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"Der Bär geht zum Försterball"

Jojo Ludwigs Kultstück auch im 10. Jahr ein Genuss

(ar) Was vielen Fernsehzuschauern das an Silvester unvermeidliche "Dinner for One", ist in Bad Münstereifel schon seit fast 10 Jahren die Aufführung des Bären, der versehentlich auf dem Försterball landet. Der Erfolg von beidem hat sicher auch damit zu tun, dass solche stabilen Traditionen ein wenig Verlässlichkeit in einer Welt, die sich gerade heftig verändert, bedeuten. Wichtiger aber noch scheint der Humor beider Stücke, denn was könnte es besseres geben, um das alte Jahr zu verabschieden und das neue zu begrüßen, als ein befreiendes Lachen. Dazu hatte das auch in diesem Jahr wieder vollbesetzte Parkett des Theater1 viel Gelegenheit. Mit seiner typischen Mischung aus kleinen skurrilen Einfällen und auch etwas derberen Pointen gelingt es Ludwig, sein Publikum von der ersten Minute an einzufangen und zu erheitern. Dass dem Stück darüber hinaus auch eine lehrreiche Parabel innewohnt, die sich etwa im Sprichwort, von den Kleidern, die bekanntlich "Leute machen", wiederfindet, mag ebenfalls nicht unwichtig sein, vor allem da sie die Plausibilität dieses "Märchens" unterstützt. Aber zurück zum Ablauf der Geschichte. Als Zuschauer sieht man als erstes ein imposantes Bühnenbild, das offenbar den Flur eines Landgasthauses darstellt, auf dem Ludwig als Kellner geschäftig hin und her wuselt und ganz nebenher in die Geschichte einführt. Zentraler Blickfang, das Gemälde eines röhrenden Hirsches, das trickreich zugleich der Bühnenvorhang für die Handpuppen ist, die den Großteil der Geschichte präsentieren. Der Übergang von der realen Gaststätte in die Waldlandschaft der Puppen gelingt dank eines bezaubernden kleinen Gags. Da werden aus einen Foto von vier Jägern einfach zwei Counterfeits entfernt und diese finden sich im nächsten Augenblick als Jägerpuppen im dichten Wald wieder. Das Gespräch dieser beiden Waidmänner, von denen einer stottert und nur wegen der schmucken Uniform Jaeger sein möchte, im Hauptberuf aber Na - Na - Nachrichtensprecher ist, verläuft überaus erheiternd. Es endet damit, dass der vermeintliche Experte in der selbst gebauten Bärenfalle landet und irgendwie gerettet werden muss. In der Zwischenzeit hat der Hauptdarsteller, der Bär, in einem Kostümverleih versehentlich eine echte Oberförsteruniform erstanden und wird damit problemlos als Autoritätsperson wahrgenommen. Wer wissen will wie die Geschichte schließlich ausgeht, wie man mit einer Kette von Scherenschnitten eine Wirtshausschlägerei simulieren kann oder warum eine Telefonzelle kein Hochsitz ist, sollte sich für die nächste Silvesterparty rechtzeitig Karten besorgen. Ein Glas Sekt und ein paar Blicke auf das Feuerwerk in der Kurstadt im Anschluss an die Aufführung sollte dabei auch eingeplant werden.

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13. Januar 2017, 00:00
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