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Wo sind nur die Tollitäten hin - wo sind sie geblieben?

Ein von der Sängerin Hildegard Knef im Text ein wenig umgewandeltes Lied könnte derzeit im Bad Münstereifeler Land lauten: „Wo sind nur die Tollitäten hin. Wo sind sie geblieben?" Im Karneval wird meist viel gelacht, geschunkelt, getanzt und gesungen. Nicht selten heißt es bei den an vorderster Front stehenden Karnevalisten, dass der Karneval „die ernsteste Sache der Welt" sei. Vielleicht ein wenig übertrieben, aber wenn man im Stadtgebiet von Bad Münstereifel und der Umgebung umhört, wird manchem Zeitgenossen klar, dass der Karneval „nemmi dat öss, watte ens wohr".

Das scheint zu stimmen, denn viele haben inzwischen keine Lust mehr. Unter anderem wegen des fehlenden Nachwuchses und der mangelnden Unterstützung, die Hauptlast im Verein zu tragen.

Für die Karnevalisten Heike Manheller und Elke März ist die ehemalige Reithalle - als Festhalle umgebaut und genutzt - aus statischen und anderen Gefahrengründen vorerst geschlossen. Derzeit findet hier kein aktiver Karneval statt; die Gründe liegen auch im Vereinsleben. Wenn auch in diesem Jahr keine Sitzung stattfindet, soll wenigstens am Karnevalssonntag, wie in der Mutscheid, der Karnevalszug starten. Am Samstag zieht der Zug durch Eicherscheid, wo um Zugteilnehmer auf großen Plakaten geworben wird. Bei den „Roometräje" hat sich zur Erhaltung des Brauchtums ein neuer Vorstand gegründet. Auch die „Löstige Breddemän" (meist Frauen) klagen über den Besucherrückgang, so dass die Verantwortlichen ein kleineres Festzelt aufgebaut haben.

Vermutlich wird es in Schönau im Mai (noch ist Silvia Pietsch-Ungermann Präsidentin) Veränderungen geben. Auf ein Zelt, wie es früher auf dem großen Parkplatz „Kupferkessel" stand, müssen die Erfttrabanten verzichten.

Bad Münstereifels Bürgermeisterin Sabine Preiser-Marian stellte fest, dass es erstaunlich sei, dass sich kaum noch jemand bereit erkläre ins Prinzenkostüm zu schlüpfen. Als bekennende Karnevalistin mache sie dies schon ein wenig traurig. Scherzhaft meinte sie: „Nachdem ich Schützenkönigin geworden bin, könnte ich ja auch noch Karnevalsprinzessin werden." Dass nicht alles im Lot sei, habe sie im Zuge der Rathaus-Erstürmung im vergangenen Jahr feststellen müssen, der dank einiger „Möhnen" dennoch über die Bühne ging. Der Sturm auf das Rathaus werde vermutlich auch in diesem Jahr stattfinden und man führe Gespräche mit allen Oberen der städtischen Karnevalsvereine, um einen neuen Weg dieser Brauchtumspflege zu finden. Die Bürgermeisterin möchte auch an der guten Tradition des Prinzenempfanges im großen Sitzungssaal des Rathauses festhalten. Eigentlich ein leicht schwieriges und derzeit nicht mehr zeitgemäßes Unterfangen. Einige fragen sich, wieso der Namen „Prinzenempfang" aufrechterhalten werde, wie ihn seit vielen Jahren auch Landrat Günter Rosenke mit mehr oder weniger großem Zulauf im Kreishaus zelebriert. Doch Bad Münstereifels Bürgermeisterin ist zuversichtlich, dass es auch in ihrer Verwaltungsgegend bald wieder mehr gibt, die im Karneval das Narrenzepter schwingen.

Allein auf weiter Flur, aber dennoch zu dritt, dürfen in dieser Session im gesamten Stadtgebiet von Bad Münstereifel nur drei fesche junge Frauen singen: „Hallo und hergehört. Hier spielt die Musik." In der Tat, denn die drei Freundinnen (Dreigestirn aus dem Heimatdorf der Bürgermeisterin) mit Prinz Renate, Bauer Elke und Jungfrau Sandra, sind in dieser Session die einzigen Tollitäten im Stadtgebiet. Die drei feschen „Weibsbilder" zeigten den Männern, dass es geht und gingen mit ihrer lange im Doppeldorf geheim gehaltenen Proklamation mit gutem Beispiel voran. Dass es allerdings nur diese drei weit und breit sein würden, hätte vorab keiner gedacht. Auch nicht Silvia Roggendorf, die langjährige Präsidentin der Arloff-Kirspenicher Prinzengarde. Sie war froh, mal wieder ein Geheimnis lüften und ausrufen zu dürfen: „Jawohl, me hann evver wedde welche." Und das mit Sicherheit ohne Schadenfreude.

Manfred Görgen

SCHLAGWORTE:
Ort
Veröffentlicht
24. Februar 2017, 00:00
Autor
Rautenberg Media Redaktion

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