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Fachhochschüler entwerfen Schulentwicklungsplan

Drei Standorte gefährdet – interessante Lösungsansätze

Die Situation der Bergisch Gladbacher weiterführenden Schulen hat eine Gruppe von 12 Studierenden der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung in Köln unter Betreuung des Dozenten Dr. Jens Walkowiak unter die Lupe genommen. Ziel war der Entwurf des Schulentwicklungsplans bis zum Jahr 2020. Unter Betrachtung der für diesen Zeitraum prognostizierten Schülerzahl, der benötigten Räumlichkeiten und des Sanierungsstandes der Gebäude kommt die Facharbeit zu dem Ergebnis, dass drei Schulen nicht über den Prognosezeitraum hinweg gehalten werden können. Es ergibt sich außerdem die Möglichkeit, einen Schulstandort zu schließen.

Schülerzahl nimmt deutlich ab, Trend zum Gymnasium wird stärker

200 Schülerinnen und Schüler weniger als heute (2011: 1255; 2020: 1024) werden am Ende des Prognosezeitraums in den Eingangsklassen der weiterführenden Bergisch Gladbacher Schulen zu versorgen sein. Dieser Rückgang kommt so sicher wie das Amen in der Kirche: Die Kinder sind heute schon geboren, sie werden im Jahr 2020 zehn Jahre alt sein. Insbesondere die Hauptschulen werden dies zu spüren bekommen, die Realschulen in geringerem Maße, während Gymnasien und Gesamtschule durchweg stabil bleiben. Das Gutachten der Studierenden beruft sich aber nicht nur auf diese Zahlen: Zusätzlich wurden die Anmeldegewohnheiten an den einzelnen Schulen analysiert und bis 2020 fortgeschrieben.

Auswirkungen auf die einzelnen Schulformen

Die bereits begonnene Konsolidierung der Hauptschulstandorte scheint also noch nicht beendet: Bereits im Jahr 2016 kann am Ahornweg die Zweizügigkeit nicht mehr gehalten werden, ab 2018 ist die Einzügigkeit nicht mehr gesichert. Bei der Hauptschule im Kleefeld steht die Einzügigkeit ab dem Jahre2019 dauerhaft an. Damit ist der Erhalt der beiden Standorte bis zum Ende des Prognosezeitraums rechtlich nicht mehr möglich.

Auch bei den Realschulen zeichnen sich Veränderungen ab: Fünf Standorte gibt es heute noch, die dauerhafte Unterschreitung der Zweizügigkeit – sie ist rechtliche Grundlage für den eigenständigen Fortbestand - wird zuerst 2016 an der Marie-Curie-Schule eintreten. Drei Jahre später, im Jahr 2019, wird die Realschule im Kleefeld dauerhaft einen Zug eingebüßt haben und nur noch zweizügig existieren. Was nicht zur Schließung führt, aber Kapazitäten öffnet für Konsolidierungsmaßnahmen. Nicht gefährdet bis 2020 sind die Realschulen in der Kaule, in Herkenrath und an der Saaler Mühle.

Spitzenreiter der Elterngunst bei den Anmeldungen ist die Integrierte Gesamtschule Paffrath: Sie wird auch 2020 nach wie vor sechszügig betrieben werden können. Auch die Schülerzahlen an den Gymnasien legen im Prognosezeitraum eindeutig zu; verstärkt werden könnte der Trend sogar noch durch die Aussetzung der verbindlichen Grundschulempfehlungen. In den Eingangsklassen ist lediglich beim Nicolaus-Cusanus-Gymnasium (NCG) ab 2019 die Dreizügigkeit gefährdet. Da der Rat der Stadt die Zügigkeit der Gymnasien allgemein auf vier gedeckelt hat, muss an anderen Standorten sogar mit einer Aufnahmebeschränkung gerechnet werden. Durch die sinkenden Schülerzahlen geht der Raumbedarf jedoch insgesamt zurück: Gesamtstädtisch wird im Jahr 2020 ein Überhang von 59 Räumen bestehen. Diese Rechnung macht deutlich, dass die Stadt auf einen kompletten Schulstandort verzichten könnte.

Drei Alternativen zur Standortfrage

Der Schulentwicklungsplan wäre nicht vollständig, hätten sich die Studierenden nicht auch konkrete Gedanken gemacht, welcher Standort für eine Schließung in Frage käme. Wesentliches Kriterium: der Sanierungsstand der Gebäude. Sorgenkinder sind hier das NCG und das Schulzentrum Saaler Mühle. Für beide steht die Sanierung noch aus; veranschlagt sind 12 bzw. 16 Mio. Euro. An der Saaler Mühle gibt es keine Alternative zum Fortbestand, für das NCG ließen sich aber differenzierte Szenarien vorstellen.

Drei Lösungsansätze haben die Studierenden aus den vorliegenden Forschungsergebnissen entwickelt: Alternative 1 behandelt die Verlegung des NCG an das Schulzenturm Ahornweg. Sowohl die Hauptschulen als auch die Realschulen Ahornweg bzw. Kleefeld werden wegen Unterschreitung der Mindestgröße ab 2016 nicht mehr eigenständig bestehen können. Das Gebäude in Gronau ist vor fünf Jahren saniert worden; man könnte den Standort an der Reuterstraße aufgeben, die Sanierung sparen und das Grundstück veräußern. Eine einfache Variante, die in der Vergangenheit schon diskutiert wurde.

Die Alternative 2 sieht eine Zusammenlegung der beiden Hauptschulen spätestens 2019 am Ahornweg vor. Das NCG hat ab 2013 einen Überhang von 21 Räumen und wäre in der Lage, die komplette Realschule im Kleefeld aufzunehmen. Damit könnte ein neues Schulzentrum an der Reuterstraße manifestiert, der Standort Kleefeld aufgegeben und dessen Grundstückserlös für die Sanierung des NCG eingesetzt werden. Im weiteren Verlauf der Entwicklung wäre zur Sicherung des Standortes Ahornweg über die Umwandlung in eine Gemeinschafts- oder Gesamtschule nachzudenken.

Alternative 3 geht noch einen Schritt weiter und schlägt die Zusammenlegung der beiden Schulzentren Ahornweg und Kleefeld am Standort Ahornweg vor, was vom Raumprogramm her ab 2019 unproblematisch möglich wäre – verbunden wiederum mit dem Hinweis auf die Notwendigkeit neuer Konzepte zur Sicherstellung der Bedürfnisse der Hauptschul-Klientel. Mit der Zusammenlegung der heutigen vier Schulen könnte das komplette Schulzentrum Kleefeld anderweitig genutzt werden. Hier bietet sich die Lösung an, das NCG mit seinem derzeit maroden Baukörper dort, ca. 400 Meter entfernt, eine neue Heimat finden zu lassen. Vom Raumprogramm her scheint dies auf den ersten Blick machbar: 34 Räume sind vorhanden, 30 werden benötigt. Gespart wären die Sanierungskosten für die Reuterstraße, und das nicht mehr benötigte Schulgrundstück könnte ebenfalls veräußert werden.

Jetzt ist die Politik am Zug

Der von den Studierenden entwickelte Entwurf des Schulentwicklungsplanes und auch die vorgeschlagenen Lösungsansätze sind nicht „gesetzt“: Jede Idee muss zunächst weitergehend untersucht werden. So sind im Konzept zum Beispiel nur die Klassenräume berücksichtigt, nicht aber die Fachräume. Die Bergisch Gladbacher Schullandschaft wird so oder so in den kommenden Jahren in Bewegung geraten. Ganz sicher ist aber der Schritt, der nun als nächster ansteht: Der Ausschuss für Bildung, Kultur, Schule und Sport wird in einer Sondersitzung am 25. Januar das Konzept beraten und weitere Handlungsempfehlungen an Politik und Verwaltung geben.

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Veröffentlicht
24. Januar 2011, 11:06
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