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Himmelsakrobatik über dem Dümpel

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Himmelsakrobatik über dem Dümpel

Tausende Besucher auf dem Flugplatzfest erlebten hautnah die Faszination des Fliegens

Traditionell im Juni veranstaltete der Luftsport-Club Dümpel nun schon zum 28. Mal sein Flugplatzfest auf dem Bergneustädter Flughafen. Rainer Kurzawa moderierte die Veranstaltung und war begeistert, dass sich das Wetter nach den Gewitterschauern in der Nacht stetig verbessert hatte. "Heute sind rund Tausend Besucher hier", schätzte er am Samstag, während sein Blick von dem erhöhten Aussichtsplatz neben dem Tower über das bunte Treiben auf dem Flugplatzvorfeld schweifte. Der Besucherandrang am Sonntag war rund dreimal so hoch.

Sein Fliegerkollege Martin Hisge weiß einiges über die Maschinen und ihre Piloten zu berichten: Bernhard Diehl aus Mainz ist zum ersten Mal auf dem Dümpel. Für die Anreise mit seiner Extra 300 SHP hat er keine 25 Minuten gebraucht. Die Maschine mit 10 Liter Hubraum und 315 PS schafft eine Rolle um die Längsachse unter 2 Sekunden." Im Interview erzählt Diehl, der beruflich als Verkehrspilot seit fast 20 Jahren Jumbo Jets steuert: "Fliegen ist mein Kindheitstraum und Kunstflug mache ich seit 9 Jahren. Aber das ist viel anspruchsvoller, als eine 747 zu fliegen."

Hisge deutet auf eine chrom und gelb blitzende Ryan PT22 von 1942, die zur Pilotenausbildung genutzt wurde: "Das ist ein fliegender Bugatti - weil sich der Motor genauso anhört - vom gleichen Konstrukteur, der zuvor auch die "Spirit Of St. Louis" entwickelt hatte, mit Charles Lindbergh 1927 zum ersten Mal den Atlantik nonstop überquerte.

Am Himmel über dem Dümpel vollführten die Kunstflugpiloten vom Acro-Team Meschede mit ihren Doppeldeckern atemberaubende Luftkunststücke. Mit ihren Smokern zogen sie Rauchspuren hinter sich her, die für einige Sekunden wie gemalte Kunstwerke am Himmel standen. Wenn die Maschinen am Scheitelpunkt nach einem steilen Steigflug ins Trudeln gerieten und scheinbar steuerungslos nach unten stürzten, stockte so manchem Zuschauer der Atem. Auch Segelkunstflug fehlte auf dem Flugplatzfest nicht. Vollkommen lautlos und scheinbar schwerelos, life begleitet von David Döring mit seiner Panflöte, zauberte Gisbert Leimkühler, Mitglied der Deutschen Nationalmannschaft, mit seiner Swift S-1 rote Farbspuren zwischen weiße Wolken und blauen Himmel - auf eine Weise, die an die Anmut eines kreisenden Vogels erinnerte und zum Träumen verführte.

Wie es sich anfühlen mag, selbst so durch die Luft zu gleiten, davon konnten die Besucher im Hangar des Flugplatzes im Segelflugsimulator oder beim Probesitzen in einem echten Segelflugzeug einen ersten Eindruck bekommen. Wenn dann die glasklare Haube geschlossen wurde, brauchte man nur noch die Augen schließen, um sich selbst am Himmel zu sehen. Aber das musste an diesem Wochenende kein Wunschtraum bleiben. Der Luftsportclub bot den Besuchern zahlreiche Gastflüge an, sowohl mit Motorflugzeugen als auch mit Segelflugzeugen. Und es bestand sogar die Möglichkeit, während eines Kunstflugs mit dabei zu sein.

Ein besonderes Erlebnis war der Mitflug in dem Doppelsitzer-Segelflugzeug Arcus M, dem ganzen Stolz der Dümpelaner. Schon vor dem Start beginnt das Abenteuer. Beim Warten auf das Startfenster eröffnet der Blick vom Copilotensitz aus dem noch offenen Cockpit eine ganz andere Perspektive auf die Luftakrobatik der Maschinen in der Luft. Der Hochleistungssegler muss nicht einmal auf Höhe geschleppt werden, sondern kann mit seinem 68 PS starken Motor aus eigener Kraft starten. Auf 600 Meter über Grund angekommen, spürt man nach dem Einfahren des Motors die eigentliche Faszination des Segelfliegens. Nur ein leises Rauschen verrät, dass man sich mit rund 200 km/h fortbewegt. Fluglehrer Steffen Trapp ist dann auf der Suche nach einer Wolke, unter der starke Aufwinde für den weiteren Aufstieg ohne Motorkraft sorgen.

Traumhaft sanft gleitet der Segler in 1000 Meter Höhe über das Oberbergische und das nahe Sauerland. Der Pilot erklärt, dass das Segelflugzeug eine Gleitzahl von 50 besitzt, was bedeutet das es aus dieser Höhe ohne Aufwinde oder Motoreinsatz 50 Kilometer weit fliegen kann. Viel eindrucksvoller aber ist das Erleben des Steigflugs beim langsamen Kreisen um einen Thermik-Bart im Wechsel mit schnellem Streckenflug. In Steillagen bis zu 60 Grad kippt der Horizont und eröffnet eine ganz neue Perspektive auf die bislang nur vom Boden aus bekannte Landschaft. Auch nach 43 Jahren Segelflugerfahrung ist Steffen Trapp immer noch begeistert: "Das Fliegen mit diesem Segler ist nicht nur ein vorübergehender Virus - es macht süchtig!"

Wen der Fliegervirus auf dem Flugplatzfest auch erwischt hat, kann ab einem Mindestalter von 14 Jahren auf dem Dümpel eine Ausbildung zum Segelflugpiloten machen. Dazu bietet der Luftsportclub als zweitgrößter Luftsportverein in NRW Schnupperwochenenden an, bei denen Interessierte nach einer theoretischen Einweisung auch selbst einmal den Steuerknüppel in die Hand nehmen dürfen.

mk

Ort
Veröffentlicht
05. Juli 2019, 04:31
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