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Viele Wege führen nach Santiago Compostela

Bad Münstereifel-Houverath/Santiago de Compostela. „Der Weg ist das Ziel". Eine alte Binsenweisheit. Ebenso: „Viele Wege führen nach Rom". Sonja Lüders, ehemals im kleinen Eifeldörfchen Houverath (Bad Münstereifel) lebend, setzte dies in die Tat um.

Sie hat sich vorgenommen, nach Santiago Compostela zu pilgern. Auf bekannten und unbekannten Pfaden wollte sie den Jacobsweg von Deutschland über Frankreich zum Ziel der Wallfahrtsstätte in Spanien bewältigen. Dass es in der Eifeler Gegend um Houverath kein ausgeschilderter Jacobsweg gibt, war der inzwischen in Dortmund lebenden Eifelerin bekannt. Sie wich bewusst vom ursprünglichen Ziel etwas ab und ließ sich von gut besohlten Füßen unter anderem bis nach Bad Münstereifel-Houverath tragen.

Es war Tag zwölf, als Sonja Lüders vom Ausgangspunkt, einem Dortmunder Ortsteil, das Ortsschild von Houverath erreichte. Hier wurden viele Erinnerungen wach und die Pilgerin hatte Freudentränen in den Augen. „Im Schwanel" wohnte sie mit ihren Eltern, besuchte die alte Volksschule, bevor sie wegzogen. Auf bewusst beschwerlichen Wegen wollte Sonja Lüders nicht den geraden Weg zum Ziel wählen.

Auch Stationen ihres früheren Lebens wollte sie mit einbeziehen. Sie war erfreut, als sie auf Schusters Rappen vor der alten Schule in Houverath stand, die sich mit altem Bruchstein und vor über 130 Jahren erbaut, nicht viel verändert hatte. Nur zwei Anbauten und das Feuerwehrgerätehaus waren ihr fremd.

Da die Gaststätte Eifeldom geschlossen hatte, ging sie zum gegenüber der Schule gelegenen Fußpflege-Studio. Doch nicht, um sich die geschundenen Füße behandeln zu lassen - die Füße waren dank gutem Schuhwerk noch in Ordnung. Ein Schluck Wasser, freundliche, aufmunternde Worte genügten. „So wie hier ergeht mir das meistens. Ich freuen mich, wenn sich Menschen mit mir unterhalten, gute Ratschläge geben und was zum Verzehr anbieten", erklärte die Pilgerin. Zu viel kann sie jedoch nicht annehmen, mehr als 18 Kilo sollte das Rucksackgepäck nicht übersteigen.

Aufmunternde Worte von der Frau aus dem „Blumenlädchen", die mit ihrem Mann vor geraumer Zeit ebenfalls ein Stück Jacobweg bis Trier und in einer zweiten Etappe nach Frankreich gegangen war. „Erfahrungen, die man nie vergisst", sagte diese Frau.

Sonja Lüders, die als Privatköchin im „Rurpott" arbeitet, hat für sich entschieden, eine Auszeit zu nehmen. Ohne auf das „Warum" einzugehen, ist sie zuversichtlich, den langen Weg bis Santiago de Compostela zu meistern. Kein leichtes Unterfangen, denn immerhin liegt ein Zeitraum von etwa vier Monate vor ihr. Sonjas Lüders bedauerte, ihre ehemalige Volksschulrektorin Ingrid Messelken nicht angetroffen zu haben. Wichtig war für sie, auf ihrem Weg zu ihren Wurzeln zurückzufinden: „Das hat mir auch in Houverath gut getan. Houverath war eine schöne und mit Sicherheit unvergessliche Kindheitszeit für mich." (mg)

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Veröffentlicht
11. Dezember 2015, 00:00
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