch den

Schicksalsschlag verloren Herr El Magrebi und die anderen Bewohner

ihr Hab und Gut, die Wohnungen sind bislang nicht bewohnbar.

"Doch ich fühle mich wie neugeboren - mir wurde ein zweites Leben

geschenkt! Ich würde es wieder tun!", so schließt der couragierte

46-jährige Tunesier seine Ausführungen.

Ort
Veröffentlicht
25. November 2010, 09:15
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