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Eindämmung des Riesenbärenklaus

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Eindämmung des Riesenbärenklaus

Nachstehend gebe ich einen Ausschnitt aus einer Presseerklärung der Biologischen Station im Kreis Euskirchen zum Thema "Riesenbärenklau" bekannt:

Der bis zu 4 m hohe Riesenbärenklau (= Herkulesstaude) wurde um 1900 von seiner Heimat im Kaukasus über botanische Gärten, Saatgut u. a. hier eingeschleppt und verbreitet sich seit den 50er Jahren stetig. Kennzeichen sind die großen (bis zu 1 m langen, 60 cm breiten), spitz gelappten Blätter und die bis zu 1 m Durchmesser umfassenden Dolden, in denen die relativ kleinen weißen Blüten angeordnet sind. Diese imposante Erscheinung darf nicht darüber hinwegtäuschen, daß Herkulesstauden die einheimische Vegetation verdrängen und dadurch u.a. die Stabilität von Ufern an Flüssen und Bächen gefährden. Aus diesen Gründen hat die Biologische Station den Einsatz zur Eindämmung des Riesenbärenklaus im Kreis Euskirchen während der letzten 15 Jahre koordiniert. Ohne diese Maßnahmen wären inzwischen ganze Bachtäler und Naturschutzgebiete von Beständen dieser Staude "eingenommen" worden.

Am Anfang stand die systematische Erfassung der Herkulesstauden im gesamten Kreisgebiet. Nachdem Ausmaß und Verbreitung bekannt waren, konnten effiziente Maßnahmen ergriffen werden, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern. Dabei wurden in den letzten Jahren zahlreiche Helfer organisiert. Neben den ehrenamtlichen Naturschützern halfen Landwirte, Imker, Gemeindearbeiter, die Arbeiterwohlfahrt, die Straßenmeisterei und Privatleute, den Riesenbärenklau vor der Fruchtreife auszugraben.

Die Finanzmittel des Kreises Euskirchen sind für die Bekämpfung der Bestände des Riesenbärenklaus nur begrenzt vorhanden. Um die bisherige Arbeit und auch den finanziellen Aufwand der letzten anderthalb Jahrzehnte nicht infrage zu stellen, sind die Gemeinden und der Kreis Euskirchen auf die Mithilfe jedes Einzelnen angewiesen - schließlich produziert eine "übersehene" fruchtende Herkulesstaude bis zu 20.000 Samen, die sich durch ihre Schwimmfähigkeit besonders an Bächen schnell ausbreiten können.

Abgesehen von der ökologischen Schädlichkeit des Riesenbärenklaus macht dieser immer wieder Schlagzeilen, da er bei Hautkontakt starke Hautallergien verursacht.

So werden die Inhaltsstoffe des Pflanzensaftes (sog. Furokumarine) bei der Berührung der Blätter von der Haut aufgenommen und verursachen insbesondere bei starkem Sonnenschein eine an eine Verbrennung erinnernde Dermatitis. Es bilden sich Brandblasen, die Schädigung der Haut kann bei sorglosem Umgang langwierig und gefährlich sein. Gefahren bestehen besonders bei Freischneidearbeiten mit unzureichender geschlossener Kleidung und für Kinder, die nicht selten im "Bärenklauwald" Versteckspielen oder die großen hohlen Stengel als "Blas- oder Fernrohr" verwenden, wobei neben Gesichts- und Mundverbrennungen auch Augenverletzungen verursacht werden.

Hier einige Tipps zum Umgang mit Riesenbärenklau:

• Das Ausgraben der Wurzeln ist zu allen Zeitpunkten die sicherste Methode. Es muß die Speicherwurzel in mindestens 15 cm Tiefe abgestochen werden. Zu empfehlen bei Jungpflanzen (weniger Verbrennungsgefahr durch Pflanzensaft) und bei einzelnen Vorkommen. Für jeden anwendbar, eine Nachkontrolle entfällt. Nachteil ist der hohe Arbeitsaufwand insbesondere an schwer zugänglichen Stellen mit steinigem Untergrund wie z. B. Uferbereiche.

• Das Abschneiden und Einsammeln der Blüten- und Fruchtstände verhindert das Aussamen der Pflanzen. Eine Nachkontrolle ist erforderlich, da sich weitere Blütenstände (Dolden) bilden können. Die Methode ist nicht ungefährlich, da Berührungen mit den zur Blütezeit oft mächtigen Blättern usw. nicht vermieden werden können. Daher unbedingt auf Schutzkleidung achten. Die Blüten-/Fruchtstände müssen verbrannt werden! Oder in die "Schwarze Tonne" - keineswegs in die Biotonne oder auf den Kompost!

• Die Mahd ist ebenfalls von jedem durchführbar, die Wirkung ist jedoch stark vom Zeitpunkt der Behandlung abhängig. Eine frühe Mahd ist ungefährlich, aber im Abstand von 2-3 Wochen fast wirkungslos. Am wirkungsvollsten ist die Mahd im Zeitraum Beginn der Blüte bis Beginn der Samenbildung. Zur Vermeidung weiterer Samenbildung ist das Mähgut abzuräumen und auf geeignete Weise zu beseitigen (Verbrennen, Häckseln der Dolden, Kompostieren). Nachteil: Die Mahd muß im Abstand von 2 - 4 Wochen mehrmals wiederholt werden, da eine Blüten- und Samenbildung (in tlw. nur 10 cm Höhe) aus der Wurzel erfolgen kann. Deshalb ist auch eine Nachkontrolle nötig.

• Die Herbizidanwendung ist nur mit entsprechendem Sachkundenachweis des Anwenders und innerhalb einer landwirtschaftlichen Nutzung unter Einhaltung der Sicherheitsvorschriften erlaubt. Mindestabstände zu Gewässern, Vorflutern und Gräben sind strikt einzuhalten, da die meisten gegen Herkulesstauden geeigneten Mittel toxisch bzw. schädlich für Fische, Amphibien und Kleinlebewesen sind. Für Naturschutzgebiete und nicht landwirtschaftlich genutzte Flächen sind Ausnahmegenehmigungen einzuholen. In Wasserschutzgebieten und entlang von Gewässern scheidet die Herbizidanwendung aus. Um die übrige Vegetation nicht zu schädigen und die Anwendungsmenge zu minimieren, sollte nur im Streichverfahren oder mit gezielter Spritzung mit einer Rückenspritze vorgegangen werden. Sämtliche Flächenspritzungen sind zu unterlassen. Die Vorteile liegen bei der - allerdings in Abhängigkeit von Herbizid und Konzentration - hohen Wirksamkeit, zumal auch die Wurzeln und Samen mit erfaßt werden. Die Bekämpfung ist jederzeit zwischen Auftauchen von Keimlingen und Beginn der Blüte möglich, erfordert allerdings eine Nachkontrolle. Fazit: Bei richtiger Anwendung eine erfolgreiche Methode, die aber nur für Spezialisten in Ausnahmefällen akzeptabel ist.

Als wirkungsvolle ergänzende Maßnahme ohne Nebenwirkungen sind alle Erhaltungs- und Fördermaßnahmen der natürlich vorkommenden Pflanzengesellschaften zu sehen. So schafft eine naturnahe Gewässer- und Ufergestaltung die Voraussetzung für eine artenreiche Ufer- und Auenvegetation, in deren dichten Bestand Neophyten nur schwer eindringen können. Ähnliche Vorteile schafft die extensive Bewirtschaftung von Grünlandflächen, sei es durch Mahd oder Beweidung. Weidevieh, welches gelegentlich junge Herkulesstauden abfrißt, wird durch das Gift nicht geschädigt. Eine alleinige Beweidung hilft allerdings nicht, es muß zusätzlich eine Weidepflege erfolgen!

Die Eindämmung des Riesenbärenklaus erfordert die Mithilfe aller, sei es durch Meldung von Vorkommen oder durch die direkte Beseitigung. Im Kreis Euskirchen sind wir in der verhältnismäßig vorteilhaften Lage, daß die Bestände - noch! - relativ klein sind und wir an den Oberläufen der wichtigen Fluß- und Bachsysteme liegen. Diese Chance sollten wir angesichts der hier noch erhaltenen hochwertigen Biotoptypen, die auf dem Spiel stehen, nicht verstreichen lassen. Jeder, ist zuständig, denn wir alle müssen die Verantwortung für die durch uns veränderten Lebensräumen übernehmen, in denen sich Neophyten wie der Riesenbärenklau fast ungehemmt ausbreiten können.

Für Fragen rund um den Riesenbärenklau steht Ihnen Herr Schulze von der Biologischen Station des Kreises Euskirchen in Nettersheim, Tel. 02486/950715, gerne zur Verfügung.

Ort
Veröffentlicht
28. Juni 2019, 05:22
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